Pro und Contra: Pick-by-Voice versus Pick-by-Light
18.06.2009
Gerade beim Kommissionieren scheiden sich oft die Geister, ob eine Anlage eher mit Pick-by-Voice oder Pick-by-Light betrieben werden sollte. Auch wenn sie grundverschieden sind – Vorteile haben beide Arten.
VOICE
Sprachgestütztes Arbeiten ist laut Angaben von Frank W. Rissler, Regional Sales Manager Central and Eastern Europe bei Vocollect, weltweit auf dem Vormarsch, selbst in der aktuell schwierigen Zeit:
Frank W. Rissler, Regional Sales Manager Central and Eastern Europe bei Vocollect: „Kein Wunder, bieten Voice-Lösungen gegenüber anderen Pick-Systemen Vorteile, die sie in vielen Fällen zur attraktivsten Option machen. Speziell im Vergleich zu Pickby- Light punktet Voice durch Vielseitigkeit, leichte Anpassbarkeit und geringe Fehlerraten – und das bei ähnlichem bis gleichem Leistungsniveau. Das führt dazu, dass nicht nur bei der Mann-zur-Ware-Kommissionierung, sondern auch im Hochleistungsbereich mit 1 000 Picks pro Stunde – üblicherweise die Domäne von Ware-zum-Mann-Anlagen in Kombination mit Pick-by-Light – zunehmend auf Sprachtechnologie gesetzt wird.“
Flexibel und einfach skalierbar
„In letzter Zeit wenden sich etliche Unternehmen, vor allem in der Auftragslogistik, von der Kombination einer Mann-zur-Ware-Strategie mit lichtgeführter Kommissionierung wieder ab. Sie haben bemerkt, dass ein solches System nicht flexibel genug ist, um immer neue Anforderungen jederzeit optimal zu erfüllen“, so Rissler weiter, der auf 16 Jahre Erfahrung in der Auto-ID-Branche zurückgreifen kann: „Anpassungen sind zeit- und kostenintensiv, zum Teil auch gar nicht möglich. Dazu kommen bei einem Pick-by- Light-System meist nicht unerhebliche Kosten für Wartung und Instandhaltung.“
Voice rentiere sich dagegen schnell und nachhaltig. Eine Amortisationszeit unter einem Jahr ist die Regel. Und dank ihrer Flexibilität, ihrer einfachen, kostengünstigen Skalierbarkeit und ihrer Robustheit lässt sich Sprachtechnologie über viele Jahre hinweg ohne Abstriche und hohe laufende Kosten einsetzen. Egal welche Wechsel bei Produktart, Pickmethode oder Leistungsniveau zu bewältigen sind.
Nicht zuletzt auch die Vielseitigkeit hinsichtlich der Einsatzfelder – Voice ist zum Beispiel auch für Prozesse wie Entladung, Einlagerung, Nachschub und Inventur geeignet – macht eine Investition zukunftssicher. Anwender aus so unterschiedlichen Bereichen wie Handel, Logistik, Food-, Pharma- oder Automobilindustrie können das bestätigen.
Produktiv und genau
Dass Voice bei Produktivität und Fehlerfreiheit überzeugt, liegt vor allem daran, dass Arbeitskräfte Blick und Hände frei haben und nicht durch Lampen, Displays, Tastaturen oder Geräte abgelenkt werden. Sie können sich stärker auf die eigentlichen Aufgaben konzentrieren und so schneller und gezielter arbeiten. Nebenbei können sie die Umgebung besser im Auge behalten als bei anderen manuellen Picksystemen.
Das Risiko von Unfällen oder Remplern sinkt. Zusätzlich reduziert wird die Fehlerrate, weil Informationen nicht nur empfangen, sondern auch zurückgegeben werden. Durch einfaches Vorlesen können Mitarbeiter außer Kennungen, Mengen und Gewichten auch Mindesthaltbarkeitsdaten an das System kommunizieren. Auf diese Weise ist eine effiziente laufende Kontrolle und sofortige Fehlerkorrektur möglich, ebenso eine permanente Inventur. Bei Mindermengen lassen sich Nachschubprozesse anstoßen. Berechnungsfunktionen unterstützen den Mitarbeiter etwa bei der Gewichtskalkulation.
Hohe Mitarbeiterzufriedenheit
Bei der bekannt hohen Fluktuationsrate im Bereich Lager ist es wichtig, dass sich Mitarbeiter sehr schnell einarbeiten lassen. Bei Voice-Lösungen wird in nur etwa 30 Minuten ein so genanntes Sprachprofil vom Mitarbeiter angelegt. Das System erkennt anschließend schnell, akkurat und auch unter widrigsten Umständen alle arbeitsrelevanten Äußerungen von ihm, unabhängig von Akzent, Dialekt und Sprache.
Die Erfahrung zeigt, dass Mitarbeiter mit einer fast 100-prozentigen Produktivität starten und nach kurzer Zeit die neue Technologie nicht mehr missen mögen. Die Einführung von Sprachtechnologie erfordert nicht immer gleich einen kompletten Systemwechsel. Viele Unternehmen, die ihre Pick-by- Light-Lösung nicht ersetzen wollen, setzen Voice zunächst um die Applikation herum ein. So profitieren sie zumindest partiell von den Vorteilen sprachgestützten Arbeitens und sind perfekt vorbereitet, wenn auch beim Picken ein Systemwechsel ansteht.
