Retrofitprojekt im DPD-Paketverteilzentrum

Martin Schrüfer,

Auf dem richtigen Weg

Im Rahmen eines Retrofitprojekts im DPD-Paketverteilzentrum Worms installierte SEW-Eurodrive neue Antriebstechnik. Die Automatisierungsexperten schafften den Umbau an nur einem Tag am Wochenende und sicherten so die reibungslose Paketverteilung in der Region Rheinhessen-Mannheim.

Nachmittags, zur besten Kaffeezeit gegen halb vier, kommt Leben in die riesige Halle der DPD Deutschland GmbH im rheinlandpfälzischen Worms. An 19 Toren des Verteilzentrums docken Abholfahrzeuge an und bringen Pakete jeglicher Formen und Größen aus Mannheim, Mainz, Heidelberg, Bad Kreuznach, Monsheim, Gau-Odernheim und Bürstadt ins Zentral­depot. Der Paketeingang im Nahverkehr beträgt durchschnittlich 30.000 Pakete pro Tag. Je nach Saison steigt diese Zahl auf bis zu 38.000. Im Fernverkehr, also im Ausgang werden in Spitzenzeiten 42.000 bis 48.000 Pakete bearbeitet. Vom Wormser Depot aus nehmen sie ihren Weg über den nächtlichen Fernverkehr zu ihren Zieladressen. „Unser Ziel ist es, dass bis 21 Uhr hier wieder Ruhe einkehrt. Dann sollte sämtliche Ware verteilt und verladen sein“, sagt Michael Meitzler, Umschlags­leiter bei DPD Worms. Damit das gelingt, muss die Technik stimmen.

Erfolgreicher Retrofit: Die Sorter der DPD-Paketverteilanlage in Worms wurden mit neuer SEW-Technik ausgestattet. © SEW Eurodrive

Pusher lenken zum richtigen Ziel
„Wir sind darauf angewiesen, dass die Pusher funktionieren“, konstatiert Michael Feneis, Technischer Leiter Depot 167 DPD Worms. „Deshalb setzen wir auf SEW-Eurodrive.“ Antriebs- und Steuerungstechnik des Bruchsaler Automatisierungsspezialisten war schon von Anfang an in der Anlage verbaut, die 1994 in Betrieb genommen wurde. Die Antriebe der Pusher ­(Ab­weiser),­ die die Pakete vom Stahlförderband in die richtige Richtung zur Ausgangswechselbrücke lenken, waren in die Jahre gekommen und mussten erneuert werden. Im Rahmen eines Retrofit­projekts wurde entlang der Sorterlinie B die Antriebs- und Steuerungstechnik 2019 komplett erneuert: 28 Pusher, die in Material und Mechanik wie bisher verblieben sind, erhielten neue Antriebe.

Neben den Synchronmotoren installierte SEW-Eurodrive sechs Schaltschränke mit jeweils einem Controller, einem ­Versorgungsmodul und bis zu fünf Achsmodulen. Jedes Einzel-Achsmodul steuert den Synchronmotor eines Pushers und sorgt dafür, dass die Pakete zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle einen ordentlichen Schubs bekommen. Dadurch werden sie auf die korrekte Förderstrecke zur Wechselbrücke und somit zur richtigen Destination gelenkt.

Anzeige

Umbau in kurzer Zeit
Das Retrofitprojekt war für ein Wochenende ausgelegt. Freitags nach Schichtende in der DPD-Halle rückte Gabriel Currle, ­Service Elektronik SEW-Eurodrive und Projektleiter des Wormser Vorhabens, mit seinem Team zu den ersten ­vor­bereitenden Arbeiten an der Sorter-Linie B an. Zwei Elektro­installateure sowie zwei Monteure des Service ­Mechanik nutzten den Samstag für die Demontage der bisherigen ­Schaltschränke, die Montage der neuen Schaltschränke, die ­Demontage der alten Antriebe, die Montage der neuen ­An­triebe sowie die komplette Leitungsverlegung.

