Kommissioniertechnik
Eine Frage des Systems
Nach wie vor sind Ware-zu-Mann-Systeme in der Kommissionierung nicht wegzudenken. Aber wo geht die Entwicklung hin und wieviel Automatisierung braucht eine moderne Logistik heute? Materialfluss gibt Antworten.

Swisslog: Gesamtkosten im Blick Die Wirtschaftlichkeit einer Installation hat laut Swisslog-Geschäftsführer Dr. Volker Jungbluth nach wie vor die vorrangigste Bedeutung bei Neuinstallationen: „Die konzeptionelle Umsetzung der Kundenanforderungen in individuelle Layouts ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Alle im Weiteren genannten Themen dienen der Erzielung wirtschaftlicher Arbeitsprozesse. Dabei zählt vordergründig nicht mehr die minimierte Investition, sondern die Betrachtung der Gesamtkosten über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren.“
„Im Zentrum der Betrachtung bei der Installation bzw. der Erweiterung von Kommissionierzentren steht auch in den nächsten Jahren die Produktivitätssteigerung. Die Verfügbarkeit von Personal nimmt ab, da die zumeist körperlich anstrengenden und darüber hinaus monotonen Tätigkeiten im Verhältnis zur Entlohnung unbeliebt sind. Die daraus entstehende hohe Fluktuationsrate führt bei unzureichender Einarbeitung zu Fehlern und Qualitätseinbußen. Die Ziele für Swisslog lauten daher:

Steigerung der Produktivität von Lager- und Kommissioniersystemen durch die Installation und permanente Weiterentwicklung ergonomischer Arbeitsstationen und durch die Steigerung der Qualität im Kommissionierprozess. Die Automatisierung wird auch im direkten Kommissionierprozess weiter Einzug halten. So ist bei schnell drehenden Artikeln bereits ein Trend zur Vollautomatisierung erkennbar. Das überschaubare Artikelspektrum erlaubt individuelle Greiferanpassungen und eine lagenweise Kommissionierung. Wichtig ist, dass die Automatisierung keinen Kompromiss darstellen darf.“

Vocollect: Vielseitigkeit der Sprachsysteme nutzen „Kommissioniersysteme mit hohem Automatisierungsanteil sind manchmal die beste Lösung für einige Bereiche einiger Lagerhäuser, aber sie sind zu teuer und zu unflexibel für die Durchschnittsanwendung“, so Gary Glessner, Managing Director Vocollect EMEA: „Anders bei voice-basierten Lösungen: Außer von den gut belegten Steigerungen bei Produktivität, Genauigkeit und Mitarbeiterzufriedenheit profitieren Unternehmen hierbei von der Flexibilität und Kosteneffizienz der Technologie.“
Glessner weiter: „Bei Vocollect sehen wir, dass unsere Produkte aufgrund ihrer Vielseitigkeit, ihrer Flexibilität zunehmend für verschiedene lagerübliche Aufgaben genutzt werden. In naher Zukunft werden sprachbasierte Systeme Scanner-Lösungen als meistakzeptierte, für den Großteil der Lageranwendungen geeignete Technologie verdrängen.“

SSI Schäfer: preiswerte, Stand-alone-Lösung für Pick-by-Light „Da die Kommissionierung der Kernprozess jedes Distributionslagers ist, herrscht hier weiterhin eine hohe Innovationsdynamik. Dem Effizienzgewinn von 20 bis 30% durch beleglose Kommissionierung standen bisher hohe Investitionskosten gegenüber“, so Dr. Max Winkler, technischer Leiter, SSI Schäfer: „Mit dem i-Pick von SSI Schäfer gibt es jedoch eine preiswerte, Stand-alone-Lösung für Einrichtung und Betrieb von Pick-by-Light. Eine durchdachte, grafische Benutzeroberfläche ermöglicht es, ohne EDV Spezialkenntnisse eine komplette Pick-by-Light-Anwendung aufzubauen.
Bei den Ware-zum-Mann-Arbeitsplätzen setzt sich immer stärker der mit ergonomics@work! geprägte Trend durch. Ein Trend ist die schnelle Änderung der Gängigkeit von Artikeln. Was gestern noch ein A-Artikel war, ist eine Woche später schon abgerutscht zum B- oder C-Artikel. Klassische ABC-Aufteilungen des Lagers werden dieser Dynamik nicht mehr gerecht. Hier setzt der neue PTT Ultimate Arbeitsplatz an. Er zeigt erstmals wie die Vorzüge von klassischen Schnelldreher Pick-Verfahren mit der Universalität eines Ware-zum-Mann-Arbeitsplatzes kombiniert werden.“
„Die komplexe Bildverarbeitung hat bisher den Roboter-Einsatz in der Kommissionierung verhindert. Mit dem neuen Robo-Pick ist es erstmals gelungen, eine vollautomatische Pickzelle mit mehr als 2 000 Picks / h zu realisieren. Was zunächst komplex und teuer scheint, ist tatsächlich eine modulare Lösung mit Kosten von unter 200 000 Euro. Damit kombiniert SSI Schäfer Robo-Pick ungeahnte Leistung mit attraktiven Kosten und hoher Flexibilität“, so Winkler weiter.

