Flurförderzeuge
StaplerCup 2010: Die Gabeln sind verlängerte Arme
Bald wird in Aschaffenburg wieder ein neuer deutscher Meister im Staplerfahren ermittelt. Materialfluss sprach mit dem ersten deutschen Meister über Spaß am Fahren, Sicherheit und Gänsehautmomente.
Ende September wird der Schlossplatz des bayerischen Aschaffenburg wieder zum Zentrum des Staplersports: Bereits zum sechsten Mal treten die 60 besten Staplerfahrer aus deutschlandweit 27 Qualifikationswettkämpfen um den Titel „Deutscher Meister im Staplerfahren“ gegeneinander an. Zudem senden zahlreiche europäische Nationen ihre amtierenden Staplermeister zu den „International Championships“ nach Aschaffenburg, um sich den Europameister-Titel zu holen.
Herr Mühle, Sie sind ein echtes „Urgestein“ des Staplersports. Wann und wie haben Sie Ihre Begeisterung für das Staplerfahren entdeckt? Gute Frage. Ich fahre täglich Gabelstapler und habe dort auch immer mit verschiedenen Modellen zu tun. Dabei habe ich gemerkt, dass ich gut mit Technik umgehen kann und mir das Fahren Spaß macht. Ich glaube, Staplerfahren muss man irgendwie im Gefühl haben. Zum ersten Qualifikationswettkampf 2005 habe ich mich jedoch nur angemeldet, weil ich mir die Sache mal anschauen wollte. [Lacht] Eher nach dem Motto „Dort gibt es ein Kinderprogramm für meine Tochter und was zu essen - das könnte ein netter Tag werden“ bin ich dort hingefahren. Und dann habe ich mich tatsächlich für das Finale qualifiziert und den Meistertitel geholt.
Seit wann fahren Sie Gabelstapler und wie viele Stunden verbringen Sie während der Arbeit täglich auf dem Gerät? Ich bin bei der hagebau süd-ost GmbH tätig und fahre seit knapp 15 Jahren täglich mehrere Stunden Gabelstapler.
Trainieren Sie gezielt für den Wettbewerb? Das Training ergibt sich vor allem in verschiedenen Situationen bei der täglichen Arbeit. Es passieren ja immer mal kleine Missgeschicke. Dann fängt man an zu überlegen und auszutüfteln, wie man am besten rangiert und mit Fingerspitzengefühl die Staplergabeln als verlängerte Arme des Fahrers nutzt.
Was treibt Sie dazu an, sich auch in Ihrer Freizeit intensiv dem Staplerfahren zu widmen? Staplerfahren und alles andere, was mit Fahrzeugen und Technik zu tun hat, macht mir Spaß. Ich mag es auch, an Autos herumzuschrauben und ich fahre Motorrad. Bei den Staplern fasziniert mich vor allem die technische Entwicklung in den letzten 15 Jahren, die wirklich enorm ist. Früher waren Stapler einfache Arbeitsgeräte - mittlerweile sitzt man darin bequem und schonend, sie sind klimatisiert und haben Sitzheizung - da macht Arbeiten Spaß!
Lernen Sie im Wettkampf auch als erfahrener Staplerfahrer noch neue Dinge, die Sie im Arbeitsalltag nutzen können? Auf jeden Fall. Beim StaplerCup kommen immer die neuesten Staplermodelle zum Einsatz, wodurch ich die Veränderungen und technische Neuerungen an den Staplern bereits frühzeitig kennen lerne und für den Arbeitsalltag gerüstet bin.
Die Sensibilisierung für das Thema „Sicherheit beim Staplerfahren“ ist zentrales Anliegen des StaplerCups und schlägt sich in allen Parcoursprüfungen nieder. Welchen Stellenwert hat das Thema Sicherheit im Arbeitsalltag eines Staplerfahrers? Leider steht man im Arbeitsalltag oft unter Zeitdruck, dann muss man sehr aufpassen, dass das Thema Sicherheit nicht vernachlässigt wird. Besonderes Augenmerk auf das Thema lege ich aber natürlich immer, wenn Arbeitskollegen oder andere Personen in der Nähe sind.
