Anzeige

Logistik-Dienstleister: Outsourcing für Waschmittel-Lager

17.02.2009

Je mehr Automatisierung in einem Lager, desto größer ist der Aufwand bei nachträglichen Änderungen der Rahmenbedingungen. Für Dienstleister sind Automatiklager deshalb meist zu unflexibel. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Jörg Scheren liebt das Detail. Mit dieser Eigenschaft hat der geschäftsführende Gesellschafter der Scheren Logistik schon zahlreiche technische Herausforderungen an seinen drei Lagerstandorten in Düsseldorf gemeistert. Als er sich vor fünf Jahren an die Planung des ersten Automatiklagers mit 8400 Stellplätzen für seinen Kunden Henkel heranwagte, hatte er deshalb schon sehr konkrete Vorstellungen vom Aufbau des Hochregals sowie den darin arbeitenden Regalbediengeräten (RBG). Zweck der Einrichtung sollte der möglichst effiziente und zuverlässige Betrieb eines Export-Lagers für Waschmittel sein. Von Anfang an stand fest, dass der tägliche Umschlag starken Schwankungen unterliegt und im Extremfall sehr hohe Leistungen von bis zu 2000 Paletten pro Tag gefordert werden. Mit einem konventionellen Lager ließen sich solche Werte nur schwer darstellen, weshalb sich Scheren – als einer der wenigen Logistikdienstleister – für eine automatische Anlage entschied.

Dafür sprachen neben der hohen Leistung noch einige andere Gründe:

  • Zum einen kann ein automatisches Lager mit seinen genau definierten Fahrwegen praktisch ohne Beschädigungen betrieben werden. „Wo kein Stapler fährt, kommen weder Regale, noch Produkte oder Menschen zu Schaden“, bekräftigt Scheren.
  • Zudem sorgen automatische Lager bei einer minimierten Verwechslungsgefahr für eine hohe Bestandsgenauigkeit. Dies spielt besonders bei weltweiten Exporten und den damit verbundenen Akkreditiven zur Zahlungsabsicherung eine bedeutende Rolle.
  • Ein weiterer Vorteil von Automatiklagern sind die niedrigen Personalkosten, die um rund 35 Prozent unter denen eines vergleichbaren manuellen Lagers liegen.

Um die dafür notwendigen Investitionen möglichst gering zu halten, suchte Scheren ganz spezielle Regalbediengeräte, die bei einer Tragfähigkeit von 1,8 t bis zu zwei Europaletten quer aufnehmen können und eine möglichst niedrige Anfahrhöhe aufweisen.

Einfacher Kommissionieren

Die dadurch eingesparte Gesamthöhe des neungeschossigen Lagers sollte nicht nur die Investitionen senken, sondern auch ein einfaches Kommissionieren in den Gängen zwischen den drei Lagergassen ermöglichen.

„Wir haben mit mehreren Herstellern gesprochen und mussten feststellen, dass es die von uns gesuchte Lösung nicht gab“ erinnert sich der Diplom Kaufmann. „Die am Markt verfügbaren Anfahrhöhen lagen bei 80 cm. Das war mir zu viel“, betont Scheren.

Auch der Einbau spezieller RBGGassen mit tiefer liegendem Flur kam für Scheren nicht in Frage. Neben den höheren Baukosten hätte die Halle dadurch ihre Flexibilität für spätere Nutzungen eingebüsst. Als Logistikdienstleister kann Scheren schließlich nie wissen, wie lange er einen bestimmten Auftrag behält. Es folgten Verhandlungen um den günstigen Bau einer Sonderanfertigung, wobei sich der RBG-Anbieter Köttgen als besonders flexibel erwies.

Köttgen kannte Scheren schon aus früheren Projekten, da er bereits Regale für rund 70000 Palettenplätze beim Köttgen- Mutterkonzern Ohra gekauft hatte. Gemeinsam mit Köttgen entwickelte Scheren ein RBG mit einer Anfahrhöhe von nur 35 Zentimetern, die direkt auf dem ebenen Hallenboden montiert werden können. Mit den RBGs von Köttgen verfügte Scheren schließlich über die Basis für ein wirtschaftliches und flexibles Automatiklager.

