Meinung
Video hat niemanden umgebracht

Zwei Irrtümer halten sich ziemlich hartnäckig in den Köpfen der Menschen. Erstens: Video killed the radio star, zweitens: Automatisierung vernichtet Arbeitsplätze. Den ersten haben The Buggles 1979 in die Welt geträllert, die Menschen hören es heute noch mit Wehmut im Autoradio und kapieren nicht, dass die Musiker damit immer noch fette Rundfunk-Tantiemen kassieren. Ihren Irrtum haben diese schnell eingesehen: Der Song war zwei Jahre später das erste Musikvideo auf MTV. Das nennt man Anpassung.
Der zweite Irrtum hält sich länger. „Automatisierung vernichtet Millionen Jobs“, krakeelte vor einem Jahr das ehemalige DDR-Monopolblatt „Neues Deutschland“ in ihrem Internetauftritt. „Roboter in der Wirtschaft: Millionen Jobs fallen weg“, orakelte die FAZ drei Tage zuvor online. Vor kurzem zieht die „Zeit“ auf ihrer Website Bilanz: „Arbeitslosenzahl sinkt auf Rekordtief“. Hm, was nun? Hat sich mal wieder eine schlechte Nachricht nicht bewahrheitet? So ein Mist. Oder ist es noch zu früh für eine Bilanz?
„Seit Beginn der Industrialisierung haben sich Wohlstand und die Zahl der Arbeitsplätze rapide nach oben entwickelt.“
Dafür hilft auch mal ein Blick in die Vergangenheit. Denn wir tun gerade so, als gäbe es die Beelzebuben Roboter, Computer und Automatisierung erst, seitdem irgendeiner den Begriff Industrie 4.0 erfunden hat. Sorry, aber all das gab es lange vorher schon. Fakt ist: Seit Beginn der Industrialisierung haben sich Wohlstand und die Zahl der Arbeitsplätze rapide nach oben entwickelt. Was man besser machen kann: Die Menschen nicht für dumm verkaufen, Dinge schönschwätzen. Sondern: Mit den Leuten reden. Erklären, sie einbeziehen, Argumente geben. Damit umgehen. Offen sein. Und vor allem nicht mit Bad-news-are-good-news-Schlagzeilen Flächenbrände entfachen.
Exklusiv in Materialfluss: Intra Logistik schreibt, was sie denkt. Sagen Sie Intra, was Sie denken: [email protected]