Hörmann: Trend zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung Die letzten von Hörmann Logistik realisierten Projekte mit in die Anlagen integrierten WzM-Kommissionierplätzen zeigen laut Geschäftsführer Steffen Dieterich, einen ganz starken Trend zur ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze: „Immer wichtiger wird für die Arbeitgeber, die Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter so zu gestalten, dass diese mit geringen körperlichen Belastungen arbeiten können.“
Neben der körperlichen Entlastung führen diese Kommissioniersysteme, durch die Technik vorgegeben, für die Reduzierung von Fehlern. Das System präsentiert dem Mitarbeiter nur den Artikel, der kommissioniert werden muss. Eine Verwechselung ist praktisch ausgeschlossen. Auch für die Mengenüberwachung lassen sich mittlerweile effiziente sensorische Systeme integrieren, die den Mitarbeiter während der Entnahme kontrollieren.
„Grundsätzlich sehen wir künftig auch in einer Kombination von Ware-zum-Mann- und Mann-zur-Ware-Kommissioniersystemen in sehr hochdynamischen Anwendungsfällen eine wirtschaftliche Lösung. Eine 100% WzM-Lösung ist in diesen Anlagen nur mit viel Gerätetechnik zu realisieren. Die Kombination aus WzM und MzW kann hier einiges an Investitionskosten einsparen ohne wesentlichen Verzicht auf Produktivität und Kommissioniersicherheit. Die für die Belastung der Mitarbeiter kritischen Artikel und spezielle B- und C-Artikel können an den WzM-Plätzen kommissioniert werden, andere leicht zu handelnde und A-Artikel sind durchaus für MzW Kommissionierung geeignet“, so Dieterich weiter.

Witron: Ein übergeordneter Blick „In der Diskussion mit unseren Kunden stellen wir fest, dass technische Ausführungen wie z.B. Mann-zu-Ware oder Ware-zu-Mann nicht die primären Diskussionspunkte sind. Die Kunden stellen vielmehr grundsätzliche Fragen in dreierlei Hinsicht: (1) Strategisch: Mit welcher Lösung generiere ich echte Wettbewerbsvorteile? (2) Operativ: Welche Lösung bietet mir z.B. Vorteile hinsichtlich Leistung, Verfügbarkeit und Flexibilität? (3) Nachhaltigkeit: Welche Lösung bietet humane Arbeitsplätze und Energie-Effizienz?
Die drei genannten Dimensionen haben natürlich eine verbindende Komponente: die Wirtschaftlichkeit. Dabei wird die Logistik nicht mehr als Kostenfaktor interpretiert, sondern vielmehr als Chance, mit Logistik Geld zu verdienen und sich vom Wettbewerb zu differenzieren“, so Witron-Geschäftsführer Helmut Prieschenk.
„Betrachtet man diese Zusammenhänge, dann wird deutlich, dass technische Details wie z.B. Ware-zu-Mann oder evtl. sogar Ware-zu-Mann-zu-Ware (!) sekundär sind. Viel wichtiger sind elementare Faktoren wie z.B. Ergonomie. Ein System, welches heute gebaut wird, wird 25 bis 30 Jahre betrieben. Also ist es entscheidend, dass die Arbeitsplätze in diesem System zukunftsgerecht gestaltet werden.
Die entscheidenden Fragen sind also nicht, was technisch möglich ist bzw. was die neuesten maschinellen Modetrends sind. Nicht die zur Verfügung stehenden technischen Features, sondern der Bedarf des Kunden bestimmen die Lösung. Insofern gilt es primär auszuloten was der Kunde wirklich braucht. Im weiteren Verlauf ist zu prüfen, wo das jeweilige Optimum für den Menschen und für die Maschine liegt. Dort liegen die Antworten, welche unsere Kunden von uns erwarten, um mit Logistik Geld zu verdienen.“
Hörmann Logistik GmbH, E-Mail: [email protected], www.hoermann-logistik.de SSI Schäfer Peem GmbH, E-Mail: [email protected], www.ssi-schaefer-peem.com Swisslog GmbH, E-Mail: [email protected], www.swisslog.com Vocollect Europe, E-Mail: [email protected], www.vocollect.com Witron Logistik + Informatik GmbH, E-Mail: [email protected], www.witron.de