Jedes der drei Geräte bedient zwei Regale über eine Länge von 78 Fächern. Dabei ergeben drei Gassen mit je neun Lagen und zwei quer hintereinander gelagerte Paletten pro Fach eine Kapazität von rund 8 400 Plätzen. Die unterste Lage ist dabei als Durchlaufregal ausgelegt, wodurch beim Kommissionieren der schelle Nachschub gesichert ist.

Die Anlage schafft im reinen Wareneingang bereits 30 Spiele. In Kombination mit dem Warenausgang lassen sich insgesamt 45 Spiele realisieren. Daraus ergeben sich 90 Paletten pro Stunde und Gang.

„Dabei gehen wir lediglich von zwei Paletten pro Spiel aus“, erklärt Scheren. Noch wesentlich höher steigt die Leistung, wenn pro Gang statt zwei Paletten vier Paletten auf einmal befördert werden. „In der Praxis erreichen wir 100 bis 120 Paletten pro Stunde“, bestätigt der Unternehmer.

In zehn Stunden kommt die Anlage somit auf 1000 Paletten pro Gasse, insgesamt können also 3000 Einheiten umge- schlagen werden. Im bisherigen Rekordmonat musste das Lager 32 000 Paletten bewegen.

„Das war im Januar 2007, zum hundertjährigen Jubiläum der Marke Persil“, erinnert sich Scheren. Ein normaler Monat erfordert 16 000 Bewegungen. Für derartige Leistungswerte muss nicht nur das Automatiklager, sondern auch die vor und nach gelagerten Stufen optimal zusammenarbeiten.

Das Konzept von Scheren sieht vor, dass jeder hereinkommende Lkw möglichst seitlich per Stapler abgeladen wird. Dabei werden bei jedem Spiel drei Paletten aufgenommen und direkt neben dem Fahrzeug abgestellt. Bis zur kompletten Entladung eines Lkw vergehen nur zehn Minuten.

Nach dem anschließenden Scannen aller Paletten erfolgt der Weitertransport an die Übergabestation des Automatiklagers. Hierbei werden von den Staplerfahrern jeweils zwei Paletten pro Spiel aufgenommen, so dass dieser Vorgang nach weiteren 15 Minuten abgeschlossen ist.

Nach dem Scannen der aufgenommenen Paletten wird den Staplerfahrern auf einem großen Fahrzeugdisplay die jeweilige Lagergasse angezeigt. Gesteuert wird die gesamte Anlage durch das Lagerverwaltungssystem Cassis von Jota.

Henkel AG & Co. KGaA, www.henkel.de
Scheren Logistik GmbH, E-Mail: info@scheren.de, www.scheren.de

Verwandte Beiträge

  1. • Logistik-Dienstleister: Versandlogistik mit RFID optimiert
  2. • Technik-Trend Logistik Dienstleister – JiT senkt Kosten
  3. • Effizient zu Waschmittel und Co
  4. • Für Mobilität in Lager und Logistik
  5. • Lager für Lebensmittel vergrößert – Logistik Dienstleistung von FIEGE

weitere Themen

Outsourcing

Illustration

Damit es bestens klappt

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann Outsourcing ein effizientes Instrument in der Logistik sein. Allerdings muss dabei einiges beachtet werden, wenn nichts schief gehen soll.
Weit oben auf der Liste der strategischen Optionen steht angesichts der andauernden Krise das Outsourcing von Logistikleistungen – aus guten Gründen: Bilanzverkürzung, Risikominimierung und Konzentration auf die Entwicklung des Kerngeschäfts [...]

Illustration

Auf den Hund gekommen

Die Tierfachhandels-Kette Fressnapf hat einen neuen Dienstleister. Das Besondere: In einer relativ kurzen Vorbereitungsphase definierten die Projektteams beider Unternehmen die notwendigen Prozesse sowie einen exakten Projekt plan.
Für die Abwicklung sowohl des kompletten Katalogshoppings als auch des neu installierten Online- Shoppings nutzt die erfolgreiche Tierfachhandels- Kette Fressnapf jetzt die BFS Fulfillment-Kompetenz insbesondere in den Bereichen Warehousing, [...]

