Förder- und Hebetechnik

Daniel Schilling,

Flexible Erweiterung in Spitzenauslastungen per Baukastensystem

In kaum einer zweiten Branche dürfte die Forderung nach einem flexibel erweiterbaren Materialfluss in den vergangenen Monaten größer gewesen sein als in der Energiewirtschaft: Die Sorge um Versorgungsengpässe ließ die Nachfrage nach Energien innerhalb kürzester Zeit rasant in die Höhe treiben.

Das Anlagenlayout für den Kreislauf der Einschleusung, Entladung, Befüllung, Beladung und abschließenden Ausschleusung ist platzsparend angelegt. © HaRo

Die Bedienung derart großer Mengen ist auch für eines der führenden Versorgungsunternehmen für Flüssiggas in Deutschland, die Westfalen Gruppe mit ihrer Tochtergesellschaft Caratgas, wichtig. Mithilfe des Baukastensystems des sauerländischen Fördertechnikherstellers HaRo Anlagen- und Fördertechnik konnte die bei Caratgas in Krefeld installierte Förderanlage zur Abfüllung von Gasflaschen innerhalb kurzer Zeit mit den gestiegenen Kapazitätsauslastungen mitwachsen.

Die Westfalen Gruppe ist in den Bereichen Technische Gase, Kälte und Wärme, Tankstellen und Mobilität sowie respiratorische Heimtherapie aktiv. Mit ihren Produkten und Dienstleistungen bietet sie zunehmend Lösungen an, die Kundinnen und Kunden helfen, nachhaltiger zu werden. Das 1923 in Münster gegründete Familienunternehmen ist heute mit zahlreichen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften an über 20 Produktionsstandorten in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, der Schweiz und Österreich vertreten – so auch in Krefeld.

Hier fokussiert sich Caratgas primär auf die Lagerung, Abfüllung und den Umschlag von Propangas. Bereits 2020 wandte sich das Unternehmen mit einer Anfrage über die Installation zweier Förderanlagen an die Rüthener HaRo-Gruppe: Benötigt wurde zum einen als Anlage 1 eine angetriebene Fördertechnik für leere und volle Stahlpaletten mit einem automatischen Ausschubsystem zur De-Palettierung von leeren Gasflaschen und einem automatischen Einschubsystem zur Palettierung befüllter Gasflaschen. Die zweite, ebenfalls angetriebene Fördertechnik dient als Anlage 2 zum Transport leerer und voller Stahlpaletten mit einem automatischen Ausschubsystem, allerdings ausschließlich für leere TÜV-fällige Gasflaschen.

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Maßgeschneiderte intelligente Konzepte

Die HaRo-Gruppe konzipierte für die beiden Anforderungen jeweils ein intelligentes Konzept, bestehend aus den beiden Hauptkomponenten angetriebener Rollenbahnen und Kettenförderer, die die Gasflaschen jeweils vor und nach ihrer Befüllung vollautomatisiert depalettieren und palettieren.

Die Details des Materialflusses an der ersten Anlage: Die Aufgabe der entweder einzelnen oder gedoppelten Stahlpaletten erfolgt zunächst manuell mithilfe eines Gabelstaplers. Nachdem der Mitarbeiter die Aufgabe des Fördergutes mittels Schalter quittiert hat, verfährt die einzelne Palette mithilfe der angetriebenen Rollenbahnen unmittelbar zur Ausschiebeeinheit, während die gedoppelte Palette nach einer automatischen Höhenprüfung zunächst zur Entdoppelungseinheit befördert wird. "Eine Vertikalhubeinheit, die mit Gabelstaplerzinken bestückt ist, vereinzelt die Paletten anschließend und verfährt die untere Stahlpalette unmittelbar zur Ausschiebeeinheit", erklärt Konstruktionsleiter der HaRo-Gruppe Markus Löseke die technischen Details des Vorgangs. Währenddessen wird die obere Palette angehoben und nach dem Abtransport der unteren Palette abgesenkt und ebenfalls in Richtung Ausschiebeeinheit zur De-Palettierung der Gasflaschen befördert.

