Fraunhofer IWU
Robotik-Software macht Schutzzäune überflüssig
Seit September 2024 treibt das Start-up Botfellows, eine Ausgründung aus dem Fraunhofer IWU, die Entwicklung innovativer Robotik-Software als selbstständiges Unternehmen weiter voran. Im Fokus steht die intelligente, direkt in die Robotersteuerung integrierbare Lösung 'Botfellows Dynamic Safety'.
In 'Botfellows Dynamic Safety' ersetzen dynamische Sicherheitszonen physisch abgegrenzte Arbeitsräume von Mensch und (Industrie-)Roboter. Auf der Automatica erwartet Besucher eine Live-Demonstration mit einem Industrieroboter, der vollständig ohne Schutzzäune auskommt und hohe Produktivität garantiert.
Die Botfellows – Dr.-Ing. Mohamad Bdiwi (CEO), Sebastian Krusche, Paul Eichler und Jayanto Halim – setzen auf Hightech-Lösungen, in denen flexible (sich dynamisch ändernde, das heißt situativ optimale) Sicherheitszonen starr abgegrenzte Arbeitsbereiche ersetzen: Ihre Software passt die Bewegung von Leichtbau- oder Industrierobotern dynamisch an, indem sie deren Geschwindigkeit nur dann – bei Bedarf bis zum Stillstand – reduziert, wenn sich Personen tatsächlich dem Arbeitsbereich nähern. Erkennt das Zusammenspiel aus Sensorik und Kameras, dass keinerlei Kollisionsgefahr droht, arbeiten der oder die Roboter in den vorgesehenen Bewegungsbahnen und mit der regulären Geschwindigkeit. Die Forschungsergebnisse der Botfellows zur sicheren Teamarbeit von Mensch und Roboter haben zahlreiche Praxistests bestanden; nun ist die Softwarelösung erstmals in die Robotersteuerung eines Herstellers integriert.
Dazu kooperieren die Chemnitzer Robotikspezialisten mit dem chinesischen Hersteller Estun. Botfellows Dynamic Safety ist direkt (ohne zusätzliche Schnittstellen) eingebunden. Die einfache Implementierung und Bedienung war ein wichtiges Entwicklungsziel: "Dies ist der Schlüssel, um hochflexibel automatisieren und maximale
Sicherheit gewährleisten zu können – weil sich unsere Software perfekt in die Robotersteuerung einfügt, statt deren Komplexität zu erhöhen", unterstreicht Bdiwi.
In einem gemeinsamen Arbeitsraum ohne trennende Schutzzäune lassen sich dank der Botfellows-Lösung verschiedene Szenarien realisieren:
- Koexistenz: Mensch und Roboter arbeiten parallel in einem gemeinsamen Arbeitsbereich, ohne dass ein Schutzzaun erforderlich ist. Der Roboter übernimmt automatisierte Palettieraufgaben wie etwa das Stapeln und Sortieren von Kartons, während der Mensch in der Nähe Qualitätskontrollen durchführt oder Material nachlegt.
- Kooperation: Mensch und Roboter teilen sich denselben Arbeitsbereich und wechseln sich zeitlich in den Palettieraufgaben ab. Der Roboter stapelt schwere Kartons auf der Palette, während der Mensch kleinere, empfindliche Produkte hinzufügt und die Stabilität der Palette sicherstellt. Dadurch wird eine flexible Anpassung an verschiedene Produktarten ermöglicht.
- Kollaboration: Mensch und Roboter arbeiten zeitgleich im selben Arbeitsbereich und ergänzen sich direkt. Der Roboter hebt und reicht schwere oder unhandliche Kartons, während der Mensch sie präzise auf der Palette positioniert, Lücken ausfüllt und die finale Ausrichtung überprüft. Diese Form der Zusammenarbeit erhöht die Effizienz und Ergonomie des Palettierprozesses.
Botfellows auf der Automatica: Halle A4, Stand 311











