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Artikel und Hintergründe zum Thema

2 Blickwinkel

Der Mensch im Lager – Ein Auslaufmodell?

In der Rubrik „2 Blickwinkel“ werden Themen, die Industrie und Intralogistik gleichermaßen beschäftigen, kommentiert. Diesmal mit Petra Born, Chefredakteurin handling.

Welche Zukunft hat der Mensch im Lager im Zuge der Automatisierung? Dieser Frage stellten sich Martin Schrüfer (Chefredakteur materialfluss) und Petra Born (Chefredakteurin handling). © Oliver Tamagnini/Berthold Walheim Photographie

Ja, es sieht ganz danach aus. Die selbstdenkende, selbsthandelnde Fabrik, das sich selbst steuernde, menschenleere Warenlager, die durchgehende Automatisierung in allen Bereichen – nicht nur in industriellen – sind ja in aller Munde und im Fokus unserer Berichterstattung. Viele Unternehmen und Einrichtungen arbeiten intensiv an der autonom agierenden Robotik – das ist wichtig und richtig, wenn es um Flexibilisierung, Präzisierung, Qualitätsverbesserung, Entlastung, Ergonomie geht. Aber ich bin dagegen, den Menschen als Auslaufmodell zu sehen, weder in der Produktion, noch im Lager oder anderswo. Wir sind nun mal da (noch zumindest), und ich bin nicht dafür, das Heft an Software und Maschinen abzugeben. Klar, es ist reizvoll und spannend, jedwede Automatisierung und künstliche Systeme voranzutreiben. Es wohnt uns Menschen inne, Grenzen zu ergründen, um sie dann zu verschieben, Schritt um Schritt. Erst recht uns Ingenieuren ist es geradezu eingepflanzt, das Unmögliche machbar machen zu müssen. Kennen Sie den Kleinen Häwelmann von Theodor Storm? „Mehr, mehr …!“ Es folgt freilich der Absturz ins kalte Wasser. M it unseren täglichen Botschaften, in allen Lebensbereichen Jegliches verselbstständigen zu wollen und auch zu können, nehmen wir vielen Menschen Perspektiven: Nicht jeder will (und kann) Entwickler, Stratege, Theoretiker, Projektplaner werden, sondern aus einer guten und sinnvollen Arbeit Erfüllung sowie Existenzsicherung schöpfen. Zum Bei spiel auch in einem Lager. Lassen wir dem Menschen auch dort weiterhin sein enormes Wertschöpfungspotenzial: mit seinen sensitiven und motorischen Fähigkeiten, seiner Umsicht, seiner Erfahrung, seinem Verstand, seiner Möglichkeit zu improvisieren wird er weiterhin gebraucht. In der Fabrik, im Lager, im Laden, im Büro, am Krankenbett. Ich bin dafür, den Werker sinnvoll und im produktiven, effizienten Zusammenspiel mit Maschinen und Systemen einzusetzen und ihn aufzuwerten statt abzuwerten. Der Mensch im Lager – Ein Auslaufmodell? Klares Nein.
Petra Born, Chefredakteurin handling

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Mal ehrlich: Würden Sie gern als Kommissionierer arbeiten? „Natürlich nicht, aber ...“ mag Ihre Antwort nun sein, und ich plädiere nicht nur hier an dieser Stelle für Ehrlichkeit: Ein toller Job wird nie daraus, egal mit welcher physischer oder koordinatorischer Unterstützung Sie unterwegs sind. Ja, es hat sich viel getan seit den Ameisen-Laufzettelund-los-Zeiten. Aber ist das Ziel einer Hebehilfe oder eines narrensicheren Pick-by-großebunte-Bilder-undSymbol-SchnickSchnack-Systems wirklich das Wohlergehen des Mitarbeiters? Oder ist es nicht vielmehr die Verwandlung des Menschen in einen maschinell gelenkten Humanoiden zur Optimierung seiner limitierten Fähigkeiten? Bevor wir hier in philosophische Fragen abdriften, halten wir uns an zwei Aspekte, bei denen Einigkeit herrscht. Erstens: Der demographische Wandel wird die Zahl derer, die in einem Lager arbeiten können (nicht: wollen!) reduzieren. Zweitens: Die größte Schwachstelle eines jeden halbautonomen Systems ist der Mensch. Für ihn mitzuplanen und abzuwägen, wann das System entscheidet und wann doch der Mensch, ist aufwändiger, als eine komplett autonome Lösung. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich träume nicht von einem autonomen Lager, das sich selbst plant und steuert, wohl aber von einem Lager, in dem der Mensch nur noch das macht, was er am besten kann: Denken und spontan sich neu ergebende Situationen meistern – und nicht als mäßig bezahlter Sisyphos Kilometer um Kilometer durch das Lager rennen oder als Pavlov‘scher Mensch farbige Köpfe drücken und Mengen und Gegenstände quittieren. Der Weg dorthin ist noch sehr lang (denken wir an den berühmten „Griff in die Kiste“), aber er ist alternativlos. Und sicher ist: Deutsche Intralogistikunternehmen werden technologisch dabei an der Spitze stehen.
Martin Schrüfer, Chefredakteur materialfluss

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