LIGHT
Das Licht-gesteuerte Kommissionieren bewährt sich laut Michael Weiser, Vertriebsleiter des Pick-by-Light- Anbieters KBS seit Jahren z.B. in der Logistik zur Kommissionierung von Kleinteilen oder in der Produktion zur Materialbereitstellung:
Michael Weiser, Vertriebsleiter bei der KBS Industrieelektronik GmbH: „Zur Bearbeitung der Kommissionieraufträge werden weder Papierbelege noch separate Datenerfassungsgeräte benötigt. Fehlgriffe werden zu nahezu 100 % eliminiert. Der Kommissionierer wird über eine weithin sichtbare Blickfangleuchte zum richtigen Fach geführt. Direkt am Fach wird über eine Mengenanzeige die Anzahl der zu entnehmenden Artikel angezeigt. Durch das Quittieren der Entnahme wird der Pickvorgang direkt im LVS verbucht, und das System zeigt dem Mitarbeiter, wo der nächste „Pick“ zu tätigen ist. „
Schritt für Schritt werde er so geführt, bis der Kommissionierauftrag vollständig erledigt ist. Die Waren können direkt in Versand-Verpackungen kommissioniert werden und stehen damit sofort zum Versand bereit. Das System zeichnet jede Warenentnahme auf und meldet die Daten wie z.B. Bestandsänderung in Echtzeit an das Lagerverwaltungssystem zurück.
Bei Pick-by-Light werden keine Auftrags- und Kommissionierpapiere mitgeführt, so dass sich die Mitarbeiter auf die Pick-Tätigkeit konzentrieren können. Sie haben beide Hände frei und verlieren keine Zeit für das Suchen von Auftragspositionen oder das Lesen oder Abhaken von Belegen. Für eine effiziente Kommissionierung müssen die LED-Anzeigen im Sichtfeld des Bedieners sein.
Kommissionierzonen mit einem oder zwei Bedienern werden gebildet, Laufwege werden hiermit stark verkürzt. Durch die Anpassung bzw. Umstrukturierung der Lagerfläche kann sich das Personal viel besser konzentrieren und bis zu 1 000 Kommissioniervorgänge pro Stunde erreichen, bei Fehlerquoten im Promillebereich.
Bis 100 % Leistungssteigerung
Bei einer Lagermodernisierung kann der Warendurchsatz eines Kommissionierlagers durch den Einsatz von Pick-by-Light um 100 % gesteigert werden. So geschehen bei Biologische Heilmittel Heel, einem Hersteller homöopathischer Komplexmittel. Diese Steigerung gelang trotz gleichbleibender Fläche und mit einer vergleichbaren Personalstärke. Vertriebsleiter Weiser betont den hohen wirtschaftlichen Nutzwert:
„Der Warenfluss wird durch das lichtgesteuerte Kommissionieren beschleunigt, weil Zeiten für z.B. das Lesen der Kommissionierliste oder das Suchen des korrekten Artikels komplett entfallen. Durch die Vermeidung von Fehlgriffen entfallen Falschlieferungen. Damit sinkt die Zahl der Retouren, und die Kundenzufriedenheit wächst deutlich an.“
Häufig amortisieren sich die auf den ersten Blick hohen Investitionskosten für ein Pick-by-Light-System schon innerhalb eines Jahres.
Flexibler Personaleinsatz
Für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter wird nur noch sehr wenig Zeit benötigt. „10 Minuten reichen aus, um einem neuen Mitarbeiter die Arbeitsweise der PbL-Technik zu erklärtren“, erläutert Stefan Schies, Logistikleiter bei Straumann GmbH, nachdem er 2008 erfolgreich eine neue PbL-Anlage in Betrieb genommen hat.
Somit wird Einsatz von Saisonkräften bei stark schwankendem Auftragseingang deutlich erleichtert. Schnelldrehende Artikel, die heute noch viel Lagerplatz benötigen, können schon morgen wieder weniger stark gefragt sein. Aus diesem Grund wurde von KBS das System PickTerm- Flexible entwickelt:
Die Anzeigemodule lassen sich auf ein Trägerprofil aufschnappen und werden über eine Kontaktleiste mit Energie und Signalen versorgt. Die einzelnen Module können bei Bedarf an anderer Stelle platziert werden. Eine solche Aktion kann sogar im laufenden Betrieb durchgeführt werden, ohne dass eine aktive Position verloren geht. Darüber hinaus bietet das System noch viele weitere Besonderheiten wie die siebenfarbige Blickfangleuchte oder einen kontinuierlichen Selbsttest der Module.
Multi order-Picking
Nicht nur an Durchlauf- oder Fachbodenregalen lassen sich die Anzeigenmodule einsetzen, sondern auch an Kommissionierfahrzeugen. „Die Möglichkeiten der PbL-Kommissionierung sind noch lange nicht ausgereizt“, so Weiser. „Das zeigt uns die aktuell starke Nachfrage nach Sonderlösungen wie z.B. Pick-by-Light auf Flurförderzeugen, welche mehrere Kundenaufträge gleichzeitig kommissionieren, oder dem Einsatz von PbL an Montage-Arbeitsplätzen“.
KBS Industrieelektronik GmbH, www.kbs-gmbh.de
Vocollect Europe, E-Mail: voc_emea@vocollect.com, www.vocollect.com
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