Interview

Martin Schrüfer,

"Innenstadtnah und mit hoher Flexibilität"

materialfluss: Wie geht ein Logistiker am besten an die Planung eines Logistikstandorts: Was sind die drei wichtigsten Fragen, die er sich stellen muss?

© Aurelis Real Estate

Christin Schulz: Aus Sicht eines Logistikimmobilienentwicklers sollten sich Logistiker folgende drei Fragen stellen, bevor sie in die Planung ihres Standorts einsteigen: 1: Wo sollte die Immobilie geografisch verortet sein (nahe an der Innenstadt oder in der Peripherie), damit das Unternehmen seine Vertriebspartner oder Kunden optimal erreichen kann? Eine gute Anbindung an die wichtigsten Verkehrsachsen ist hier das A und O. Im Wettstreit um qualifizierte Fachkräfte ist auch die Nähe zum ÖPNV ein wichtiger Aspekt. Logistikunternehmen, die nicht auf Megalager an Autobahnkreuzen angewiesen sind, können sich in diesem Zusammenhang auch die Frage stellen, ob sie in urbanen Gewerbeparks eine gute Lösung finden. Sie liegen innenstadtnah und bieten eine hohe Flexibilität.

2. Wie flexibel muss die Fläche sein? Ist es wahrscheinlich, dass das Unternehmen perspektivisch mehr Fläche benötigt, weil beispielsweise das Warensortiment erweitert wird? Oder erbringt das Unternehmen neben Lager- und Logistik- auch Produktions- und Montagearbeiten? Dann sollten die Flächen eine ausreichende Flexibilität mitbringen, damit nach 1–2 Jahren nicht ein Standortwechsel vollzogen werden muss. Ebenfalls wichtig: Ist das Unternehmen an Synergien mit anderen Firmen interessiert? Dann bietet sich vielleicht eine Ansiedlung auf einem Areal an, das für unterschiedliche Nutzungen geeignet ist.

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3. Möchte ich die Flächen kaufen oder mieten? Wachstum oder veränderte Anforderungen an die Immobilie mit entsprechenden Umbauplänen sind oftmals mit hohen Investitionssummen verbunden. Zudem ist das Know-how der Projektentwicklung oft nicht im eigenen Hause vorhanden. Vor diesem Hintergrund kann die Frage, ob neue Flächen gemietet oder gekauft werden, von großer Bedeutung sein – auch für die jeweilige Firmenbilanz. Denn zu guter Letzt ermöglichen es moderne Flächenkonzepte zur Miete auch, dass Logistikunternehmen ihr Kapital ins Kerngeschäft investieren können und nicht „unfreiwillig“ zum Immobilienbestandshalter werden.

mfl: Nachhaltigkeit ist angesagt – auf, vor und im Logistikzentrum: warum eigentlich?

Schulz: Neubau- und Revitalisierungsplanungen von Immobilienunternehmen orientieren sich zudem zunehmend an der EU-Taxonomie. Hierbei bestehen in vielen Fällen gemeinsame Interessen mit den Logistikunternehmen, die ihren eigenen ökologischen Fußabdruck möglichst schmal halten wollen, um selbst ihre Klimaziele zu erreichen. Die Nachhaltigkeit von Immobilien – egal welcher Art – ist zudem essenziell, um Akzeptanz innerhalb der Kommune zu erreichen.

Der Beitrag erschien in materialfluss 3/22.

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