Was Wärme verrät

26.05.2011

Auch bei Förderanlagen gilt es, die Verschleißteile zum optimalen Zeitpunkt zu tauschen. Aber wie erkennt man diesen am besten? Hier kann die Thermographie ein wichtiges Instrument sein, um Geld und Zeit zu sparen.

Jeder Betreiber einer technischen Anlage, die elektrische und bewegliche Komponenten enthält, sucht nach einer zuverlässigen Methode zur Erkennung des optimalen Zeitpunktes, um Verschleißteile zu tauschen, bevor sie zu einem Systemstillstand führen. Bei den meisten Logistiksystemen sieht die aktuelle Situation derart aus, dass ein Komponententausch entweder zu früh oder zu spät erfolgt, da die Wahl des Zeitpunktes mehr auf Erfahrungswerten als auf Messergebnissen beruht. Mit Hilfe von thermografischen Aufnahmen ist es möglich, Daten über den Zustand von einzelnen Elementen wie z.B. beweglichen Komponenten eines Materialflusssystems zu erhalten. Für das Sichtbarmachen von elektromagnetischer Strahlung werden Wärmebildkameras verwendet, die über Strahlungsdetektoren für den genannten Wellenlängenbereich verfügen. Diese erfassen die Intensität der Infrarotstrahlung, die von dem Objekt ausgeht, und erzeugen ein so genanntes Falschfarbenbild, in dem höhere Intensitäten höheren Temperaturen zugeordnet sind. Diese Temperaturen sind immer nur die Oberflächentemperaturen des Messobjektes, ein „Hineinsehen“ in ein Objekt ist nicht möglich.

Wärmebildkameras erfassen die elektromagnetische Strahlung, die ein Objekt aussendet. Diese Strahlung ist proportional zu der aufgenommenen (absorbierten) Strahlung. Um eine möglichst genaue Messung zu erhalten, darf möglichst nur die Eigenstrahlung des zu messenden Körpers erfasst werden. Allerdings werden in der Praxis neben der emittierten Eigenstrahlung des Messkörpers auch die reflektierte Strahlung und die transmittierte Strahlung im Sichtbereich der Kamera liegender Objekte mit erfasst.

Die Gesamtstrahlung eines Körpers setzt sich somit aus den drei Komponenten Emission, Reflexion und Transmission zusammen. Unter der Maßgabe, dass die meisten Materialien für Infrarot-Strahlung undurchlässig sind, ist der Transmissionsanteil zu vernachlässigen. Die von der Kamera gemessene Strahlung ergibt sich also als Summe von emittierter und reflektierter Strahlung. Der Anteil der reflektierten Temperatur addiert sich also zu der Eigenstrahlung und verfälscht somit die Messung. Der Messfehler ist umso kleiner, je höher der Emissionsanteil ist. Als Maß für die Fähigkeit eines Materials Infrarot-Strahlung auszusenden, wird der Emissionsgrad verwendet. Dieser ist abhängig von dem Material, der Oberflächenbeschaffenheit und dem Beobachtungswinkel:

Nicht-metallische Materialien verfügen über einen hohen Emissionsgrad, z.B. Holz zwischen 0,8 und 0,9, während metallische Gegenstände einen niedrigen und auch noch temperaturabhängigen Emissionsgrad aufweisen. Der Emissionsgrad sinkt, wenn der Körper eine glatte oder glänzende Oberfläche aufweist. Jede Wärmebildkamera bietet die Möglichkeit, den Emissionsgrad manuell einzustellen.
Damit das Messergebnis also möglichst exakt wird, sind eine möglichst genaue Kenntnis und Einschätzung der Oberfläche des zu messenden Körpers sowie die korrekte Einstellung des Emissionsgrades in der Wärmebildkamera unerlässlich.

282Optimale Betreuung
Das Bestreben von Vanderlande Industries zielt konsequent in die Richtung, seinen Kunden auch nach Inbetriebnahme der Förder- und Sortieranlage die bestmögliche Betreuung anzubieten. Unter dieser Prämisse erweitert Vanderlande Industries sein Service-Portfolio und bietet ab sofort thermografische Aufnahmen von mechanischen und elektromechanischen Komponenten zur Erkennung von bestehenden Schäden sowie zur Identifizierung von potentiellen Problemquellen. Mit dieser Methode besteht für den Systembetreiber die Möglichkeit, Informationen über sein System zu erhalten, auf deren Basis der Austausch von Komponenten planbar wird. Die Anzahl der schadensbedingten Systemstillstände und der damit verbundenen Adhoc-Reparaturen wird reduziert und die Systemverfügbarkeit erhöht.

Das speziell ausgebildete technische Personal von Vanderlande Industries erstellt thermografische Aufnahmen von mechanischen und elektromechanischen Systemkomponenten. Im Bereich der mechanischen Teile werden bevorzugt Objekte thermografiert, die entweder schwer zugänglich sind – und somit im unerwarteten Schadensfall einen längeren Systemausfall mit sich bringen – oder für den Materialfluss unverzichtbar sind und entsprechend einen Systemstillstand erzeugen können.

Während bei beweglichen Teilen eine eventuelle Geräuschentwicklung auf einen sich anbahnenden Schaden hindeutet, gibt es bei elektromechanischen Komponenten keinen Indikator zur frühzeitigen Erkennung von Komponentenausfällen. Wärmebilder von Schaltschränken dienen also dazu, Unregelmäßigkeiten bei Relais oder Schützen rechtzeitig zu erkennen.

Neben der Erkennung aktuell anstehender Probleme, wie z.B. höhere Übergangswiderstände bei losen Klemmen oder unnatürlich hohe Lagertemperaturen, ermöglicht die Thermografie Langzeitdiagnosen. Um die Alterung von Bauteilen rechtzeitig feststellen zu können, ist die regelmäßige Thermografie der Objekte notwendig. Voraussetzung für eine vergleichbare Auswertung und eine damit verbundene Trenddarstellung ist die Aufnahme des Objektes aus immer dem gleichen Blickwinkel. Hierzu wird stets zeitgleich mit dem Wärmebild auch ein Digitalbild erstellt. Vor der Durchführung der Thermografie werden in Absprache mit dem Betreiber sowohl die zu fotografierenden Elemente als auch der Wiederholungszyklus der Aufnahmen festgelegt. Während der Durchführung von thermografischen Aufnahmen kommt es zu keinerlei Beeinträchtigungen des Sortierprozesses, da die Messmethode zum einen berührungslos arbeitet, zum anderen aber auch ein unter Last arbeitendes System verlangt.

Stichwort Thermografie
Beim Thermografieren handelt es sich um ein berührungsloses Messverfahren, das schnell, genau und bildgebend die thermische Oberflächenempfindlichkeit von Körpern erfasst. Das menschliche Auge erkennt elektromagnetische Strahlung als Licht. Jedes Objekt sendet aber auch eigene Strahlen aus, die für das Auge unsichtbar sind. Eine Klassifizierung der Strahlung erfolgt über ein großes Spektrum von Wellenlängen. Der überwiegende Teil der Wärmestrahlung liegt aber oberhalb dieses Bereiches. Strahlung mit einer Wellenlänge ab 0,75 µm bis 1 000 µm wird als infrarote Strahlung bezeichnet, wobei für die thermische Erfassung Wellenlängen bis maximal 14 µm relevant sind. Als Erkenntnis aus den Strahlungsgesetzen, die u.a. eine Beziehung zwischen elektromagnetischer Strahlung und der Temperatur nachweisen, ergibt sich, dass für die Messung von Temperaturen bis Apartment building thermal imaging half300 °C Wellenlängen im Bereich von 8 µm bis 12 µm erfasst werden müssen.

Vanderlande Industries GmbH, Tel.: 0 21 61/68 00-0, Fax: 68 00-1 00,
E-Mail: info@de.vanderlande.com, www.vanderlande.de

Anzeige

weitere Themen

Förder- und Hebetechnik

Illustration

Nachhaltiges Transportband vorgestellt

Nachwachsende, biologisch abbaubare Rohstoffe, reduzierter Stromverbrauch – und trotzdem die gleichen Eigenschaften wie herkömmliche Transportbänder – Forbo Movement Systems ist es gelungen, nachhaltige Transport- und Prozessbänder zu entwickeln, die einen [...]

Illustration

Ein Ziel – viele Wege dahin

Nachhaltigkeit geht alle an – das haben auch die Anbieter von Intralogistik längst verstanden. Nur die Herangehensweise ist nicht zwingend immer dieselbe.
So haben sich etwa SSI Schäfer und Dematic der [...]

Illustration

Neuer Synchronhebe-Druckblock

Die größte Herausforderung beim Anheben von Maschinen, die aufgrund ihrer Bauart oder der Einbausituation nur komplett angehoben werden dürfen, ist die sichere und gleichmäßige Durchführung insbesondere bei unsymmetrisch gelegenem Schwerpunkt. [...]

Docdata nimmt Paketsorter in Betrieb

Um seine Leistungen zu erhöhen und außerdem der wachsende Anfrage gerecht zu werden, hat Docdata in Waalwijk ein neues Distributionszentrum gebaut. Van Riet hat dort ein Paketsorter installiert, der die [...]

Illustration

Über die Brücke schneller zum Ziel

Überstiege und Laufsteganlagen der Günzburger Steigtechnik GmbH verkürzen die Wege in der Fertigung und sorgen so dafür, dass die Produktivität nicht auf der Strecke bleibt.
Der bayerische Qualitätshersteller für Steigtechniklösungen [...]

Illustration

Hoch und runter mit Niveau

Am Montage-Arbeitsplatz, im Verpackungsbereich, beim Verladen oder in Förderanlagen: Überall wo es darum geht, Lasten in verschiedene Höhen zu bringen, sind Scherenhubtische nicht mehr wegzudenken.
Entsprechend ihrer Bauformen und Antriebsarten unterscheidet [...]

Illustration

Effizient, schnell und einfach

Automatische Lagersysteme direkt über SAP steuern – das ermöglicht das neue IT-System Kardex Drive.
Vollständig in SAP integriert, entfallen mit dem neuen Steuerungsmodul schnittstellenbedingte Einschränkungen wie etwa Synchronisationsprobleme und doppeltes [...]

Illustration

Wenn Krane Sicherheit geben

Um für den Notfall gerüstet zu sein, setzt das Wasser- und Schifffahrtsamt Koblenz auf einen Kran mit 50 Tonnen Traglast. Das Hubwerk ist zum Beispiel mit Stillstandheizungen bestens für den [...]

Illustration

Becherkette hält doppelt so lange

Tsubaki präsentiert mit der FB-Serie eine neue Förderkette speziell für Becherwerke.
Die trocken geschmierte Förderkette ermöglicht in Kombination mit speziell ausgeführten Kettenrädern eine Verdopplung der Lebensdauer. Die Geräuschentwicklung ist selbst [...]

Anzeige

Suchen

Newsletteranmeldung