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Transparenz gegen Lieferengpässe

Für Unternehmen geht es bei der Störung von Lieferketten letztlich um ihre wirtschaftliche Existenz. Gefährdung von Leben? Dieser Aspekt spielt in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Dabei funktioniert das Lieferkettenmanagement in der kritischen Infrastruktur ähnlich wie das in Unternehmen. Transparenz ist daher essenziell, um präzise zu planen und Lieferketten in Echtzeit überwachen zu können. Softwarelösungen für das Supply Chain Management leisten hier wertvolle Unterstützung.

Softwarelösungen wie Biss/Caigo helfen dabei, Lieferketten in Echtzeit zu überwachen. © BISS

Just-in-time-Produktion, Digitalisierung und globale Handelsabkommen sorgen für reduzierte Lagerkosten und reibungslose Abläufe. Die vergangenen Jahre haben allerdings schmerzhaft gezeigt: Maximale Effizienz hat ihren Preis, Liefernetzwerke werden anfälliger für Störungen: Der Krieg in der Ukraine, der Einsturz einer Brücke im Hafen Baltimores oder die neu eingeführten Zölle der US-Regierung hatten und haben massive Auswirkungen auf die globalen Liefernetzwerke und die Verfügbarkeit von Waren und legen die Fragilität internationaler Lieferketten offen. Der russische Angriffskrieg hat beispielsweise die Exporte von Getreide erheblich beeinträchtigt, Engpässe und steigende Preise waren die Folge. Besonders gravierend sind die Auswirkungen all solcher Störungen in den Liefernetzwerken der kritischen Infrastruktur.

Engpässen bei Medikamenten durch Transparenz entgegenwirken

Statt Effizienz ist hier deshalb vor allem Transparenz entscheidend, besonders in Krisenzeiten. „Ist Transparenz innerhalb der komplexen Liefernetzwerke gegeben, sind eine präzise Bedarfsplanung, die Echtzeit-Überwachung der Lieferketten und die Diversifikation von Lieferanten und Transportwegen möglich und entscheidend“, erklärt Markus Schnüpke, einer der Geschäftsführer von BISS. Das Unternehmen hat eine cloudbasierte Software für das Supply Chain Management in globalen Lieferketten entwickelt. Schnüpke und sein Team wissen daher um die Herausforderungen, die sich in Liefernetzwerken stellen und wie Unternehmen diesen begegnen können. Beim Lieferketten­management in der kritischen Infrastruktur sieht Schnüpke
besonderen Aufholbedarf – weil diesem Sektor eben eine besondere Verantwortung für die Bevölkerung zukommt.

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Wie gravierend die Auswirkungen von Versorgungsengpässen in der kritischen Infrastruktur sein können, zeigte sich bereits oft in der Vergangenheit. Der Winter 2022/2023 dürfte etlichen Eltern noch in schlechter Erinnerung sein, weil sie von Apotheke zu Apotheke fuhren, um für ihre kranken Kinder den verschriebenen Antibiotikasaft zu bekommen. Im Winter darauf stellte sich die Situation ähnlich dar, auch in der vergangenen Erkältungssaison gab es Engpässe. Massiv betroffen sind Generika: Laut Pro Generika e.V. sind vier von fünf verschriebenen Medikamenten generisch, also ein Nachahmerprodukt. Hersteller beziehen das Gros der Wirkstoffe für Generika aus Kostengründen aus Asien und haben sich über Jahrzehnte hinweg so abhängig von diesem Markt gemacht. „Strengere regulatorische Anforderungen an die asiatischen Produzenten führten zu Schließungen mehrerer Produktionsstätten und letztlich zu Engpässen bei essenziellen Medikamenten, zum Beispiel bei Statinen zur Cholesterinsenkung und bei Schmerzmitteln“, weiß Dr. Jan Mazac, ebenfalls Geschäftsführer von BISS.

Potenzielle Störungen frühzeitig erkennen

Um solchen Engpässen und möglichen gesundheitlichen Risiken für betroffene Menschen entgegenzuwirken, ist der Einsatz moderner Technologien entscheidend. „Moderne Lösungen ermöglichen eine frühzeitige Erkennung potenzieller Störungen und eine schnelle Reaktion darauf“, erklärt Mazac. Durch den Einsatz von Predictive Analytics zum Beispiel lassen sich potenzielle Engpässe vorhersagen und frühzeitig alternative Beschaffungsstrategien entwickeln. Entscheidend ist hierbei die Analyse aller Daten in Echtzeit, um Risiken mit ausreichend Vorlauf erkennen und sie abwenden zu können. Die Lösung Biss/Caigo zum Beispiel bietet eine integrierte Plattform für die Echtzeit-Datenanalyse und Datenvisualisierung. „Das erlaubt Entscheidungsträgern, den Status der Lieferkette kontinuierlich zu überwachen und bei potenziellen Engpässen alternative Lösungen zu entwickeln“, so Schnüpke. Dabei spielt auch die kontinuierliche Überwachung der IT-Systeme eine wichtige Rolle. Die eingesetzte Software sollte über integrierte Sicherheitsfunktionen verfügen, um das Unternehmen vor Cyberangriffen zu schützen.

