Lagerautomatisierung
Bestandsgebäude neu gedacht
Lagerautomatisierung – ganz ohne Neubau, ohne Umzug und ohne Produktionsstopp? Wie das möglich ist, zeigt Autostore in vielfältigen Brownfield-Projekten, in denen es gelungen ist, selbst in alten und scheinbar unflexiblen Gebäuden Lagerabläufe zu automatisieren. Die Vorteile reichen von Kosteneinsparungen über maximale Flächennutzung bis hin zu hoher Energieeffizienz – auch im laufenden Betrieb.
Das Autostore-System hat sich als eine effiziente und flexible Lösung für die Automatisierung von Lagerprozessen in bestehenden Gebäuden, sogenannten Brownfield-Anwendungen, etabliert. Etwa 65 Prozent der weltweit über 1.600 installierten Autostore-Systeme befinden sich in Bestandsimmobilien. Ein wesentlicher Vorteil dieser Technologie liegt in der signifikanten Kostenersparnis, die sich aus der Nutzung bereits vorhandener Immobilien ergibt. Da keine neuen Flächen erschlossen oder zusätzliche Gebäude errichtet werden müssen, entfallen sowohl die Kosten für Grundstückserwerb und Bau als auch die mit einer Flächenversiegelung verbundenen Belastungen für die Umwelt. Unternehmen profitieren zudem davon, dass keine Umzugskosten anfallen und sie ihre Beschäftigten, unterstützt durch das Ware-zur-Person-Kommissioniersystem, mit höherer Produktivität oder für neue Aufgaben einsetzen können. Ein weiterer Vorteil des Autostore-Systems ist die kurze Implementierungszeit. Dank des modularen Aufbaus können die Installation sowie spätere Erweiterungen schrittweise erfolgen, ohne den laufenden Betrieb wesentlich zu beeinträchtigen. Dadurch werden Produktions- und Lieferstopps sowie darüber hinausgehende Risiken und Kosten, die mit längeren Betriebsunterbrechungen einhergehen, vermieden.
Maximale Raumausnutzung und nahtlose Integration
Die optimierte Raumnutzung ohne Gänge und Gassen ist ein zentrales Argument für den Einsatz von Autostore in Brownfield-Anwendungen. Die kompakte Bauweise und die hohe Lagerdichte ermöglichen eine deutlich bessere Nutzung der vorhandenen Flächen. Selbst in Gebäuden mit unregelmäßigen Grundrissen oder baulichen Einschränkungen kann das System flexibel angepasst werden. Dadurch lässt sich die Lagerkapazität um das Vierfache im Vergleich zu einer manuellen Fachbodenregalanlage steigern, ohne dass zusätzliche Flächen benötigt werden.
Die einfache Integration in bestehende Anlagen und Technologien ist ein weiterer Pluspunkt des Autostore-Systems. Über standardisierte Schnittstellen kann das System problemlos an vorhandene Fördertechnik, Roboterlösungen oder IT-Systeme wie SAP EWM angebunden werden. Dies erleichtert die Einbindung in bestehende Betriebsabläufe und reduziert den Aufwand für Anpassungen und Schulungen.
Attraktive Arbeitsplätze schaffen und Produktivität erhöhen
Bei den Arbeitskosten ergeben sich spürbare Einsparungen. Durch die Automatisierung von Ein- und Auslagerprozessen sinkt der manuelle Arbeitsaufwand erheblich, während Wegezeiten ganz entfallen. An den ergonomisch gestalteten Autostore-Ports werden die Waren direkt zu den Mitarbeitenden gebracht, die dann über ein Display oder optional per Pick-by-Light-System oder andere Assistenzsysteme durch den Kommissionierprozess geführt werden. Dies resultiert nicht nur in einer höheren Produktivität, sondern reduziert die gesundheitlichen Belastungen der Mitarbeiter und dadurch bedingte Fehlzeiten.
Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist die Energieeffizienz des Systems. Die eingesetzten Roboter verbrauchen nur einen Bruchteil der Energie herkömmlicher Lagertechnik. In vielen Fällen lässt sich der gesamte Energiebedarf eines Autostore-Systems durch den Einsatz von Photovoltaik-Anlagen decken. Viele Anwender überzeugt das Autostore-System aber vor allem durch seine Flexibilität und Skalierbarkeit. Das modulare Konzept erlaubt es, das Lager bei Bedarf schnell und unkompliziert zu erweitern, indem zusätzliche Roboter, Ports oder Lagerstellplätze integriert werden. So können Unternehmen flexibel auf veränderte Marktanforderungen reagieren, ohne größere bauliche Veränderungen vornehmen zu müssen.
Der Weg zur integrierten Gesamtlösung
Wer sich für ein Autostore als Kleinteilelager und Fulfillment-System entscheidet, hat die Freiheit, das System nahtlos in seine Materialflüsse und Prozesse einzubinden, zum Beispiel an neue oder bestehende Förderstrecken, mobile Transportroboter wie AMRs, automatische Pickroboter, Wendelförderer oder Aufzüge. Mit seinem Business Development Team und der Abteilung System Design bietet Autostore Unternehmen, die sich mit der Anschaffung eines Autostore beschäftigen, die Möglichkeit, das System vorab speziell nach ihren individuellen Anforderungen zu designen und ein erstes Angebot zu erstellen.
„Mithilfe unserer maßgeschneiderten Simulationssoftware können wir jedem Kunden das passende System nach seinen Bedürfnissen vorab genau planen und zeigen. Dabei lassen sich dank der Flexibilität des modularen Systems problemlos Gebäudestützen, Fahrwege oder andere am Boden benötigte Flächen aussparen oder das ganze System auf einer Bühne platzieren“, erklärt Jakob Josten, Business Development Manager Industrial & Manufacturing bei Autostore. Mit dieser unabhängigen Beratung können im Vorfeld anhand von konkreten Kundendaten bereits die benötigte Systemgröße und -ausgestaltung, Anzahl der Roboter, physische und IT-Schnittstellen sowie die Lieferzeit bestimmt werden. Darüber hinaus kann Autostore Empfehlungen zur IT-Integration und der Partnerauswahl geben. Mit dem Systemintegrator können anschließend weitere Optimierungen bestehender Strategien und Prozesse, Fahrwege sowie ergänzende Technologien wie Fördertechnik, Pickroboter oder Verpackungstechnik geplant und integriert werden. Alternativ können Unternehmen ihre Anlagen auch individuell mit eigenen oder externen Planern konfigurieren und einzelne Gewerke bei verschiedenen Anbietern einkaufen und zu einer integrierten Lösung zusammenstellen.
Plattform für weitere Prozessautomatisierung
„Viele Kundenprojekte zeigen, dass Autostore die perfekte Basis ist, um weitere Automatisierungstechnologien nutzen zu können. Unternehmen, die sich für das System entscheiden, haben die Freiheit, weitere Technologien am Port selbst sowie in angrenzenden Prozessen zu integrieren. Durch die Flexibilität im Design können Förderstrecken oder Fahrwege für AMRs und andere Funktionen am Boden freigehalten werden. Diesen unschlagbaren Vorteil lassen gassengeführte Systeme oder andere Speichertechnologien mit Shuttles am Boden vermissen“, ergänzt Peter Bimmermann, Director Sales 3PL sowie Managing Director bei AutoStore System, Mönchengladbach.
Auf der Logimat 2025 vorgestellt, bietet Autostore mit CarouselAI und dem CarouselAI Upgrade seit kurzem eine weitere Möglichkeit, neue und bestehende Anlagen mit noch höherer Effizienz im Mehrschichtbetrieb zu betreiben. CarouselAI ist das erste KI- und robotergestützte Piece-Picking-System von Autostore, das speziell für die Automatisierung und Optimierung des Kommissionierprozesses entwickelt wurde. Es erreicht eine Kommissioniergenauigkeit von 99,5 Prozent, arbeitet rund um die Uhr und steigert die Effizienz sowie die Durchsatzraten deutlich – bis zu 650 Picks pro Stunde pro Port sind möglich.
