Lager- und Regalsysteme
Konsolidiert, kommissioniert und ausgeliefert
Im neuen Logistikzentrum in Bochum realisierte Wollschläger ein teilautomatisiertes Logistikkonzept. Neben einem Hochregal mit 9.500 Palettenstellplätzen bietet eine Fachbodenregalanlage Platz für 80.000 Einheiten. SSI Schäfer überzeugte mit seinem Förderanlagenkonzept. Ein Rundgang im neuen Logistikzentrum der Wollschläger GmbH & Co. KG in Bochum lässt Handwerkerherzen höher schlagen: Hier lagern über 85.000 Präzisionswerkzeuge und C-Teile. Es herrscht reges Treiben: Es wird geprüft, gezählt, erfasst, eingelagert und wieder kommissioniert, konfektioniert, kontrolliert und schließlich mit Sorgfalt verpackt und verschickt. Für seine Kunden macht Wollschläger fast alles möglich, egal ob es sich um ein kleines Handwerksunternehmen, einen Chemieriesen oder einen Technologiekonzern handelt.

Durch die Zunahme des Service- und Artikelspektrums und des Auftragsvolumens wurde das alte Lager zu klein und Wollschläger suchte einen neuen Standort. Fündig wurde das Unternehmen direkt an der A40, wo ein 115.000 Quadratmeter großes Grundstück mit einer 28.000 Quadratmeter großen Halle zum Verkauf stand. Die ersten Planungen für das Großprojekt entstanden 2012 zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML), das verschiedene Logistikkonzepte von manuell bis voll automatisiert erarbeitete.
Teilautomatisiertes Logistikkonzept bietet Flexibilität
Wollschläger entschied sich schließlich für ein teilautomatisiertes Logistikkonzept, weil es mehr Flexibilität bot. Die Planungen beinhalteten ein mit Staplern bedienbares Hochregal mit 9.500 Palettenstellplätzen, eine dreigeschossige Fachbodenregalanlage mit 80.000 Lagereinheiten für Kleinteile, vier automatische Vertikalliftsysteme mit 20.000 Stellplätzen für Kleinstteile sowie ein automatisches Pufferlager für die Konsolidierung von bis zu 1.960 Auftragsbehältern. Eine Fördertechnikanlage für Kartons und Behälter sollte schließlich den Wareneingang mit den drei manuellen Kommissionier-Ebenen, den Ware-zur-Person-Arbeitsplätzen vor den vier Lagerautomaten, der Verpackung und dem Versand verbinden. Ferner sollte der Materialflussrechner und somit die komplette Lagerund Materialflusssteuerung im SAP EWM System abgebildet werden.
Den komplexesten Lieferumfang nahm die Installation der automatischen Fördertechnikanlage ein, da sie mit dem Stahlbau und den angeschlossenen Lagerbereichen über drei Ebenen abgestimmt und die Steuerung zudem über eine Schnittstelle an SAP EWM angebunden werden musste. Der Komplettanbieter SSI Schäfer überzeugte mit einem passenden Förderanlagenkonzept und Optimierungsvorschlägen in einzelnen Details. Zum Lieferumfang von SSI Schäfer gehörten auch zwei Schäfer Carousel Systeme (SCS) als Puffer zur Konsolidierung von Artikeln aus verschiedenen Lagerbereichen, ein Behälter-Stapler und ein Behälter-Entstapler sowie acht Arbeitsplätze im Wareneingang, 18 in der Kommissionierung, 24 in der Verpackung und drei im Versand.
Millimeter-Arbeit bei der Fördertechnik
„Da wir keinen Generalunternehmer hatten, waren wir auf gute Partner angewiesen, um unseren Zeitplan einzuhalten. Der Projektleiter und das Montageteam von SSI Schäfer haben sich hier richtig reingekniet, so dass die Arbeiten auf der Baustelle wirklich Hand in Hand liefen. Dabei musste sich SSI Schäfer beim Aufbau der Fördertechnik vor allem mit unserem Stahlbauer detailliert abstimmen. Da kam es manchmal auf Millimeter an“, resümiert Volker Nielsen, Logistikleiter und Prokurist bei Wollschläger, anerkennend und lobt auch die Flexibilität bei nötigen Änderungen während der Montage. Im Sommer 2014 – ein halbes Jahr vor dem geplanten Produktivstart - waren die komplette Fördertechnikanlage und das SCS montiert. „Auf den Rollenbahnen und Förderbändern bewegen sich die Behälter nun mit einer Geschwindigkeit von 0,6 m/s statt zuvor auf unserer Altanlage mit 0,3 m/s. Damit haben wir den Durchsatz signifikant erhöht“, freut sich Nielsen.

Der größte Umzug der Firmengeschichte fand zum Jahreswechsel 2015 innerhalb von zwölf Tagen statt. Transportiert wurden etwa 400 Lkw-Ladungen mit 50.000 Artikeln und einem Gewicht von 800 Tonnen.
Automatischer Behälter-Stapler und Entstapler
Heute gelangen die Behälter mit Nachschub von den Arbeitsplätzen im Wareneingang über die Fördertechnik in die vorgesehenen Lagerbereiche. Leerbehälter werden bei Wollschläger platzsparend von einem automatischen Behälter-Stapler ineinander gestapelt und auf einer Förderstrecke gepuffert. Werden neue Leerbehälter benötigt, speist der automatische Entstapler die
Behälter wieder in die Fördertechnik ein. Mit dem Auftragsstart wird automatisch jedem Behälter ein gedrucktes Etikett mit Aufklebern für die Kommissionierung beigelegt. Damit ist der Auftrag diesem Behälter fest zugeordnet und er wird automatisch in die richtige Kommissionierzone befördert. Die Förderanlage spart so Laufwege für die Lagermitarbeiter.
Um alle Artikel aus den verschiedenen Lagerbereichen in einer Lieferung verpacken zu können, warten die Artikel aus der Kleinteilekommissionierung so lange im SCS bis sie an einem der 24 Packplätze mit den Waren aus dem Hochregallager zusammengeführt werden können. Das SCS hat eine Kapazität für die Pufferung von bis zu 1.960 Behältern bei einem Durchsatz von bis zu 800 Behältern pro Stunde.
Abschieben statt heben
„Das teilautomatisierte Logistikkonzept gibt uns die Flexibilität, Leistung und Wirtschaftlichkeit, die wir für die effiziente Lagerung benötigen“, erklärt Volker Nielsen und betont: „Wir haben großen Wert auf das Thema Ergonomie gelegt und alle Arbeitsplätze an die Fördertechnik angeschlossen.“ Die Mitarbeiter müssen die Behälter kaum noch heben, sondern brauchen sie nur heranziehen oder abschieben.“
Im Schnitt lag die Produktion wenige Monate nach Inbetriebnahme um drei Prozent höher als in der Altanlage - und das obwohl die Lieferungen mit nur einer Position deutlich zugenommen haben. Waren es 2013 im Schnitt 3,5 Positionen pro Auftrag, sind es heute nur noch 2,5 Positionen. Mit den optimierten Abläufen sieht sich Wollschläger für weitere Herausforderungen gut gerüstet.
Ingo Rehländer
Kontakt:
SSI Schäfer Fritz Schäfer GmbH 57290 Neunkirchen Tel.: 0 27 35 / 70-1 E-Mail:









