Wie die Intralogistik grün wird

09.03.2010

Energiesparende Komponenten sind auch in der Intralogistik mehr und mehr gefragt. Moderne Konzepte verfügen nicht nur über energiesparende Antriebe. Auch intelligente Software und Steuerungen tragen zu einer höheren Energieeffizienz bei.

Während in der Transportlogistik schon länger umfangreiche Maßnahmen zur Energiebzw. Kraftstoffeinsparung und damit Verringerung von CO2 getroffen wurden, setzen sich jetzt entsprechende technische Lösungen auch in der Intralogistik durch. Hintergrund ist einerseits das größere Bewusstsein für einen rücksichtsvollen Umgang mit Ressourcen.

Der Hauptgrund für die Entwicklung energieeffizienter Systeme dürfte aber in den in den letzten Jahren rasant gestiegenen Energiekosten liegen. Sowohl Anwendern als auch Systemanbietern bieten energiesparende Neuentwicklungen Wettbewerbsvorteile. Wie man mit modernen Komponenten und einer intelligenten Anlagensteuerung den Energiebedarf erheblich senken kann, zeigt das Beispiel des Schuhproduzenten Clarks.

Auf Grund eines gestiegenen Auftrags- und Distributionsvolumens wurde in Somerset, Großbritannien, von Knapp ein Distributionszentrum errichtet, das über eine Kapazität von sechs Millionen Paar Schuhen verfügt und für einen täglichen Durchsatz von 200 000 Paar Schuhen ausgelegt ist. Das vollautomatisierte, 28 000 m2 große und 480 000 Kartonstellplätzen bietende Distributionszentrum arbeitet mit 25 Regalbediengeräten, die von 1 200 Motoren angetrieben werden.

Alleine diesen Zahlen lassen erahnen, wie sich durch eine intelligente Steuerung der gesamten Anlage der Energieverbrauch verringern lässt. Da die Anlage nicht ständig unter Volllast genutzt wird, wurde von Knapp ein Energiesparkonzept umgesetzt, das vollautomatisch gesteuert nur die Komponenten nutzt, die auch tatsächlich benötigt werden. Der Energiebedarf für das gesamte Hochregallager wird mit der Energiemanagement-Software von Knapp minimiert.

Synchron-TrommelmotorBei gleich bleibendem Durchsatz wird dies durch eine kontinuierliche Überwachung der Stromzufuhr, eine Vorberechnung und Optimierung der Bewegungsaufträge der Regalbediengeräte und der entsprechenden automatischen Anpassung der Leistungsdaten erreicht. Beim Transport der Schuhkartons zwischen den einzelnen Lagerbereichen aktiviert die Systemsteuerung nur die Teilstrecken, auf denen Kartons befördert werden. Ferner kann die Haustechnik zum Stromsparen die automatische Bedarfsabschaltung über den Leitstand KiSoft i-Point bereichsweise deaktivieren.

Grün dank Satelliten-Technik
Der Fördertechnikhersteller Westfalia hat mit seiner Satelliten-Technik bereits vor Jahren den Weg in eine grüne Intralogistik eingeschlagen. Das Satelliten- Kompaktlager soll die Nachhaltigkeitsstrategie der Kunden unterstützen. So wurden beispielsweise bei McCain in Frankreich acht Regionallager durch nur ein Lager ersetzt.

Die Bauweise der Kompaktlager spart Raum und Energie, weil weniger Platz benötigt wird und weniger Geräte im Betrieb sind als bei herkömmlichen Systemen. Weniger Regalbediengeräte verbrauchen weniger Strom und produzieren weniger Wärme. Auch die Bremsenergie der Regalbediengeräte wird wieder in den Energiekreislauf der Logistikanlagen eingespeist und somit weitgehend nicht als Wärme abgegeben.

Vorteilhaft ist das besonders in Tiefkühlumgebungen, weil weder die von den Geräten produzierte Wärme noch die Umgebungsluft heruntergekühlt werden muss. Module der Westfalia- Software Savanna.NET ermöglichen zudem einen effizienteren und sparsameren Betrieb der Regalbediengeräte im Lager. Die Software lässt die Geräte je nach erforderlicher Leistung schneller oder langsamer durch das Lager fahren.

So arbeiten sie, wenn keine Peaks abzuarbeiten sind, in einem Energiesparmodus. Bis zu 20 % Energieeinsparungen sollen sich auch mit Anlagen von Stöcklin Logistik realisieren lassen. Unter der Bezeichnung Eco-Drive finden sich Maßnahmen innerhalb des Stöcklin Warehouse Management Systems und der -Steuerung, die in den Dienst des aktiven Energiesparens gestellt werden.

