Verpackungsoptimierung

Otto Friedl / Redaktion: Alexandra Hose,

Passgenau verpackt statt Luft verschickt

Die europäische Verpackungsverordnung (PPWR) verschärft die Anforderungen an Materialeinsatz, Volumen und Recyclingfähigkeit von Verpackungen deutlich. On-Demand-Packaging-Lösungen zeigen, wie sich Verpackungsminimierung, Kosteneffizienz und CO2-Reduktion miteinander verbinden lassen.

Wer heute ein Versandpaket öffnet, sieht oft dasselbe Bild: ein Produkt, umgeben von Karton, Papierpolstern und vor allem Luft. Was lange als pragmatische Lösung im Versandalltag galt, rückt nun in den Fokus der Regulierung. Mit der europäischen Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) wird überdimensionierte Verpackung vom bislang akzeptierten Standard zum klaren Regelverstoß.

Im Unterschied zur bisherigen Verpackungsrichtlinie gilt die PPWR als Verordnung unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Sie ist seit Anfang 2025 in Kraft und wird schrittweise umgesetzt. Spätestens ab August 2026 gelten zentrale Verpflichtungen verbindlich. Die Verordnung betrifft sämtliche Verpackungen, die im europäischen Markt verwendet oder in Verkehr gebracht werden – und damit alle Wirtschaftsakteure entlang der gesamten Supply Chain, vom Hersteller über den Versandhandel bis zur Logistik.

Verpackung muss weniger werden

Ein zentrales Element der PPWR ist die konsequente Verpackungsminimierung. Ab 2030 darf der Leerraum in Versand-, Sammel- und Transportverpackungen maximal 50 Prozent betragen. Parallel dazu schreibt die Verordnung vor, dass Verpackungen bis spätestens 2030 recyclingfähig sein müssen. Unternehmen sind verpflichtet, Optimierungen bei Gewicht, Volumen und Materialeinsatz nachzuweisen – andernfalls drohen Sanktionen oder Marktbeschränkungen.

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Viele klassische Verpackungsprozesse stoßen angesichts dieser Anforderungen an ihre Grenzen. Vorgefertigte Kartongrößen sind selten auf die tatsächlichen Abmessungen einzelner Produkte ausgelegt. Das führt zu unnötigem Materialverbrauch, hohem Füllmaterialeinsatz und einer ineffizienten Nutzung von Transportvolumen. Neben steigenden Kosten entstehen so vermeidbare CO2-Emissionen entlang der gesamten Lieferkette – Auswirkungen, die die PPWR explizit adressiert.

Eine Lösung liegt im On-Demand-Packaging-Ansatz von Packsize. Dabei werden Versandkartons exakt nach Produktgröße gefertigt, direkt am Packplatz oder innerhalb automatisierter Verpackungslinien. Durch das Zusammenspiel von Maschinen, Messsystemen, Software und datengetriebenen Workflows entstehen Verpackungen in Echtzeit, angepasst an Produkt, Bestellung und Versandanforderungen. Lösungen zur Kubierung – also der Volumenberechnung und -optimierung von Sendungen –, Datenanalyse sowie die Integration in bestehende ERP- und WMS-Systeme automatisieren Verpackungsentscheidungen und machen Einsparpotenziale transparent.

Abfallreduzierung wird messbar

Gerade im Hinblick auf die zukünftigen PPWR-Nachweispflichten unterstützt Packsize Unternehmen dabei, Abfallreduzierungen messbar zu machen und Compliance-Anforderungen strukturiert zu erfüllen. Das Konzept des Unternehmens verbindet Verpackungsdesign, Prozessoptimierung und Reporting in einer integrierten Lösung.

Um die Wirksamkeit der Methode zu belegen, hat Packsize zunächst eine Kubierungsanalyse durchgeführt. Dafür wurden reale Versanddaten eines großen niederländischen Automotiveteilehändlers systematisch ausgewertet, um zu prüfen, wie effizient Produkte und Bestellungen im Verhältnis zu ihrem Volumen verpackt sind. Das Ergebnis ist eindeutig: Rund 68 Prozent der untersuchten Sendungen wären zurzeit nicht PPWR-konform gewesen – vor allem aufgrund eines zu hohen Leervolumens und nicht optimal abgestimmter Verpackungsmaße.

