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Artikel und Hintergründe zum Thema

Modernisierung

Frank Thelen, Head of Governance and Procurement, Thyssenkrupp Materials Services / dsc,

Nachhaltige Lieferketten: Einsparpotenziale mit KI

Schon geringe Verzögerungen im Materialfluss können Produktionen in die Knie zwingen und so komplexe Lieferketten beeinträchtigen. In der Konsequenz leiden Versorgungssicherheit und Liefertreue darunter. Das ist nicht nur kostspielig, sondern auch nicht nachhaltig. Abhilfe schaffen KI-basierte Lösungen für das Supply Chain Management, die nachhaltigere Lieferketten und effizientere Prozesse begünstigen.

Um ebenso nachhaltig wie effizient zu funktionieren, muss die Materialbedarfsplanung digitalisiert werden. © Thyssenkrupp Materials Services

Ob bei der Lieferung an Kunden oder im Materialfluss: Lieferprozesse müssen reibungslos funktionieren, um die hochkomplexen Lieferketten der globalisierten Welt aufrechtzuerhalten. Ebenso wichtig ist es, die dabei entstehenden Treibhausgasemissionen so gering wie möglich zu halten. In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass Unternehmen ähnlich wie beim Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz – das ihnen die Sorgfaltspflicht für ihre gesamten Lieferketten zurückspielt – auch die Emissionen, die über die Lieferkette hinweg entstehen, mitverantworten. Scope-2- und Scope-3-Emissionen, die bei der Energieerzeugung respektive über die Lieferkette hinweg anfallen, fließen somit in den CO2-Fußabdruck eines Unternehmens. Diesen gilt es zu reduzieren, doch ist das leichter gesagt als getan. Für die Umsetzung fehlt vielen Unternehmen schlicht die Einsicht in die entsprechenden Daten. Nach einem Digitalisierungsboom, der sicherlich auch der Coronapandemie zuzuschreiben ist, stagnierte die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft zuletzt jedoch (Deutsches Institut für Wirtschaft, 2022). Dabei ist sie eine Grundvoraussetzung für mehr Nachhaltigkeit sowie nachhaltiges Unternehmenswachstum.

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Digitalisierung als Treiber für mehr Nachhaltigkeit

Fehlkalkulationen in der Materialbedarfsplanung sind nicht nur ineffizient, Leerfahrten sowie weitere dadurch entstehende zusätzliche Aufwände sind häufig auch emissionsintensiv. Eine reibungslose Disposition ist darum eine der Grundvoraussetzungen für Nachhaltigkeit und Erfolg. Da diese Aufgabe zunehmend komplexer wird, ist sie ohne intelligente digitale Lösungen kaum noch zu bewältigen. Das bedeutet, dass Unternehmen zunächst ihre Prozesse digitalisieren sollten, um transparenteren Einblick in die eigenen Daten zu erlangen – erst daraus gehen viele Emissionseinsparpotenziale hervor. Davon, dass das in deutschen Unternehmen noch nicht flächendeckend gegeben ist, können viele Arbeitnehmende ein Lied singen – obgleich das zunächst nur die Einrichtungen betrifft, die direkt zum Unternehmen gehören. Echte Nachhaltigkeit endet jedoch nicht an den Werkstoren.

Frank Thelen, Head of Governance and Procurement bei Thyssenkrupp Materials Services. © Thyssenkrupp Materials Services

Nachhaltigkeit, die darüber hinausgeht, lässt sich nur mit Digitalisierung erreichen. Neben ihren eigenen Prozessen sollten Unternehmen auch ihre Lieferketten digitalisieren. Aufgrund der Komplexität der modernen Supply Chains, die viel eher engmaschigen Liefernetzwerken gleichen, eignen sich Tools mit integrierter künstlicher Intelligenz (KI) dafür besonders. Sie können alle Datenpunkte miteinbeziehen, wechselseitige Abhängigkeiten aufdecken und der Disposition hochakkurate Prognosen zur Verfügung stellen. Im Zuge ihrer "Materials as a Service"-Strategie, zu der auch die Unterstützung von Kunden beim Erreichen ihrer Klimaziele gehört, entwickelt Thyssenkrupp Materials Services Lösungen zur Digitalisierung von Materialfluss und Lieferketten. Die KI-basierte Software Pacemaker ist eine davon.

