Green Logistics
Nachhaltigkeit durch Retrofit und intelligente Intralogistik
In Zeiten wachsender ökologischer Verantwortung und steigender Energiepreise gewinnt das Thema Green Logistics zunehmend an Bedeutung. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Intralogistik nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig zu gestalten. Schönenberger Systeme möchte dies durch gezielte Modernisierungsmaßnahmen, intelligente Systemlösungen und eine differenzierte Automatisierungsstrategie erreichen.
Ein zentrales Element der Nachhaltigkeitsstrategie bei Schönenberger ist das Retrofit bestehender Anlagen: Anstatt neue Systeme zu errichten, setzt das Unternehmen gezielt auf die Verlängerung der Lebensdauer vorhandener Technik. Ein Beispiel ist das Projekt mit der Firma Textil-Service MEWA, bei dem eine über 25 Jahre alte Hängefördertechnik umfassend modernisiert wurde. Hauptgrund für das Retrofit war das Risiko der eingeschränkten Verfügbarkeit der Anlage bei Ausfall einzelner Komponenten oder der Steuerung. Um Produktionsunterbrechungen zu vermeiden, entschied sich MEWA für eine gezielte Modernisierung. Durch den Austausch spezifischer Komponenten, die Aktualisierung der Steuerungstechnik und die Integration neuer Software konnte die Anlage auf den aktuellen Stand der Technik gebracht und ihre Verfügbarkeit langfristig sichergestellt werden.
Das Retrofit wurde während des laufenden Betriebs an Wochenenden realisiert, wodurch der Einfluss auf die Produktivität des Standorts minimiert wurde. Ein Neubau hätte einen deutlich höheren Aufwand bedeutet – sowohl zeitlich als auch finanziell. Darüber hinaus wurde die bestehende Infrastruktur weitergenutzt – ein klarer Vorteil angesichts steigender Baukosten und begrenzter Flächenreserven.
Energie- und Ressourceneffizienz durch Technik und Steuerung
Im Fokus der Modernisierung stand auch die Energieeffizienz. Die Systeme wurden so ausgelegt, dass nur tatsächlich benötigte Anlagenteile aktiv sind. Nicht genutzte Sortierkreisel schalten sich nach wenigen Sekunden automatisch ab. Zusätzlich wurden Streckenbereiche im Gefälle konzipiert, sodass die Schwerkraft als Antrieb genutzt wird – eine einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme zur Reduktion des Energieverbrauchs.
Ein zentrales Steuerungsprinzip lautet: Nur die Ware wird bewegt, die tatsächlich bewegt werden muss. Teile, die im Moment nicht benötigt werden, verbleiben auf Gefällestrecken und werden erst dann aktiv gefördert, wenn sie gebraucht werden. So bleibt der gesamte Warenbestand automatisch verfügbar, während nur ein Bruchteil aktiv angetrieben wird. Intelligente Steuerungs- und Sortiertechnik minimieren Leerlaufzeiten, reduzieren den Verschleiß und senken dauerhaft die Energiekosten.
Flexibilität und Modularität für dynamische Märkte
Kundenanforderungen ändern sich – und mit ihnen die Anforderungen an die Intralogistik. Schönenberger begegnet dieser Dynamik mit modularen Systemlösungen, die sich flexibel anpassen lassen. Bestehende Anlagen können durch gezielte Eingriffe auf neue Prozesse abgestimmt werden, ohne dass ein vollständiger Austausch erforderlich ist.
Besonders deutlich wird dieser Wandel in der Bekleidungsindustrie: Während früher wenige Saisons dominierten und große Mengen in Filialen geliefert wurden, setzen viele Händler heute auf wöchentliche Kollektionen mit kleinen Stückzahlen. Der wachsende Anteil des E-Commerce verschärft diese Entwicklung zusätzlich. Für die Intralogistik bedeutet das: mehr Aufträge, kleinteiligere Mengen, größere Produktvielfalt – bei gleichzeitig steigendem Zeitdruck.
Nachhaltigkeit durch Flächeneffizienz
Ein oft unterschätzter Aspekt nachhaltiger Intralogistik ist die effiziente Flächennutzung. Schönenberger setzt konsequent auf die Nutzung der Raumhöhe in Produktions- und Lagerhallen. Aufgehängte Fördertechnik transportiert und puffert Ware oberhalb der eigentlichen Arbeitsbereiche. Die Bodenfläche bleibt frei für produktive Prozesse – zusätzliche Hallenflächen oder bauliche Erweiterungen lassen sich so vielfach vermeiden. Neue Technologien wie Sortieranlagen für Einzelteile können mit geringem Aufwand „unter der Decke“ installiert werden. Eine abgehängte Streckenführung ermöglicht die Integration unabhängig von vorhandener Technik – auch bei begrenzten Deckenhöhen. So entsteht ein zweites logistisches Nutzungspotenzial, das Ressourcen schont und gleichzeitig produktiv nutzbar ist.
Soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit im Blick
Green Logistics umfasst mehr als nur ökologische Verantwortung. Auch soziale und ökonomische Aspekte fließen in die Betrachtung mit ein. Effizientere Prozesse reduzieren die körperliche Belastung der Mitarbeitenden, verbessern die Ergonomie und führen langfristig zu einem geringeren Personalbedarf. Dies hat weitere Auswirkungen: Weniger Beschäftigte bedeuten auch weniger Individualverkehr und geringeren Flächenbedarf für Parkplätze oder Sozialbereiche. Gleichzeitig führen optimierte Abläufe zu geringeren Kosten für Energie, Fläche und Material – ein spürbarer Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.
Automatisierung mit Augenmaß
Nicht alle Prozesse müssen automatisiert werden. Schönenberger verfolgt einen differenzierten Ansatz, bei dem immer geprüft wird, ob eine manuelle Lösung nicht ebenso effizient ist – oder vielleicht sogar sinnvoller. Besonders bei einfachen Transportvorgängen oder spezifischen Anwendungen kann manuelle Fördertechnik durchaus wirtschaftlich sein. Ein Beispiel aus der Automobilindustrie: Stoßfänger werden auf Laufkörpern aufgehängt und können so effizient durch die Produktions- und Logistikkette geführt werden. Eine komplette Lkw-Ladung solcher Bauteile kann durch einen Mitarbeitenden mit minimalem Aufwand in den Auflieger geschoben werden – ohne Motor, ohne Automatisierung, aber mit maximalem Effekt.










