Kolumne von Intra Logistik
Sind Sie auch zu doof?
Kennen Sie Jan Philipp Albrecht? Der Grünen-Europapolitiker ist schuld daran, dass Sie Ende Mai durch Mails mit Einwilligungserklärungen nur so bespammt wurden und jetzt noch ratloser sind – weil Sie nicht wissen, was das soll, oder weil Sie die meisten Leute gar nicht kennen, die Ihnen das schicken. Denn der Herr mit den drei Vornamen hat maßgeblich an der neuen Datenschutzgrundverordnung DSVGO mitgewurstelt. Auf jeden Fall plappert er munter und von jeglicher B2B-Praxis-Ahnung befreit in jede Kamera, wie wichtig es sei, dass die Daten sicher sind.
Und er hat recht. Im Prinzip. Es darf nicht sein, dass Wahlen manipuliert werden, weil der CEO eines Social-Media-Riesen den Überblick verliert. Es darf nicht sein, dass Sie von pakistanischen Viagra-Fälschern gestalkt werden, nur weil Sie sich mal vertippt haben. Es darf nicht sein, dass Ihr Online-Shop Ihre ganzen finanziellen Verhältnisse kennt, nur weil Sie per Sofort-Überweisung bezahlen. Es darf nicht sein, dass Ihr Finanzamt weiß, welche Strecke zur Arbeit Sie tatsächlich fahren. Der Schutz der Privatsphäre ist ein hohes Gut und Datenkraken wie Google, Facebook und Finanzamt muss man genau auf die Finger schauen.
Aber wie sieht das denn für Unternehmen, die sich hauptamtlich mit Intralogistik beschäftigen, in der Praxis aus? Kann es sein, dass Sie als Aussteller auf der LogiMAT jeden, der ihren Stand besucht, ein Protokoll unterzeichnen lassen müssen, das regelt, was Sie mit seiner Visitenkarte machen dürfen – und was nicht? Dass Intralogistiker mit einem Bein im Ruin stehen, weil sie jemandem eine Einladung schicken, der diese gar nicht möchte? Oder der ihnen Böses will? Wird jetzt der verknackt, der mir und anderen unaufgefordert eine Mail schickt, in der er fragt, ob man ihn in einen Verteiler aufnehmen kann? Will sagen: Bei der DSVGO fehlt irgendwie die pragmatische B2B-Lösung.
„Ist es sinnvoll, dass jeder LogiMAT-Besucher an jedem Messestand eine Einwilligungserklärung unterzeichnet, damit Sie ihm eine Mail senden dürfen?“
„Man darf sich jetzt nicht verrückt machen lassen,“ gibt Herr Albrecht in einem Interview auf „Zeit online“ einen wirklich hilfreichen Ratschlag. Aber auch: „Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen und realisieren, dass die Vermittlung eines EU-Gesetzes eines überobligatorischen Aufwands bedarf.“ Heißt auf Deutsch: Uns war nicht klar, dass die Leute zu doof sind, diese 99 Artikel zu kapieren. Hat er vielleicht auch nicht. Denn er soll jetzt Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein werden.
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