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Artikel und Hintergründe zum Thema

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Ein WMS für Industrie 4.0

Die Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG hat ihr Distributionslager bei laufendem Betrieb schrittweise ausgebaut und die Prozesse automatisiert. Mit einem neuen WMS konnte das Unternehmen die stets geänderten Prozesse jeweils vorab etablieren. Zudem erschließt das IT-System Optionen für optimierte Auftragsfertigung, die weit über die ursprünglichen Planungen hinausreichen.

Foto: PSI
Foto: PSI

Die Kommissionierstrategien werden mit weiterer Automatisierung in den kommenden Jahren grundlegend geändert“, so Peter Schlechtinger, Projektleiter bei der Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG, einem Unternehmen der Würth Elektronik Gruppe. „Dafür schaffen wir mit Einführung eines Warehouse Management Systems (WMS) jetzt die IT-Grundlagen.“ Fünf Jahre sind seit dieser Ankündigung vergangen. Seit Mitte 2015 ist die Automatisierung im zentralen Distributionslager der Würth Elektronik eiSos am Standort Waldenburg umgesetzt. Mit seinen Shuttle- und Industrie 4.0-Realisierungen gilt das vollautomatisierte Lager dem Unternehmen inzwischen als „Musterfabrik“.

Von Waldenburg aus versendet das Unternehmen passive Elektrobauteile in die ganze Welt. Mehr als 30.000 Artikel werden dort vorgehalten. Pro Tag kommissionieren die Mitarbeiter im Durchschnitt rund 2.000 Aufträge mit mehr als 4.500 Positionen. Ein Hochregallager (HRL) mit 5.000 Palettenstellplätzen, ein neues sechsgassiges Automatische Kleinteilelager (AKL) mit 86.000 Shuttle-bedienten Behälterstellplätzen und vier vorgelagerten Umpackplätzen, hochdynamische Fördertechnik, zehn neue Kommissionierstationen, an denen mit Pick-by-Light- und Pick-to-Light-System jeweils bis zu vier Aufträge parallel bearbeitet werden, sowie acht neue Packplätze, wo Mitarbeiter die Auftragspakete mit versandoptimierender Case Calculation verpacken, prägen heute die Intralogistikprozesse.

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Low-Risk-Strategie mit Fallback-Szenario

Die Basis für Prozesse im Würth-Distributionszentrum bildet das PSIwms der PSI Logistics GmbH. „Wir planten die Neustrukturierung und Automatisierung in mehreren Schritten und bei laufendem Betrieb“, begründet Schlechtinger den Zuschlag. „Daher benötigten wir ein hochflexibles WMS.“ Seit Februar 2012 ist das PSIwms bei Würth Elektronik installiert. Zuvor wurden das Lager und die Mitarbeiter-zur-Ware-Kommissionierung über ein Warenwirtschaftssystem (WWS) geführt. „Das konnte mit den gestiegenen Auftragszahlen bei immer kleinteiligerer Aufträgen nicht mithalten und die geplante Automatisierung nicht abbilden“, erläutert Schlechtinger.

„Früher war das Lager bei hohem Aufkommen geradezu ein ­Flaschenhals. Mit dem PSIwms erfolgt die Auftragsfertigung nun nicht nur schneller, sondern auch nahezu fehlerfrei.“

Peter Schlechtinger Projektleiter Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG

Überdies bot das WWS lediglich Bestandsmengenangaben. Funktionen für modernes Warehousing wie Lagerplatz- und Chargenverwaltung oder automatisierte Kommissionierung mit Chargen- und Datecode-Verwaltung nach dem Prinzip First-in-First-out (FiFo) Fehlanzeige. „Das neue WMS sollte die Umstellung vom manuellen Lager auf automatisierte Prozesse daher zunächst informationstechnisch mit Datenmaterial unterfüttern“, so der Projektleiter.