Illustration

Pro und Contra: Die Sichtweise entscheidet

Outsourcen oder selber machen? – Vor dieser Frage stehen Jahr für Jahr wieder neue Unternehmen. Die Antwort hingegen ist eindeutig: Beides kann Sinn machen.
Pro Outsourcing

Geringere Kosten, schnellere Lieferzeiten
Jörn Peter Struck, Geschäftsführer CargoLine: Outsourcing ist keine Frage der Betriebsgröße oder Branche, sondern der Firmenphilosophie – und der Wettbewerbsfähigkeit. Natürlich kann ein Unternehmen alle Logistikabläufe selbst intern [...]

Illustration

Klasse statt Masse

Dallmayr setzt bei seinem Logistikdienstleister auf Exklusivität: Die Besonderheit der Logistiklösung besteht in der großen Komplexität des Auftrags, die strikte Handarbeit genauso erfordert wie hundertprozentig exakte und sichere Prozess-Steuerung.
Das traditionsreiche Münchener Delikatessen-Haus Dallmayr vertraut die Logistik für seinen exklusiven Geschenkversand für weitere fünf Jahre der Loxxess AG an. Das auf komplexe Outsourcing-Projekte spezialisierte Unternehmen erledigt [...]

Illustration

Mehr als nur lagern

Manchmal leisten Dienstleister mehr als bloße Logistikaufgaben. So etwa bei Albany Door Systems: Bei den Tore-Spezialisten wurden auch Aufgaben wie Konfektionierung und Vormontage fremd vergeben.
Albany baut sein Geschäft mit dem Transport- und Logistikdienstleister Wincanton weiter aus. Der kürzlich geschlossene Vertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren erstreckt sich über die Bereiche Produktionsentsorgung, Lagerung, Ersatzteillogistik [...]

Illustration

Gelungene Kombination

Enorme Vorteile für die Kunden: Beim Kfz-Flottenmanagement setzt ein Dienstleister auf die Kombination von Individualisierung und Standardisierung.Der Trend hin zu noch mehr Wirtschaftlichkeit fordert zunehmend von Unternehmen die Konzentration auf das Kerngeschäft. Immer bewusster wird die Suche nach Einsparungspotenzialen und immer stärker rücken dabei Randbereiche in den Fokus, wie das Flottenmanagement.
Und das zu recht, denn [...]

Synergien in Solar

Von ihrem Lieferantenlager bei Kassel aus versorgt ein Dienstleister das nahe gelegene, weltweit größte Werk für Solarwechselrichter der SMA Solar Technology AG. Dank dieser Kontraktlogistik- Lösung ist das Unternehmen in der Lage, sich auf eigenen Stärken zu konzentrieren.
In einer langfristigen Kooperation versorgen die Experten von DB Schenker als Kontraktlogistiker vom nahe gelegenen Kaufungen aus die [...]

Illustration

Massenware individuell konfigureren, mit Re-Customization Kosten sparen, Outsourcing mit LGI LOGISTICS GROUP INTERNATIONAL

Im Bereich Notebook Postponement von Toshiba leistet ein Logistikdienstleister weit mehr als nur Logistikaufgaben: Hier kommt das verkaufsfähige Verpacken der Notebooks einschließlich des Bereitstellens der länderspezifischen Ausstattung hinzu.
Um in der heutigen Zeit als Logistikdienstleister wettbewerbsfähig sein zu können, bedarf es wesentlich mehr als klassische Transport- und Lagertätigkeiten zu übernehmen. Ausgeklügelte, auf den Kunden zugeschnittene [...]

Illustration

Outsourcing: mehr Flexibilität bei der Produktion, verkürzte Durchlaufzeiten und Schonung der Ressourcen

Verkürzte Durchlaufzeiten, eine spürbare Ressourcenschonung sowie eine deutlich erhöhte Produktionsflexibilität – das erreichte Jungheinrich durch das Outsourcing eines Halbzeuglagers an einen Dienstleister.
Am Standort Norderstedt führt Jungheinrich zurzeit den in der Automobilindustrie gängigen Standard der Just-in-Sequence-Fertigung ein. Anwendung findet diese Belieferungsform meist bei Teilen, die je nach Konfiguration des zu bauenden Produkts stark variieren. Bei [...]

Anzeige

Suchen

Newsletteranmeldung