Wichtig sei es, grundsätzlich alle Systeme wie ERP, Warehouse Management, Steuerung und Antriebstechnik eng auf ein gewünschtes Energiesparziel abzu-stimmen. Außer energiesparenden technischen Komponenten spiele deshalb vor allem die Auslegung des Lagerlayouts eine wichtige Rolle. Anlagen sollten so ausgelegt sein, dass sie einerseits den Strom in kW/h verringern, andererseits Stromspitzen vermeiden.

Fokus auf Gurtförderern
Auch der Systemlieferant Vanderlande Industries reduziert den Energieverbrauch und die Betriebskosten seiner Anlagen. Aus einer internen Studie ergab sich, dass der größte Stromverbrauch nicht beim Sortern auftritt, sondern bei den Gurtförderern. Sie benötigen mehr als das Zweifache an Energie pro Transportgut als ein Sorter. Inzwischen hat das Unternehmen drauf reagiert und den energiesparenden Greenveyor entwickelt, der zunächst in der Flughafen-Fördertechnik eingesetzt wird.

Danach soll diese Neuentwicklung auch in den anderen Geschäftsbereichen eingeführt werden. Beim Gepäckhandling erwartet man eine Reduzierung des Energieverbrauches bis zu 40 Prozent. Bei den Hebeund Regalbediengeräten setzt Vanderlande Industries konsequent auf die Minimierung der zu bewegenden Masse sowie auf die Wiederverwendung von generatorischer Energie.

Um ein intralogistisches System energieeffizient zu gestalten, sei eine intelligente Systemsteuerung notwendig. Die adaptive Nutzung einzelner Anlagenteile in Abhängigkeit des Bedarfstroms stehe hier im Fokus. Mit umfangreiche Diagnosehilfen wie VISION:BPI, dem zukünftigen Business Process Intelligence Dashboard, lässt sich z. B. der Energieverbrauch in Abhängigkeit von der Durchsatzleistung darstellen.

Nicht zuletzt werde hierdurch das Bewusstsein des Anlagenbetreibers für Energieeinsparungen angeregt. Darüber hinaus berät Vanderlande Industries Kunden bezüglich energiesparender Maßnahmen und Betriebsabläufe. So könne auch bei einer bestehenden Anlage durch eine Retrofit-Maßnahme eine Energieeinsparung von mehr als 20 Prozent erzielt werden.

clarkStichwort sensorlose Synchron-Trommelmotoren
Als Marktneuheit präsentierte kürzlich die Interroll Gruppe leistungsfähige und energieeffiziente sensorlose Synchron-Trommelmotoren. Entwicklern, Anlagen- und Maschinenherstellern wie Anwendern soll damit eine umweltfreundliche fördertechnische Antriebslösung für ein breit gefächertes Applikationsfeld von der Lebensmittelverarbeitung über industrielle Anwendungen bis zu Spezialmaschinen geboten werden.

Die Symbiose von Synchron- und Trommelmotor- Technologie ergibt einen extrem kompakten und dynamischen Antrieb: Die Trommelmotoren bieten nicht nur eine bisher unerreichte Energieeffizienz von 89 Prozent, sondern eine extreme Leistungsdichte bei erweiterten Geschwindigkeitsbereichen von 0,01 m/s bis 5,9 m/s sowie eine hohe Beschleunigungskapazität von 100 rad/s².

Damit eignen sie sich für den Einsatz in langsamen Förderprozessen für manuell verarbeitete Produkte auf Sammel-, Sortier- oder Inspektionslinien ebenso wie für Hochgeschwindigkeits-Anwendungen in der Verpackungs- und Sorter-Technik. Eine geringere Verlustleistung führt zudem zu längeren Lebenszyklen und verminderter Wärmeentwicklung, was die Entwicklung von Förderanlagen deutlich erleichtert.

Interroll AGwww.interroll.com
Knapp Logistik Automation GmbH, E-Mail: sales.de@knapp.com, www.knapp.com
Stöcklin Logistik AG, E-Mail: unit-d@sld.ch, www.stoecklin.com
Vanderlande Industries GmbH, E-Mail: info@de.vanderlande.com, www.vanderlande.de
Westfalia Holding GmbH & Co. KGwww.westfalia-net.com

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