Die Konfiguration der Antriebsfunktionen, die Daten­sicherung sowie Tests und die Inbetriebnahme übernahmen zwei Serviceingenieure des Elektronikservice. Am Abend war alles erledigt. „Ich hätte nie gedacht, dass das alles an einem Tag geht“, zeigt sich Michael Feneis beeindruckt. Der Technikleiter lobt ausdrücklich den reibungslosen Ablauf des Umbaus und den SEW-Service: „Darauf kann man sich wirklich verlassen!“

Punktgenaue Bewegung
Die Pusher der Sorterline A sind teilweise mit über 25 Jahre alter Technik ausgestattet. „Die tut noch das, was sie soll“, ­bestätigt der Technikleiter und betont, dass dies für die Zuverlässigkeit und Qualität der SEW-Produkte spricht. Auch sonst läuft im Wormser Verteilzentrum alles rund: Die Paketdaten werden an den Eingangstoren in der Entladestation an zwei zentralen Scanstationen erfasst: Abmaße, Volumen, Gewicht. Samt Zieladresse sind alle Paketdaten von nun an im Rechner hinterlegt. Von der Scanstation aus werden die Pakete zu den beiden ­Stahlbandsortern A und B transportiert und durchlaufen die ­Lese­station, an der die Zieladresse am Label detektiert wird. Mittels Drehgeber wird nun genau derjenige Pusher an­gesteuert, der das Paket zur korrekten Wechselbrücke bugsiert – ­vollflächig und punktgenau, damit das Paket sauber den plötzlichen ­Richtungswechsel vollzieht. „Die Herausforderung besteht ­darin, dass bei der Vielfalt der unterschiedlichen Pakete der Pusher exakt den richtigen Punkt trifft. Sowohl Beschädigungen als auch Stau sind unbedingt zu vermeiden“, führt Michael Meitzler aus. Lichtschranken würden einen Stau erkennen und das Band stoppen.

Für die Zukunft gewappnet
Die Paketverteilung funktioniert aktuell ohne Bildverarbeitung und weitere Sensorik einwandfrei. Sie ließe sich aber aufrüsten: Sollte zum Beispiel an den Abweisstationen eine Kraft- und ­Lageregelung des Pusherausschlags erfolgen, um die Pakete ­individuell und schonend zu behandeln, wäre das mit ­Movi-­­C-Komponenten schon heute möglich: „Darauf sind wir vorbereitet. Das jetzt installierte Automatisierungssystem könnte eine Regelung mit neuer Sensorik sofort umsetzen“, bekräftigt Gabriel Currle. Auch Michael Feneis sieht die Anlage für die Zukunft gerüstet: „Bei einem eventuellen Ausfall eines Moduls können wir es einfach per Plug and Play austauschen, ohne neue Parametrierung. Denn der Movi-C Controller übernimmt die komplette Datenhaltung des Achsverbundes in der Anlage. ­Hinsichtlich der Wartung müssen wir lediglich ab und zu die Filter am Klimagerät des Schaltschranks wechseln. Ansonsten bleibt für uns nur ein minimaler Wartungsaufwand“, bestätigt Feneis. Das Zusammenspiel und der reibungslose Ablauf freut alle Beteiligten – Technikleiter, Umschlagsleiter und den ­Dienst­­leister SEW-Eurodrive. Um 21 Uhr kehrt tatsächlich Ruhe ein im Wormser Zentraldepot – bis zum Eingangsbetrieb am ­nächsten Morgen. Dann werden die Pakete hier ankommen, die von einem anderen DPD-Verteilzentrum über Nacht per ­Fernverkehr auf die Straße geschickt wurden und nun per ­Zustellfahrzeug zum Endkunden gelangen.

(erschienen in materialfluss 10/20)

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem materialfluss NEWSLETTER

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite