Software

Auf dem Weg zu allumfassenden Lösungen

Auch im Bereich der Logistiksoftware wollte materialfluss wissen, wohin die Reise im kommenden Jahr in diesem Segment geht und einen Überblick geben. Wir fragten bei fünf Unternehmen nach. Smart Data, Big Data, Künstliche Intelligenz, neue Algorithmen – es tun sich spannende Dinge auf dem Weg zu noch effizienteren Abläufen im Lager.

KlinkVision aus dem Hause Klinkhammer
Dreifach hält besser: KlinkVision aus dem Hause Klinkhammer im Einsatz. Foto: Klinkhammer

Daniel Wöhr, Leitung Corporate Communications beim Softwareunternehmen CIM, sieht drei wesentliche Entwicklungen im Markt: „Wir verzeichnen zunächst einen zunehmenden Trend zu sogenannten Suite-Lösungen. Immer mehr Interessenten setzen auf einen kompetenten Partner, der Ihnen eine allumfassende Lösung aus Hardware – wie IT-Infrastruktur – und Software – wie Lagerverwaltung, Produktions- oder Materiaflusssteuerung – liefert. Mit unserer Prolag-World Suite erfüllen wir Kunden genau diesen Wunsch. Je nach Branche, Größe oder Lagerart können wir spezielle Produktpakete oder auch Einzelprodukte, wie unser Versandsystem Prosend, liefern. So schnüren wir für jeden Kunden ein individuelles und passendes Gesamtpaket“.

Als weiteres zentrales Thema sieht Wöhr den Anwender und seine Software. User möchten Ihre Software heute von jedem Ort, zu jeder Zeit und mit jedem beliebigen Endgerät bedienen können. Zudem wird es zukünftig zunehmend unterschiedlichere Benutzergruppen geben. Dadurch müssen die Benutzeroberfläche und das Endgerät selbst immer stärker an die Bedürfnisse des Bedieners angepasst werden. „2018 werden wir komplett überarbeitete Oberflächen für Browser und mobile Endgeräte auf den Markt bringen. Zentrale Neuerungen werden das UX-Design und die visuelle Prozessführung mittels Icons und Grafiken sein, um die tägliche Arbeit zu erleichtern und zu beschleunigen“, meint Wöhr.

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Daniel Wöhr, CIM
„Als Partner wollen wir allumfassende Lösungen liefern.“

Daniel Wöhr CIM Foto: CIM

Drittes Thema ist die Sensorik in der Logistik, die in den Augen des CIM-Experten immer bedeutender wird. Denn in Kombination mit der richtigen Software könnten intelligente Sensoren Logistikprozesse effizienter und nachhaltiger machen. Voraussetzung dafür sei aber, dass die erfassten Daten, wie beispielsweise Temperatur oder Luftfeuchtigkeit, als Entscheidungsgrundlage für Verbesserungen im System genutzt werden können. Auf der LogiMAT und der CeMAT wird CIM daher als besondere Neuheit das „erste fühlende Warehouse-Management-System“ präsentieren.

Transparenz im Lager erhöhen

Prolag World Suite
Einzelne Anwendungen oder alles im Paket: Die Prolag World Suite lässt sich skalieren. Foto: Cim

Patrick Diedrich, IT-Consultant bei Klinkhammer Förderanlagen, betont, dass sein Unternehmen stetig an der Verbesserung der Usability arbeite, so dass Benutzeroberflächen selbsterklärend und intuitiv, sowie für mobile Geräte optimiert sind. Cockpitansichten mit den wichtigsten Funktionen sorgen dafür, dass der Bediener immer eine optimale Übersicht über seine Anlage hat. Durch die Vernetzung und Datenauswertung mit Anlagenvisualisierungs- und Fernwartungstools wird die Transparenz im Lager immer besser. Per „Smart Data“ werden so mögliche Ausfälle schon vor einem Defekt gemeldet. Die Anlagenvisualisierungssoftware KlinkVision bietet mit seinem neuen Maintenance-Tool eine nutzdauerorientierter Wartungsanzeige der einzelnen Geräte und Anlagenteile und unterstützt das Bedien- und Servicepersonal bei der „Predictive Maintenance“. Die Software protokolliert nicht nur Betriebsdaten. Sie visualisiert, durch eine Ampelfunktion und Zeitbalken, die Laufleistung von einzelnen Komponenten wie zum Beispiel Fahr- und Hubwerk eines Regalbediengerätes. Die von Sensoren gelieferten Daten zum Zustand der Anlagen werden gespeichert und mit Hilfe von Fehlermeldungen und Statistiken analysiert und ausgewertet. Tools zur vorausschauenden Wartung sammeln im laufenden Betrieb kontinuierlich Daten, analysieren diese, lernen hinzu und ermöglichen es, Live-Daten zu interpretieren.

Patrick Diedrich, Klinkhammer Förderanlagen
„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der WMS-Markt mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen wird.“

Patrick Diedrich Klinkhammer Förderanlagen Foto: Klinkhammer

„Big Data“ sei darüber hinaus dabei eines der Haupthemen bei Klinkhammer. Der Einsatz komplexer Algorithmen ermöglicht es, der Datenflut Herr zu werden. Die WMS-Software KlinkWare wird somit in Zukunft noch schneller und einfacher dem Leitstand Informationen über ihre eigene Auslastung geben können. „Im WMS-Markt wird es eine Frage der Zeit sein, bis man sich mit dem Thema der Künstlichen Intelligenz auseinander setzen wird. In Zukunft könnte so die Anlage selbständig, durch die gesammelten Daten und Erfahrungen, Entscheidungen und Aktion ableiten. Durch die permanente Weiterentwicklung wird auch die WMS-Software KlinkWare ständig um neue Funktionen erweitert“, meint Diedrich.

Framework bildet gemeinsame Plattform

Hören wir nun, was Dr. Giovanni Prestifilippo, Geschäftsführer PSI Logistics GmbH, über neue Produkte und Strategien denkt. „Die Frage nach „Strategien und Produkten“ ist lediglich partiell aus Entwicklersicht zu beantworten. Die PSI Logistics, das belegen die jüngsten Auszeichnungen mit dem Top 100-Siegel als eines der innovativsten Unternehmen des deutschen Mittelstands ist mit dem konzernübergreifenden PSI Java Framework (PJF) und der Entwicklungsumgebung für die Standardprodukte der PSI Logistics Suite im Wettbewerb hervorragend aufgestellt. Mit dem PJF ist die strategische Ausrichtung des Unternehmens bereits vor einigen Jahren definiert und abgeschlossen worden. Das Framework bietet allen Unternehmen im PSI-Konzern eine gemeinsame Entwicklungsplattform, die es ermöglicht, innovative Entwicklungen der Schwesterunternehmen sowie die unterschiedlichen Funktionsumfänge wahlfrei miteinander zu verknüpfen und in die verschiedenen Standardprodukte einzubinden beziehungsweise diese durchgängig zu vernetzen. Damit – und das sieht die PSI Logistics als maßgebliche Strategie – erzielen die Anwender wettbewerbsdifferenzierende Vorteile.

Dr. Giovanni Prestifilippo, PSI Logistics
„Referenzprojekte belegen Kostensenkungs-Potenziale bis in den zweistelligen Prozentbereich “

Dr. Giovanni Prestifilippo PSI Logistics Foto: PSI Logistics

So hat die PSI Logistics als eines der ersten Software-Unternehmen etwa Funktionen und Algorithmen für die kombinierte Betrachtung und Optimierung von Produktion und Logistik entwickelt und in einem Kernmodul konzentriert. Referenzprojekte belegen, dass Anwender je nach Branche, Größe und Strukturen damit zusätzliche Kostensenkungspotenziale bis in den zweistelligen Prozentbereich erschließen.

Für die PSI Logistics ist die kundenorientierte Ausrichtung der bestimmende Strategiefaktor bei der Entwicklung und Einbindung innovativer Funktionsumfänge in die Standardprodukte. Darüber hinaus steht die langfristige Investitionssicherheit für die Kunden im Fokus. Diesen Aspekt deckt die PSI Logistics einerseits mit der Verlässlichkeit eines wirtschaftlich gesunden Unternehmens, andererseits mit einer maximalen Integrations- sowie der durchgängigen Release- und Upgrade-Fähigkeit ihrer Standardprodukte“, erklärt Prestifilippo.

