Fördertechnik & Komponenten
Das Gemüse kommt per easychain
Eine Kooperative Tessiner Gemüsebauern zählt gesunde und humane Arbeitsbedingungen genauso zu ihren Kernwerten wie eine nachhaltige Produktion ihrer Erzeugnisse. Aus diesem Grund kommt im Verteilzentrum der Schweizer nur Fördertechnik zum Einsatz, die diesen Leitlinien entspricht: ein besonders leises und energiesparendes easychain-System von Denipro.

Produzenten aus Leidenschaft“. So lautet das Motto der vor 80 Jahren gegründeten Federazione Ortofrutticola Ticinese (FOFT), einer Erzeugergemeinschaft für Gemüse mit Hauptsitz in Cadenazzo/Tessin. Die von ihr vermarkteten Produkte tragen das Markenlabel „TIOR“. Dieses steht einerseits für die regionale Herkunft („TI“ ist die Abkürzung für „Tessin“), anderseits für die hohe Qualität und die Anbaumethoden („OR“ entspricht „orto“ oder „Gemüsegarten“). Für Paolo Bassetti, den Geschäftsführer der Kooperative, kommt noch eine weitere Assoziation hinzu, nämlich die von „oro“, also Gold.
Vitaminreiche „Juwelen“ perfekt verpackt
Dementsprechend vergleicht er die von den FOFT-Bauern produzierten Tomaten-, Zucchini-, Auberginen-, Gurken- und Blattsalatsorten, die den Löwenanteil des TIOR-Sortiments ausmachen, mit „kostbaren Schmuckstücken“, die unter großem handwerklichen Können in einer Bijouterie entstehen. „Im Endeffekt ist der Tessiner Gemüsegarten nichts anderes“, merkt der FOFT-Chef beim Rundgang durch das Verteilzentrum des Unternehmens in Cadenazzo mit einem Augenzwinkern an. In der geräumigen Halle packen Mitarbeiter die – in Bassettis Diktion – vitaminreichen „Juwelen“ aus den Freiland- und Gewächshauskulturen der Magadino-Ebene in grüne Kunststoff-Faltboxen und bereiten diese für den Versand vor.
„Wie es sich für ein Unternehmen gehört, das sehr nachhaltig orientiert ist, arbeitet die bei uns eingesetzte Fördertechnik sehr energieeffizient“Paolo Bassetti Geschäftsführer FOFT
„Wie es sich für ein Unternehmen gehört, das sehr nachhaltig orientiert ist, arbeitet die bei uns eingesetzte Fördertechnik sehr energieeffizient“, fährt Bassetti fort und deutet nicht ohne Stolz auf die easychain-Anlage mit ihrem 246 Meter langen Rundlauf und der sich bis auf fünf Meter Höhe hinaufschwingenden Wendel, die der Schweizer Systemanbieter Denipro vor wenigen Monaten als Turnkey-Projekt innerhalb kürzester Zeit realisiert hat. „Stellen Sie sich vor, unser neues Materialfluss-System benötigt für die komplette Strecke lediglich drei Elektromotoren. So können wir den Stromverbrauch im Logistikbereich niedrig halten.“

Die von Bassetti angesprochene positive Energiebilanz resultiert aus der von Denipro entwickelten „rollenden Fördertechnik“ (RFT), die auf Bauelementen mit geringem Bewegungswiderstand basiert. „Dadurch reduzieren wir nicht nur die Reibung, sondern senken auch den Energieverbrauch. Und: Bei FOFT genügen drei Antriebe à 0,75 kW für die gesamte Kettenlänge“, erläutert Denipro-CEO Daniel Fässer die Schlüsseltechnologie, die nach eigenen Angaben zu den Alleinstellungsmerkmalen des Systemanbieters zählt.
Das RFT-Konzept ermöglicht selbst dann, wenn sehr hohe Transportleistungen gefordert sind, ein nahezu wartungsfreies System; denn die aus Kunststoff gefertigten Tragplatten eines easychain-Förderer sind über Rollen abgestützt, die mit hoher Laufruhe in zwei Profilschienen geführt werden. Ebenfalls von entscheidender Bedeutung: Seine beweglichen Teile brauchen aufgrund des RFT-Prinzips keinerlei Schmierung durch besondere Schmierstoffe, Fette oder Öle. Insofern ist das easychain-System für den Einsatz im Lebensmittelbereich prädestiniert, etwa um die Strecke vom first packaging zum second packing zu überbrücken.
Fördergeschwindigkeit 0,4 m/sek
Das easychain-System ersetzt in Cadenazzo die von FOFT-Mitarbeitern gezogenen Rollwägen, mit deren Hilfe bis dahin die leeren Faltkisten zu den Warenumschlagplätzen gebracht wurden. Es transportiert die von Migros, Coop und anderen Grossisten zurückkehrenden Boxen im Format von 40 x 30 x 17 Zentimeter mit einer Fördergeschwindigkeit von 0,4 Meter pro Sekunde ohne weitere Schnittstellen vom Wareneingang zur 136 Meter entfernten Verpackungslinie. Die einzelnen Etappen dieses Prozesses: Die leeren Kisten kommen zusammengefaltet auf Paletten im Wareneingang an. Dort übergibt sie ein Gabelstapler einem Faltkisten-Aufrichter. Der Automat holt sich eine Box aus dem Stapel, öffnet deren Seitenwände und schiebt diese nach oben. Anschließend greift er sich eine zweite Kiste, stellt diese nach dem Aufklappen auf die erste und reicht das „Doppelgespann“ an den easychain-Förderer weiter. Dieser befördert die Leergebinde nach der Übergabestation über die Wendel von ergonomischen 70 Zentimeter auf das Niveau von fünf Meter. In dieser Höhe geht es an das andere Ende der Halle, wo die Klappkisten zu den zwei aufeinander folgenden Packstationen nach unten gelangen.

Durch die Nutzung der dritten Dimension bleibt jetzt Fläche am Boden der Halle frei. Mit der Einführung des easychain-Systems verschwanden zudem die Unfallgefahren, die der Leergebinde-Transport per Rollwagen mit sich brachte.
In den letzten Jahren hatten die großen Lebensmittelanbieter der Schweiz ihr Bestellaufkommen bei FOFT kontinuierlich erhöht. Lange Zeit hatten Bassetti und seine Vorstandskollegen nach einer optimalen Logistiklösung gesucht, die die Arbeit im Verteilzentrum erleichtert und den Mitarbeitern mehr Spielraum einräumt. „Die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter rangiert bei uns ganz oben“, betont der FOFT-Chef. „Deshalb war es uns sehr wichtig, dass sie sich mit den Veränderungen anfreunden und diese akzeptieren.“
Ein entscheidendes Kriterium dafür zeigte sich beim Thema Lärmemission am Arbeitsplatz. „Wir wollten unbedingt, dass die Mitarbeiter an den Packstationen weiterhin ohne Gehörschutz arbeiten können“, so Bassetti weiter. Als klar war, dass das Denipro-System aufgrund des RFT-Prinzips und seiner sehr leise laufenden Rollen, auch diese Hürde nehmen würde, war die Entscheidung zugunsten von easychain gefallen. Diese Entscheidung hat Bassetti bis heute nicht bereut: „Unsere Mitarbeiter haben sehr schnell die neue Technik angenommen. Sie funktioniert ganz und gar reibungslos, obwohl sie nun schon seit einigen Monaten permanent in Betrieb ist.“
Hans Jürgen Jüngling