Dass dieser datenbasierte Ansatz auch in der industriellen Praxis erfolgreich ist, zeigt die Zusammenarbeit von Packsize mit dem Messtechnikhersteller Vega Grieshaber. Die Aufgabe: eine PPWR-konforme Verpackungsstrategie zu entwickeln, die Nachhaltigkeit, Ergonomie und Skalierbarkeit für zukünftiges Wachstum vereint. Unterschiedliche Produktanforderungen – von langen und schweren Sensoren über vorkommissionierte Produkte bis hin zu robotergestützten Verpackungsprozessen – hat Packsize dabei in einer integrierten, datengetriebenen Automatisierungslösung zusammengeführt.

Lösung für drei Verpackungsbereiche

Packsize realisierte ein langfristig angelegtes Verpackungsprojekt, das bereits 2012 mit der Installation einer EM7-25 begann und inzwischen auf sieben Anlagen ausgeweitet wurde. Die EM7-25 produziert automatisiert passgenaue Versandkartons direkt vor Ort und reagiert damit flexibel auf unterschiedliche Verpackungsanforderungen. Durch Schneiden, Falzen und Perforieren der Wellpappe – gesteuert über die von Packsize entwickelte Packnet-Software – entsteht eine nahezu unbegrenzte Vielfalt an Kartongrößen, vorgefertigte Standardformate gehören damit der Vergangenheit an.

Die für Vega entwickelte Lösung ist auf drei klar definierte Verpackungsbereiche ausgelegt: Je nach Anwendungsfall werden maßgeschneiderte Kartons für sehr lange und schwere Sensoren, kompakte Vorverpackungen oder vollständig automatisierte Versandkartons gefertigt. Packsize realisierte hierfür einen halbautomatisierten Langgutprozess mit einer Leistung von zwei Kartons pro Minute, eine Verpackungslösung für vorverpackte Produkte mit drei Kartons pro Minute sowie eine vollautomatisierte Box-in-Box-Linie mit vier Kartons pro Minute. Grundlage aller Prozesse ist eine softwaregestützte Berechnung optimaler Versandkartongrößen in Kombination mit definierten Packregeln für Gewicht, Größe und Reihenfolge.

Die Ergebnisse sind deutlich: Besonders im Langgutbereich zeigt sich der Effizienzgewinn – die Verpackungszeit sank von 10 auf 3 Minuten, was einer Verbesserung von 88 Prozent entspricht. Vega konnte zudem den Leerraum um bis zu 50 Prozent reduzieren und setzt seither ausschließlich recycelbare Verpackungen ein.

PPWR als Chance

Versandkartons in passgenauer Größe leisten einen entscheidenden Beitrag zur Erfüllung der Anforderungen der PPWR: Durch den bedarfsgerechten Zuschnitt lassen sich über 20 Prozent Wellpappe einsparen, mehr als 60 Prozent Füllmaterial reduzieren und die Versandkosten um über 5 Prozent senken. Gleichzeitig verringert sich der manuelle Verpackungsaufwand deutlich, was zu einer höheren Packgeschwindigkeit und effizienteren Prozessen führt. Darüber hinaus wird das Materialmanagement vereinfacht, die Nachhaltigkeit messbar erhöht und durch kompaktere, auf den Inhalt abgestimmte Sendungen die Customer Experience spürbar verbessert.

Der Auto ist Otto Friedl, Senior Sales Manager DACH bei Packsize. © Packsize

Die PPWR sollte daher nicht ausschließlich als regulatorische Herausforderung verstanden werden. Sie bietet Unternehmen die Chance, Verpackung als strategischen Hebel für Effizienz, Nachhaltigkeit und Kundenerlebnis zu nutzen. Technologien wie On-Demand-Packaging ermöglichen es, Compliance nicht nur zu erreichen, sondern gleichzeitig Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Automatisierte, passgenaue Verpackung entwickelt sich damit vom operativen Detail zu einem entscheidenden Baustein moderner, resilienter Lieferketten.

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