Was Würmser wurmt - die Kolumne

Anita Würmser,

Alien und Technologie

Was könnte Ridley Scott‘s Filmklassiker „Alien“ wohl mit der Logistik zu tun haben? Dazu etwas später mehr.

Ob Lkw-Fahrer, Lagerfachkraft oder Lieferfahrer – in der Logistik fehlt es an Personal, selbst Azubi will keiner mehr machen. Operative Logistik gilt als körperlich belastend und ist es auch. Jeder zweite hat „Rücken“, und allen voran die Lieferdienste stehen angesichts des E-Commerce-Booms immer stärker unter Beobachtung und in der Kritik.

Trotzdem sind praktikable Lösungen rar. Die Aktivitäten erschöpfen sich entweder in Regulierung, wie der fast schon drolligen Idee, das Paketgewicht auf 20 Kilo zu begrenzen, oder in schnulzigen Imagekampagnen. Alles nur bedingt zielführend, denn ob ein Paketbote nun ein 25-Kilo-Paket oder ein 20- plus ein 5-Kilo-Paket in den dritten Stock schleppt, löst nicht das Problem. Genauso wenig, wie so zu tun, als wären ausgerechnet die schlechtesten Arbeitsplätze in der Logistik besonders hip und fancy. Das sind sie nicht.

Sie könnten es aber werden. Schwere Arbeit leicht zu machen, ist eine Frage der Technologie. Haben Sie schon mal ein Exoskelett ausprobiert? Sollten Sie unbedingt mal machen. Es fühlt sich etwas sperrig an, irgendwie roboterhaft. Mit 1,2  Promille auf einem Schiff – das trifft es wohl ganz gut. Das klobige Ganzkörpermodell, in dem sich Sigourney Weaver einen spektakulären Fight mit der Alien-Königin lieferte, hat sich zwar nicht durchgesetzt, aber ich halte das Ziel nicht für abwegig, dass Exoskelette oder andere etwas feinsinnigere Ergonomie-Innovationen aus Lager-, Liefer- oder Logistikberufen in einigen Jahren tatsächlich attraktive Arbeitsplätze machen. So weit sind wir noch nicht, aber die Technologie ist da, auch wenn der Anbietermarkt noch klein und weithin unbekannt, dafür aber recht innovativ ist.

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Schwere Arbeit ist ein universelles Problem, und damit eine gesellschaftliche Aufgabe, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aber auch Gewerkschaften, Verbände und Berufsgenossenschaften gleichermaßen in die Pflicht nimmt. Die Menschen wollen nicht weniger, sondern besser arbeiten. Sie arbeiten lieber acht Stunden ohne Rückenschmerzen als sieben mit Rückenschmerzen. Sie heben lieber alle Pakete locker und leicht als wirkungslos reguliert wie bisher. Und ein Lieferfahrer, der ein 30-Kilo-Paket mit einer Hand liftet, wäre zudem eine Botschaft an den Logistiknachwuchs, die überzeugt.

Anita Würmser schrieb bis Ende 2020 exklusiv in LT-manager die Kolumne „Was Würmser wurmt“. Die Agenturinhaberin und Chefin des IFOY Awards und der Logistics Hall Of Fame hat viel zu sagen – und das nun in materialfluss.

Der Beitrag erschien in materialfluss 8-9/22.

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