Die leeren Gasflaschen werden aus den Transport-Gitterboxen auf den Kettenförderer abgeschoben. © HaRo

An der Ausschiebeeinheit angekommen, wird die Transportsicherung der Stahlpaletten zunächst nach oben gehoben, anschließend werden die Flaschen automatisch von der Stahlpalette auf den Kettentransportstrang abgeschoben und zur Befüllungsanlage transportiert. Die leere Palette wird auf die nächsten freien Rollenbahnplätze verfahren.

Zur Palettierung der befüllten Gasflaschen werden die leeren Stahlpaletten an der Vollflaschen-Einschiebe-Einheit zuerst mittels einer Stopper-Pusher-Kombination positioniert und fixiert. Danach wird die Transportsicherung erneut nach oben gehoben, so dass die vollen Flaschen vom Kettenfördererstrang in die Palette eingeschoben werden. Nach dem erfolgreichen Palettier-Vorgang senkt sich die Sicherheitsvorrichtung wieder ab und die befüllten Paletten werden über die angetriebenen Rollenbahnen zur Lagerung transportiert.

Separieren und Palettieren

Zur Separierung und Palettierung der TÜV-fälligen-Propangasflaschen installierte Caratgas eine zweite Förderanlage, die in ihrer Funktionsweise der ersten Anlage ähnelt: "An dieser Anlage werden die unbestückten Stahlpaletten zunächst mithilfe eines Gabelstaplers aufgegeben und entlang der Rollenbahnen zur Position der TÜV-fälligen-Leerflaschen-Einschiebeeinheit befördert", heißt es aus der HaRo-Konstruktion. Nach dem automatischen Öffnen der Sicherheitsvorrichtung an der Palette werden die leeren Flaschen vom Kettenförderer in die Palette eingeschoben. Nachdem der Palettier-Vorgang abgeschlossen ist, senkt sich die Sicherheitsvorrichtung und die mit den TÜV-fälligen Flaschen befüllte Stahlpalette wird über die Rollenbahnen automatisiert zum Abnahmeplatz befördert.

Mit wachsenden Kapazitätsauslastungen wandte sich Caratgas zwei Jahre nach der Installation der beschriebenen Förderanlagen erneut an die Rüthener HaRo-Gruppe mit dem Ziel, die Puffermöglichkeiten an den Anlagen zu vergrößern und die Abhängigkeit der Auf- und Abnahme durch den manuellen Stapler zu entkoppeln. "Durch die Implementierung zusätzlicher Kettenförderer und damit Pufferplätze an den Auf- und Abnahmestellen der Anlage konnten wir diesen Anforderungen gerecht werden, zusätzlich weist die Anlage damit einen hohen Grad an Automatisierung auf. Die Depalettierung und Palettierung der Gasflaschen läuft komplett automatisch, es sind keine manuellen Eingriffe erforderlich", so Markus Löseke.

Mit der Möglichkeit zur flexiblen Anpassung und Erweiterung der Förderanlagen, die insbesondere in den energieversorgenden Unternehmen wichtiger denn je geworden ist, bedient sich die Caratgas einem elementaren Vorteil des HaRo-Konzeptes: "Die Anforderungen in heutigen Industriebetrieben verändern sich rasant, umso wichtiger ist es, den innerbetrieblichen Materialfluss flexibel und unkompliziert den Veränderungen angleichen zu können", weiß auch der Geschäftsführer der HaRo-Gruppe, Christoph Hackländer. "Deshalb bieten wir unseren Kunden stets die Möglichkeit, bereits bestehende Förderanlagen mithilfe unseres Baukasten-Systems zu erweitern – und zwar ohne, dass dabei große Eingriffe in die laufende Produktion notwendig sind."

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