Auf Basis unter anderem der Stammdaten aller 30.000 Artikel, der Auftragsstruktur und der Nachfrage erfolgte so beispielsweise die Auslegung des AKL und der Förderstrecke. Dabei legte PSI Logistics mit dem PSIwms unter anderem eine „Low-Risk-Strategy“ auf. Ein risikominderndes Fallback-Szenario deckte die schrittweise bei laufendem Betrieb erfolgten Umstellungen ab. Grundlage dafür bildete das Adaptive Szenario-Management im PSIwms. Mit ihm lassen sich die Prozesssteuerungen im Vorfeld der Implementierung überprüfen und der operative Betrieb sich dann quasi per Knopfdruck auf das PSIwms umstellen. Überdies ermittelt das Funktionstool des PSIwms in Echtzeit aus der aktuellen Anlagenauslastung und den anstehenden Aufträgen den situativ optimierten Anlagenbetrieb – und schaltet automatisch in den entsprechenden Bearbeitungsmodus um.

Standards und individuelle Konfigurationen getrennt

Schnelle und fehlerfreie Kommissionierung
Schnelle und fehlerfreie Kommissionierung statt „Flaschenhals“: Bei Würth Elektronik ist ein modernes WMS im Einsatz. Foto: PSI

Bei den schrittweise umgesetzten Erweiterungs- und Modernisierungsprojekten kam dem Lagerbetreiber zudem die Upgrade-Fähigkeit des IT-Systems zugute. Mit ihr fließen innovative Funktionen durch aktuelle Releases in den Standard ein. Besonderheit: In der Produktentwicklung trennt die PSI Logistics die Produktstandards von den individuellen Konfigurationen. Vorteil: Bei einem Upgrade, dem Wechsel auf ein aktuelles Release des PSIwms, können die neuen Funktionen des Systemstandards genutzt werden, während die individuellen Konfigurationen für die kundenindividuelle Anpassung ohne Programmieraufwand und -kosten erhalten bleiben.

Mit zwei Upgrades hat Würth das PSIwms in den vergangenen fünf Jahren auf den aktuellen Stand der Technik gehalten. Und: Würth nutzt mit dem Upgrade neueste Systementwicklungen. Dazu zählt etwa eine automatische Wareneingangserfassung und Vereinnahmung von Vollkartons und behältergelagerten Einzelprodukten auf der Fördertechnik, die in das PSIwms eingebunden ist. Bei der Auftragskommissionierung ermittelt das PSIwms bei Würth mit den hinterlegten Stammdaten überdies automatisch besonders sensible Halbleiter, Optoelektronik-Komponenten und elektromechanische Bauelemente. Sie werden gezielt zwei separaten, antistatischen Kommissionierplätzen zugeführt.

Mehrere Standorte mit einem System geführt

Ein anderes Beispiel für Upgrade-Vorteile: die ganzheitliche, standortübergreifende Koordination und Steuerung von Lagerprozessen und Distribution. Mit seiner Multisite-Fähigkeit unterstützt das PSIwms die Anwendungen an mehreren Standorten. So kann Würth mit dem PSIwms inzwischen Standardfunktionen wie Bestands- und Lagerplatzverwaltung sowie die Steuerung und Koordination der innerbetrieblichen Warenflüsse nicht nur im Zentrallager abdecken. Durch die Multisite-Fähigkeit führt Würth damit auch für das Würth-Lagers im französischen Lyon die Bestandsverwaltung und Auftragsfertigung des Nachschubs sowie die Auftragsfertigung.

„Früher war das Lager bei hohem Aufkommen geradezu ein Flaschenhals“, resümiert Schlechtinger. „Mit dem PSIwms erfolgt die Auftragsfertigung nun nicht nur schneller, sondern auch nahezu fehlerfrei.“ Zudem seien die Nachschübe für die Kommissionierbereiche optimiert. Die Multisite-Fähigkeit biete darüber hinaus die ganzheitliche Koordination von Beständen und der Auftragsfertigung mehrerer Standorten. „Damit liegt die Logistik-Intelligenz unserer Prozesse eindeutig im PSIwms“, unterstreicht Schlechtinger. „Eine solide Basis für gute Entwicklungsperspektiven. Seine Update- und Release-Fähigkeit unterstreichen zudem die Zukunftsfähigkeit des IT-Systems und bieten uns langfristige Investitionssicherheit. Eine solide IT-Basis für unsere Entwicklungsperspektiven.“

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