Durchspielen von Was-wäre-wenn-Szenarien

Um die Versorgungs- und Cybersicherheit in der kritischen Infrastruktur gewährleisten zu können, sollten Unternehmen daher auf die Unterstützung einer Supply-Chain-Management-Software zurückgreifen, die über Module zu Transport­koordination, Lagerbestandsmonitoring, Sicherheitsmonitoring-Module, dynamische Bedarfsprognosen und Predictive Analytics verfügt. Mit integrierten Modulen zur Transportkoordina­tion kann eine Software bei Bedarf alternative Routen vorschlagen, um die Versorgung sicherzustellen. Simulationsfunktionen erlauben hier das Durchspielen von Was-wäre-wenn-Szenarien. Das Monitoring der Lagerbestände ist für die kontinuierliche Übersicht über die verfügbaren Ressourcen wichtig und unterstützt – in Zusammenspiel mit der Bedarfsprognose – zudem bei der Priorisierung von Lieferungen. Das Sicherheitsmonitoring erkennt verdächtige Aktivitäten wie unberechtigte Zugriffe von außen in Echtzeit und schützt somit die Integrität der Lieferketten.

Die dynamischen Bedarfsprognosen sollten auf aktuellen Daten aus möglichst vielen Quellen basieren, um ein valides Bild zeichnen zu können. Auch für die Anwendung von Predictive Analytics ist die Integration verschiedener Datenquellen entscheidend, um zum Beispiel politische Instabilitäten oder potenzielle Cyberangriffe frühzeitig erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten zu können. „Wichtige Datenquellen sind interne Unternehmensdaten, externe Marktinformationen, Wetterdaten, politische Analysen, Echtzeit-Transportdaten und Bedrohungsdatenbanken, um ein umfassendes Lagebild zu erhalten“, so Schnüpke. Die eingesetzte Software sollte all diese Quellen und bei Bedarf auch Informationsquellen von externen Datenprovidern nahtlos einbinden können. „Gerade für die kritische Infrastruktur ist zusätzlich wichtig, dass die Software über standardisierte Schnittstellen auch an die bestehenden Systeme von Behörden und Versorgungsdienstleistern angebunden werden kann, um die Zusammenarbeit insbesondere in Krisensituationen zu fördern“, betont Mazac.

Der Nutzen solcher Lösungen ist messbar: Biss/Caigo zum Beispiel wurde bereits zur sicheren Steuerung von Lieferketten kritischer Infrastrukturen verwendet, um unterbrechungsfreie Versorgungsketten in Krisensituationen sicherzustellen. „Zentrale Komponenten waren die Echtzeitdatenanalyse und die prädiktive Risikoerkennung“, erklärt Mazac. Zusätzlich wurden Sicherheitsfunktionen implementiert, die sowohl physische als auch digitale Risiken adressieren. Dabei zeigte sich, dass die Reaktionszeiten um 30 Prozent und die Verluste durch ablaufende Produkte um 25 Prozent gesenkt sowie die Versorgungstreue um 20 Prozent gesteigert werden konnten.

Klassische Effizienzstrategien im Lieferkettenmanagement – etwa Just-in-time-Produktion – stoßen angesichts globaler Krisen zunehmend an ihre Grenzen und bedingen Schwachstellen in der Versorgungssicherheit. Besonders in der kritischen Infrastruktur wie dem Gesundheitswesen können Störungen in den Lieferketten gravierende Folgen haben, die über wirtschaftliche Schäden hinausgehen und Menschenleben gefährden. Um dem entgegenzuwirken, ist ein Paradigmenwechsel unabdingbar: Anstelle von maximaler Effizienz muss nun Transparenz im Fokus stehen. Moderne, datenbasierte Softwarelösungen ermöglichen es, Risiken frühzeitig zu erkennen, Bedarfe präzise zu planen und die Versorgung auch in Krisenzeiten aufrechtzuerhalten. Der Einsatz intelligenter Technologien – von Predictive Analytics bis hin zu erweiterten Sicherheitsfunktionen – macht Lieferketten nicht nur robuster, sondern auch zukunftsfähig.

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