Stapler & Komponenten
Stapleranbaugeräte: Reduzierung der Manntage bei ICE-Revision
Mit Hilfe eines Anbaugerätes gelingt es der Deutschen Bahn, die Revision von ICE-Drehgestellen in nur noch 10 statt in 14 Arbeitstagen durchzuführen. Um diesen Zeitgewinn zu erreichen, wurden die internen Logistikprozesse des Instandhaltungswerks völlig verändert.
Ende 2007 stellte Erich Brzosa, Leiter des Münchner Instandhaltungswerks mit 600 Mitarbeitern, den Transport der ICE-Drehgestelle vom Schienentransport auf reinen Straßentransport mit Stapler plus Anbaugerät um, ohne wie bisher Rangierlok, Lokführer und Stellwerk aufwendig einbeziehen zu müssen.

Früher wurde der zu wartende ICE in die Werkshalle gefahren, eingebunden und durch eine Hebebockanlage hoch gehievt. Dann wurden die 14 Drehgestelle gelöst und mit Hilfe einer Elektrolok, die zudem einen Lokführer band, auf 1,8 km Schienen immer in Dreiergruppen abtransportiert. Bis die neuen Drehgestelle auf dem gleichen Schienenweg herbeigeschafft waren, entstanden für die Handwerker unproduktive Wartezeiten. Be- oder Entladung von der hinteren Seite des Werks war aufgrund der räumlichen Gegebenheiten ausgeschlossen. Erschwerend kam hinzu, dass die ICE-Drehgestelle nur in einer festgelegten Reihenfolge eingebaut werden können. Keines der Drehgestelle ist nämlich genau gleich, sondern erfüllt jeweils unterschiedliche Funktionen im Verbund des Hochtechnologie-Zuges. Für die veränderte Logistik wurde ein Sonderanbaugerät von Schulte-Henke/Stabau, bestehend aus einer Kran-Traverse und passend dazu hydraulisch höhenverstellbaren Teleskopgabelzinken, an einen 16-t-Gabelstapler von Hyster angepasst.
Nun sind es kaum 20 m, welche die Drehgestelle mit dem Stapler einschließlich Anbaugerät zurücklegen müssen. Der Hyster- Stapler wurde von Zeppelin zusammen mit dem Stabau-Sonderanbaugerät an die Deutsche Bahn verkauft. Die Anforderungen waren von vornherein sehr hoch.
„Die Deutsche Bahn wollte praktisch die ‚eierlegende Wollmilchsau’“, sagt Stabau-Gebiets-Verkaufsleiter Andreas Stroka, „einen Stapler mit einem Sonderanbaugerät, der sehr schwer und sehr hoch heben musste, aber selbst nicht hoch sein durfte.“

Revisionsintervalle Bis der Stapler so da stand, wie er benötigt wurde, war ein minutiöser Planungs-, Entwicklungs- und Entscheidungsprozess vorgeschaltet. Ausgangspunkt aller Überlegungen Mitte 2006 war die Tatsache, dass die Menge an Revisionen der ICE-Züge ab 2008 zunehmen würde. Hätte man am Prozess nichts verändert, wäre die Menge an Drehgestellaustauschen nicht zu schaffen gewesen. Die früher zu veranschlagenden 14 Arbeitstage pro Zug hätten den zeitlichen Rahmen gesprengt. Alle 500 000 km ist bei ICE-Drehgestellen eine Revision fällig. Dadurch dass die Züge immer häufiger im Einsatz sind und nach dem Zeitpunkt ihrer Anschaffung in die Wartung kommen, ballen sich diese Revisionen immer stärker. Intern beauftragte Erich Brzosa seinen Leiter für Werklogistik und Materialwirtschaft, Benjamin Lobenz, mit der Ausarbeitung von Lösungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Ziel war eine Revisionszeit von 10 bis 11 Tagen pro Zug. Vor allem war es wichtig, dass die Züge nur ein Wochenende still stehen würden. Mit diesen Vorgaben kalkulierte Lobenz natürlich auch Alternativen zum Stapler, um der Deutschen Bahn eine transparente Entscheidungsgrundlage zu liefern: Bei einer Drehscheibe hätten teure bauliche Veränderungen im Instandhaltungswerk vorgenommen werden müssen. Bei einem Sonderfahrzug mit Kettenzug wäre im Schienenkopf die Deichsel gebrochen. Ein Kran als Lösung wäre selbst mit Sensoren dem hohen Sicherheitsstandard des eng gebauten Werkes kaum gerecht geworden.
Kritische Phase Als schließlich die Entscheidung für den Stapler gefallen und die Komplettlösung bei Zeppelin bestellt worden war, gab es noch einmal eine kritische Projektphase, denn die Anforderungen waren „alles andere als trivial“, so Martin Masuth, Leiter des Projektmanagements bei Schulte-Henke/Stabau.
„Der Lieferant hat nicht sofort zugesagt, dass alles klappt, dazu waren die Gegebenheiten hier im Werk zu eng. Doch nach einer Werksbegehung und intensiven Berechnungen in der Mescheder Stabau- Zentrale erhielten wir die Zusage, dass unsere Anforderungen eingehalten werden“, so Lobenz.
Die Kalkulationen wurden nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen, weil man konservativ rechnete und dar über hinaus die Zahl der Revisionen zugenommen hat.
„Wir werden schon in drei bis vier Jahren eine Amortisation erreichen“, vermerkt Lobenz stolz. Noch nicht einmal eingerechnet sind darin weitere Mehrwerte, wie der Einsatz des Staplers für kleinere Transportfahrten anstelle eines Brückenkrans. „Es hat uns bei Nachfolgeprojekten geholfen, dass unsere Wirtschaftlichkeitsberechung sich als realitätsgerecht erwiesen hat.“
Vorgaben und Realisierung
- Die Teleskopgabeln Mussten angesichts des engen Raumes im Instandhaltungswerk hydraulisch ein- und ausfahrbar sein, weil der Stapler sonst nicht wenden könnte.
- Die Lastaufnahme richtete sich nach dem schwersten ICE-Drehgestell. Während andere Gestelle „nur“ Diagnose-Sensorik oder Antennen tragen, enthalten die schwersten Drehgestelle die 500-kW starken V-Motoren und erreichen ein Gewicht von 8,2 t. Entsprechend lag die Anforderung für die Tragfähigkeit einschließlich Reserve bei 8,5 t. Bei einem Lastschwerpunkt von 1 750 mm markiert dieser Wert zugleich die Grenze des Staplers.
- Die Kran-Traverse musste über schnelle Einfahrtaschen komfortabel aufsteckbar sein.
- Durch einen Hub, der in den Gabelrücken der Teleskopgabeln integriert ist, kann der Stapler hoch heben, ohne selbst höher zu werden. So kann er wie gefordert unter der Kranbahn des Instandhaltungswerks und der Querstrebe der Dacharbeitsbühne hindurchfahren.
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