Was ist unabdingbar, um es beim StaplerCup ganz nach oben auf das Siegerpodest zu schaffen? Man muss Fingerspitzengefühl und vor allem ein gutes Augenmaß haben, um Entfernungen sicher und richtig abschätzen zu können. Und natürlich sind eine ruhige Hand und starke Nerven nötig, um die Aufgaben auch unter Druck sicher ausführen zu können. Viele Fahrer sind bei den Vorausscheidungen super, beim Finale scheitert es dann daran, dass sie zu nervös sind, weil die vielen Zuschauer und die starke Konkurrenz sie verunsichern.
Wie gehen Sie mit der Nervosität bei dem Wettkampf um? Ich konzentriere mich nur auf die Aufgabe und versuche, das gesamte Umfeld auszublenden. Manchmal fällt das nicht leicht. Da ich schon so oft dabei war, kennen mich viele und zahlreiche Augen sind auf mich gerichtet, da darf ich mich nicht ablenken lassen und muss Ruhe bewahren.
Sie sind nicht nur im Rahmen der Deutschen Meisterschaft gestartet, sondern haben bei den „International Championships“ auch zweimal den Europameister-Titel gewonnen. Wie haben Sie diesen Wettkampf als Teil des deutschen Nationalteams erlebt? Bei den International Championships fiebert das Publikum immer sehr mit und zeigt jede Menge Begeisterung. Das ist wie beim Fußball. Die Leute identifizieren sich mit dem deutschen Nationalteam und bejubeln es. Dadurch ist der Druck natürlich noch größer, man möchte sich ja nicht blamieren, wenn man für Deutschland startet.
Was macht den Reiz der Veranstaltung StaplerCup für Sie aus? Es ist toll zu sehen, was sich die Organisatoren Jahr für Jahr einfallen lassen, um die Veranstaltung weiter zu entwickeln und die Parcours neu und schwieriger zu gestalten. Außerdem habe ich zu den anderen Teilnehmern ein sehr gutes Verhältnis. Viele sind auch in jedem Jahr dabei und man freut sich, alle wiederzusehen. Da die Finalisten aus ganz Deutschland kommen und viele weit weg wohnen, haben wir sonst keine Gelegenheit uns zu treffen.
Für alle Staplerfahrer, die auch einmal am StaplerCup teilnehmen wollen: Gibt es Tipps, Tricks oder Erfahrungswerte, die Sie Ihren Kollegen mit auf den Weg geben können? Ganz wichtig ist es, viel Gefühl mitzubringen, Abmessungen einschätzen und verschiedene Staplermodelle fahren zu können. Ein Tipp von mir: In Ruhe an die Parcoursaufgaben herangehen. Wenn man zu schnell fährt und etwas umfällt, muss man absteigen und es wieder aufbauen. Das kostet wertvolle Zeit für eine erfolgreiche Platzierung. Der amtierende Meister, Michael Schubert, hat es im letzten Finalparcours optimal vorgemacht: Er hat die Kisten ruhig und langsam nacheinander gestapelt und sich dadurch den Sieg geholt.
Was war das schönste Erlebnis, das Sie rund um den StaplerCup hatten? Der beste Moment war, 2005 als erster Deutscher Meister im Staplerfahren auf dem Treppchen zu stehen. Aber auch alle anderen Platzierungen mit dem Nationalteam oder als Drittplatzierter 2008 waren tolle Erlebnisse.
Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre in Sachen Staplerfahren, beruflich und sportlich? Ich werde auf jeden Fall nächstes Jahr wieder am StaplerCup teilnehmen. Ich möchte unbedingt noch einmal den Meistertitel holen! Und sollte es irgendwann eine Weltmeisterschaft im Staplerfahren geben, will ich dort natürlich auch dabei sein. In beruflicher Hinsicht bin ich komplett zufrieden und alles kann so bleiben.
Über Jens Mühle
Jens Mühle aus Rippicha in Sachsen-Anhalt war 2005 der erste Deutsche Meister im Staplerfahren und sicherte sich in den vergangenen Jahren zahlreiche weitere
nationale und internationale Titel. Als der erfolgreichste Fahrer deutschland- und europaweit (Deutscher Meister 2005, Drittplatzierter 2008, Europameistertitel mit dem deutschen Nationalteam 2008 und 2009) ist der 35-Jährige inzwischen ein echter Experte für alle Fragen rund um das Thema Gabelstapler - sowohl auf Turnier- als auch auf betrieblicher Ebene.
Linde Material Handling GmbH, D-63743 Aschaffenburg, E-Mail: [email protected], www.staplercup.com









