Automatisierungsplattform
Intralogistik automatisieren: eine Frage der Orchestrierung
Intralogistik ist ein komplexes Zusammenspiel aus Transportmitteln, digitalen Steuerungsebenen und dynamischen Prozessen. In diesem Umfeld reicht Automatisierung allein oft nicht mehr aus. Gefragt ist eine ganzheitliche Orchestrierung, die Systeme unterschiedlicher Hersteller integriert, skaliert und dabei Prozesssicherheit gewährleistet. Ein Beispiel aus der Praxis: die Noerpel-Gruppe. Seit mehr als 140 Jahren bietet Noerpel Lösungen im Transport- und Logistikbereich an. Der Standort Giengen I setzt auf die Automatisierungsplattform Anyfleet von Idealworks .
Der Standort Giengen I ist ein zentrales Logistikdrehkreuz innerhalb der Noerpel-Gruppe. Täglich werden auf einer Lagerfläche von 50.000 Quadratmetern und einer Hallenlänge von knapp 500 Metern mehrere tausend Packstücke bewegt – in Prozessen, die sich je nach Kundenanforderung, Sendungsstruktur oder saisonaler Auslastung verändern. Vor diesem Hintergrund entschloss sich Noerpel, die Floor-to-Floor-Transporte mit mobilen Robotern zu automatisieren. Dabei wurde schnell klar: Damit sich Automatisierung im großflächigen und dynamischen Lagerbetrieb optimal entfalten kann, braucht es eine Lösung, die über die reine Ansteuerung einzelner Systeme hinausgeht – eine zentrale Steuerungsebene, die alle Komponenten effizient miteinander verbindet.
Die Lösung: eine Plattform, viele Möglichkeiten
Die Wahl fiel auf Anyfleet, die Automatisierungsplattform des Technologieunternehmens Idealworks aus München. Ein Vorteil der Lösung: Anyfleet ist herstellerunabhängig, cloudbasiert und modular aufgebaut. Sie verbindet Roboter, Sensoren, IoT-Geräte sowie übergeordnete Systeme wie WMS oder TMS auf einer zentralen Steuerungsebene. Als aktives Mitglied im VDA-5050-Kernteam gestaltet Idealworks aktiv die Richtlinie mit und stellt zudem sicher, dass Anyfleet immer auf dem neuesten Stand interoperabler Kommunikation bleibt. Genau diese Interoperabilität war ein zentrales Auswahlkriterium: Die Plattform unterstützt die VDA-5050-Richtlinie und ermöglicht so die nahtlose Integration unterschiedlichster Fahrzeugtypen – auch zukünftiger Generationen – ohne tiefgreifende Anpassungen der Systemarchitektur. Auch die strategische Skalierbarkeit war ausschlaggebend: Die Lösung lässt sich effizient auf weitere Standorte übertragen – ein Vorteil für eine langfristige, konsistente Automatisierungsstrategie.
Plattformarchitektur: interoperabel und skalierbar
Herzstück des Systems ist die zentrale Orchestrierung. Transportaufträge werden automatisiert generiert, an Fahrzeuge verteilt und bei Bedarf aus dem WMS übernommen. Die Plattform berücksichtigt dabei in Echtzeit Faktoren wie Fahrzeugverfügbarkeit, Akkustand, Verkehrsaufkommen oder priorisierte Zonen. Dank zonengestütztem Routing lassen sich definierte Lagerbereiche individuell steuern – inklusive Übergabepunkten an manuelle Prozesse wie Routenzüge oder Stapler. Die Kommunikation erfolgt vollständig VDA-5050-konform, was nicht nur herstellerunabhängige Fahrzeugflotten ermöglicht, sondern auch die Einbindung zukünftiger Technologien wie frei navigierender Fahrzeuge oder intelligenter Ladepunkte.
„Die hohe Flexibilität der Zonensteuerung bei Anpassungen im Lager ermöglicht es uns, mit Anyfleet selbstständig und ohne umfangreiche externe Unterstützung Anpassungen vorzunehmen. So können wir schnell auf Änderungen in den Lauf- und Fahrwegen reagieren“, sagt Stefan Wuggazer, Niederlassungsleiter, Noerpel Giengen I.
Effizienz im laufenden Betrieb
Seit der Inbetriebnahme übernehmen mobile Roboter zuverlässig Transporte zwischen Wareneingang, Kommissionierung, Verpackung und Versand. Die Plattform sorgt dabei für vollständige Transparenz: Über ein browserbasiertes Dashboard erhalten Mitarbeitende in Echtzeit Einblick in Flottenstatus, Auftragsfortschritt und potenzielle Engpässe.
Manuelle Eingriffe sind die Ausnahme – das System erkennt Überlastungen frühzeitig, plant flexibel um, verteilt Aufträge dynamisch neu und visualisiert alle relevanten Datenpunkte. Dazu gehören unter anderem Fahrzeugmetriken wie Auslastung, Ladezyklen oder Fehlerhäufigkeiten, aber auch Kennzahlen wie Durchlaufzeiten, Leerfahrten oder Auslastungsgrade einzelner Prozesspfade. Diese Daten fließen direkt in kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP) ein und helfen, Bottlenecks frühzeitig zu identifizieren.
Die Vorteile der Lösung auf einen Blick
Die Plattformlösung bietet mehrere Vorteile für Unternehmen mit komplexen Intralogistikprozessen:
• Herstellerunabhängigkeit: Dank VDA 5050 bleibt das System offen für künftige Fahrzeug- oder Technologieanbieter
• Standardisierung: Eine Plattform für alle Transportmittel reduziert Komplexität, Schulungsaufwand und Fehleranfälligkeit
• Skalierbarkeit: Neue Fahrzeuge, Routen, Prozesspfade, Peripheriegeräte und IoT lassen sich flexibel integrieren – durch reine Konfiguration, ohne zusätzliche Programmierung
• Transparenz und Steuerbarkeit: Echtzeitdaten schaffen Planungssicherheit und ermöglichen proaktive Steuerung
• Zukunftssicherheit: Die Plattform ist bereits auf kommende VDA-5050-Versionen und auf neue Robotiklösungen vorbereitet
Möglicher Startpunkt weiterer Projekte
Der Betrieb von Anyfleet am Standort Giengen I bildet den ersten Meilenstein innerhalb einer langfristig angelegten Automatisierungsstrategie. Insbesondere die Möglichkeit, bewährte Setups an weiteren Standorten mit angepassten Parametern auszurollen, unterstützt die stringente Digitalstrategie von Noerpel und ermöglicht Synergieeffekte. Die zentrale Automatisierungslösung fungiert dabei nicht nur als technisches Interface, sondern als Rückgrat einer wandlungsfähigen Intralogistik.