"Talk data to me"

Insbesondere Branchen wie die Luft- und Raumfahrt sowie die Automobilindustrie sind bekannt für ihre komplexen, globalen Liefernetzwerke. Kleinste Ausfälle oder Engpässe sowie latente Risiken wie der Bullwhip-Effekt müssen stets mitgedacht werden, um die Lieferfähigkeit zu erhalten. KI-basierte Supply Chain Management Softwares wie Pacemaker können Produktionsdaten, Vergangenheitswerte, Nachfrageprognosen und Marktdaten in ihre Berechnungen miteinbeziehen. Das Ergebnis sind hochakkurate Prognosen, die ohne KI-Support nicht möglich wären. Das verschafft der Disposition einen enormen zeitlichen Vorsprung, den sie nutzen kann, um etwaige Notfälle rechtzeitig zu erkennen und die Bedarfsplanung wo immer nötig anzupassen. Fehllieferungen können so vermieden, Bestands- und Lagerkosten reduziert und die Anzahl an Transporten verringert werden. Ein weiterer Vorteil von KI-Lösungen ist, dass sie die täglichen Daten und Berechnungen nutzen können, um noch akkurater zu prognostizieren – das Einsparpotenzial ist also nicht gedeckelt.

Auch Lösungen wie Emissionsrechner sind wichtige Hilfsmittel auf dem Weg zu nachhaltigeren Unternehmensaktivitäten. Einige von ihnen, wie etwa der von Thyssenkrupp Materials Services eingeführte Product Carbon Footprint Calculator, können Daten für alle mit einem Produkt verbundenen Emissionen berechnen – ganz gleich, an welcher Stelle der Lieferkette sie entstehen. Dafür nutzt der Rechner neben Lieferanten- und Materialdaten auch solche zu Lagerstandorten sowie An- und Ablieferungen. Viele Unternehmen erhalten damit zum ersten Mal transparenten Einblick in die Gesamtheit der Emissionsdaten, die sie mitverantworten. Und schließlich lassen sich nur Emissionen reduzieren, die einem bekannt sind.

Auf dem Weg zur Netto-Null

Mit dem Einsatz von KI-basierter Lieferketten-Software sowie Emissionsrechnern gewinnen Unternehmen ein völlig neues Level an Datentransparenz. Doch reichen digitalisierte Prozesse und Lieferketten aus, um Unternehmen zur Klimaneutralität zu führen?

Bei all ihren Vorteilen kann die Digitalisierung Emissionen nicht einfach auf null setzen. Sie schafft eine akkurate und gepflegte Datenbasis, die für Entscheidungen herangezogen werden kann. Auf dieser Basis ist es möglich, die Maßnahmen zur Emissionsreduzierung zu planen, umzusetzen und nachzuverfolgen. Ein Teil der Emissionen ist bereits heute vermeidbar, zum Beispiel durch die Umstellung auf Energie aus erneuerbaren Quellen, für andere müssen noch technische Lösungen entwickelt werden. Bestimmte Emissionen werden aber auch weiterhin unvermeidbar anfallen. Hierfür bietet Materials Services bereits heute eine Lösung an: Voluntary Carbon Credits. Durch hochwertige, geprüfte Maßnahmen wird beispielsweise CO2 der Erdatmosphäre wieder entzogen.

Die Verbreitung von künstlicher Intelligenz in immer mehr Lebensbereichen wird voraussichtlich einen Innovationsboom mit sich bringen. Es ist wahrscheinlich, dass damit in den kommenden Jahren weitere Einsparpotenziale gehoben werden können. Dabei ist die Sorge, die KI könne Menschen aus der Arbeitswelt verdrängen, unbegründet: Menschen werden auch künftig die Richtung vorgeben. Klares Idealbild ist also nicht eine Industrie ohne Menschen, sondern ein harmonisches Zusammenspiel von Mensch und Maschine.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 7/23

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