Markus Müllerschön, viastore Software
„Ein WMS muss integrativ mit anderen Systemen kommunizieren.“

Markus Müllerschön viastore Software Foto: viastore Software

Ganzheitliche Planung gewinnt

Wanko Zentrale in Ainring
Softwarespezialist Wanko hat seine Zentrale im oberbayerischen Ainring. Foto: Wanko

Markus Müllerschön, Vice President Sales, viastore Software, holt weit aus und sieht folgende Trends: „Globalisierung, weltweite Vernetzung, aber auch der Bedarf nach mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz bei geringen Losgrößen, nach kürzeren Lieferfristen und höherer Lieferqualität“. Diese würden erfordern, dass logistische Prozesse in Lager und Fertigung nicht länger einzeln und voneinander isoliert betrachtet werden. Vielmehr sind sämtliche Aufgaben zwischen Logistik und Fertigung und damit sämtliche Informations- und Güterflüsse ganzheitlich zu planen, zu managen und permanent zu verbessern. „Ein WMS muss deshalb integrativ mit anderen über-, neben und unterlagerten Systemen, etwa in Fertigung und Montage, kommunizieren und anhand dieser Zusatzinformationen die logistischen Prozesse in Echtzeit für die aktuellen Bedarfe der verschiedenen Bereiche optimieren sowie exakte Kennzahlen für alle Prozesse liefern. Eine weitere Anforderung ist, dass die Software allen Menschen mit ihren ganz unterschiedlichen Aufgaben und Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette das Leben erleichtert – von der Installation über die Admin- und Steuerungs-Funktionen bis zu den Aufgaben für Kommissionierung und Instandhaltung am Shopfloor. Erreicht wird dies unter anderem durch die intuitive Benutzung: Jeder, der in der Lage ist, ein Smartphone zu bedienen, sollte auch mit einem WMS umgehen können“, meint Müllerschön: „Das ist unser Anspruch, und wir haben diesen bereits heute mit dem Standard-WMS viadat erfüllt. Hinzu kommt die einfache und intuitiv umzusetzende Integration von Wearables, die den Menschen helfen, Ihre Aufgaben einfacher zu erfüllen – seien es Datenbrillen zum Kommissionieren oder Smart Watches, die dazu beitragen, Mitarbeiter vor Überlastung zu schützen, optimale Wege zu finden – oder bei der Arbeit im Lager individuelle Fitnessziele zu erreichen.“

Alexander Wanko, Wanko Informationslogistik
„Mit neuen Algorithmen die Prognosen neu erfinden“

Alexander Wanko Wanko Informationslogistik Foto: Wanko

Prognosen verbessern und neu erfinden

Alexander Wanko und Alexander Fuchs vom Softwareunternehmen Wanko Informationslogistik sehen eine steigende Nachfrage nach operativen und strategischen IT-Lösungen in der Logistik, diese biete einre Vielzahl von IT-Häusern für die kommenden Jahre ausreichend Beschäftigung. Insbesondere die Controller in den Unternehmen würden auf die Digitalisierung in der Logistik drängen, um einen Überblick der Logistikkosten zu erhalten. Jahrzehntelang wurden die Logistikkosten über einen Gemeinkostenschlüssel verteilt, heute gilt es die Logistikkosten verursachergerecht zu verteilen. Es gilt, die rentablen Kunden zu erkennen. „Die Herausforderung an die moderne Digitalisierung gilt der zeitnahen, optimalen Planung und Steuerung der verbundenen logistischen Prozesse. Mit neuen Algorithmen in künstlich neuronalen Netzen sollen die Prognosen für Warenbestellungen und Waren, Tourenoptimierungen und Umgang mit Störungen während des Transports nicht nur verbessert, sondern neu erfunden werden. Lernende Systeme sollen den Logistiker im Lager und der Disposition Vorschläge unterbreiten, wie sie ihr Tagesgeschäft einfacher, schneller und fehlerfreier abwickeln können“, meinen die Experten. Fazit: Es gelte in der Logistik die in einander greifenden Arbeitsabläufe durch KI-gestützte Software weiter zu optimieren, um transparent Logistikkosten zu erhalten. Dies gelte insbesondere im wachsenden Bereich same day delivery von Lebensmittel.

Martin Schrüfer

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