Ein besonderer Vorteil für Brownfield-Anwendungen und Modernisierungsprojekte: Bestehende Autostore-Anlagen mit CarouselPort 4.0 können durch das CarouselAI Upgrade ohne größere infrastrukturelle Veränderungen nachgerüstet werden. Das Retrofit umfasst die notwendigen Hardware- und Softwarekomponenten und lässt sich nahtlos in das vorhandene System integrieren. Durch diese Upgrade-Möglichkeit profitieren Unternehmen von allen Vorteilen der KI-gestützten Automatisierung – wie geringeren Arbeitskosten, zuverlässig hohen Kommissionierleistungen über 24/7 und einer schnellen Amortisation der Investition, während sie gleichzeitig die vorhandene Infrastruktur optimal weiter nutzen können.
Siemens Chemnitz modernisierte mit Autostore die Produktionsversorgung
Das Siemens-Werk für Kombinationstechnik in Chemnitz stand vor der Herausforderung, die steigenden Anforderungen an Lagerkapazität und Effizienz im bestehenden Gebäude zu erfüllen. Das bisherige manuelle Fachbodenlager für Kleinteile hatte seine Kapazitätsgrenzen erreicht, weshalb Siemens auf der Suche nach einem effizienteren Lagersystem war.
Mit der Entscheidung für die Installation des kompakten Autostore-Systems konnte Siemens die Lagerkapazität auf gleicher Fläche vervielfachen: Auf nur 760 Quadratmeter finden nun mehr als 45.000 Behälter Platz – ein bis zu viermal größerer Bestand als zuvor. Die Umstellung erfolgte während des laufenden Betriebs, sodass die Produktionsversorgung jederzeit gewährleistet war und keine zusätzlichen Flächen erschlossen werden mussten. Durch die Automatisierung stieg die Kommissionierleistung pro Mitarbeiter von 30 auf 75 Positionen pro Stunde. Gleichzeitig reduzierten sich interne Wege und Fehler in der Kommissionierung sanken auf nahezu null.
Um den Materialfluss weitestgehend zu automatisieren und so eine optimale Produktionsversorgung zu implementieren, integrierte Dematic das Autostore in die bestehende und neue Fördertechnik über zwei Ebenen. Vom Wareneingang gelangen die eingehende Pakete über einen Lift in die obere Ebene zu den acht Umfüllstationen. Über die untere Ebene wiederum gelangen leere Autostore-Bins zu den Arbeitsplätzen. Nach der Befüllung und automatischer Gewichtskontrolle werden die Behälter zum Autostore transportiert und hier über Transferzellen selbsttätig von den Autostore-Robotern aufgenommen.
Mit dem Abruf aus der Produktion startet der Kommissionierprozess, also die Bereitstellung der Ware an die interne Logistik. Pro Tag werden bei Siemens rund 7.000 verschiedene Positionen aus dem Autostore abgerufen. Die Zusammenstellung der Aufträge erfolgt durch 34 Autostore-R5-Roboter, die auf der Oberseite des Systems fahren. Sie holen die Bins aus dem Grid und bringen sie der Reihe nach an den Port, sodass die Mitarbeiter unterbrechungsfrei ihrer Kommissioniertätigkeit nachgehen können. Zuvor mussten sie hierfür lange Strecken zurücklegen, um die einzelnen Artikel zu kommissionieren. Mit derselben Zahl an Mitarbeitern kann Siemens dank Autostore nun mehr Aufträge in kürzerer Zeit abwickeln. Selbst wenn mal ein Roboter ausfallen sollte, läuft das System weiter und ein anderer Roboter übernimmt den Auftrag.
„Mit dem neuen Lager sind wir für die Zukunft bestens gewappnet. Die Lager- und Kommissionier-Kapazitäten zu steigern sowie das Handling und die gesamte Lagerbewirtschaftung effizienter zu gestalten, wurden bestens erfüllt“, resümiert der Projektleiter von Siemens, Carsten Sambo. Dass hierbei die Produktionsversorgung störungsfrei aufrechterhalten werden konnte, war ein persönliches Highlight. Dieses Modernisierungsprojekt bei Siemens unterstreicht, wie Unternehmen mit Autostore im Brownfield nicht nur Kosten sparen und vorhandene Flächen optimal nutzen, sondern auch die Effizienz und Flexibilität und damit die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig steigern können.













