Ressourcenschonende Intralogistik
Datenbasiert planen für mehr Effizienz
Viele Unternehmen könnten in der fertigungsnahen Intralogistik mit datengestützten Optimierungen deutliche Effizienzgewinne realisieren und somit ressourcenschonender agieren. Möglich wird das unter anderem durch zeitsparende Materialflüsse und eine höhere Produktivität. Ausgangspunkt dafür ist eine intelligente Prozessplanung. Das Softwareunternehmen MHP bietet Lösungsansätze.
Mehr Unsicherheit in den Supply Chains und häufig kundenseitig verschobene Aufträge erhöhen den Aufwand für Unternehmen, innerbetriebliche Abläufe und die dazu benötigten Materialien sowie Ressourcen aufeinander abzustimmen. Der manuelle Steuerungsaufwand in allen Prozessen steigt deutlich an. Viele Unternehmen begegnen dieser Herausforderung durch stärkere Automatisierung. Wesentliche Hilfsmittel dabei sind Künstliche Intelligenz (KI), IoT-gestützte Devices für eine bessere Sendungsnachverfolgung sowie digitale Zwillinge. Insbesondere in der DACH-Region besteht hier allerdings erheblicher Nachholbedarf. Dies belegt eindrücklich das "Industrie 4.0 Barometer 2024", eine gemeinsame Studie von MHP und der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Die Gründe für diese technologische Stagnation sind vielfältig: Sie reichen von dem bestehenden Fachkräftemangel bis hin zur Sorge über eine zu geringe technische Reife der Lösungen. Prinzipiell haben jedoch viele Unternehmen die aktuellen Herausforderungen erkannt und investieren verstärkt in die Digitalisierung ihrer Abläufe. Zuletzt war dabei die Absicherung der Lieferketten das wichtigste Anliegen. Nachdem viele Unternehmen dort erste Fortschritte vorweisen können, rücken sie unter anderem ihre fertigungsnahen, intralogistischen Abläufe und eine verbesserte Materialflussplanung ins Blickfeld.
Effizienter und ressourcenschonender Materialfluss
Gerade hier bestehen oft erhebliche Optimierungs- und Einsparpotenziale. Abhängig von Branche und Ausgangssituation werden in diesem Bereich Kostensenkungsmöglichkeiten von bis zu 10 Prozent ausgemacht – vor allem durch kürzere und effizientere Materialflüsse, die dabei helfen, Leerzeiten an Montagestationen und Maschinen zu minimieren, Kapitalbindungskosten zu senken und Produktionsabläufe zu beschleunigen.
Bedingung dafür ist eine systematische, datenbasierte Planung. Doch gerade hier bestehen oft Defizite: So planen viele Unternehmen auch heute noch ihre Intralogistik vor allem basierend auf Erfahrungen aus vergangenen Projekten und dem Know-how der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: ein langwieriges, iteratives und prinzipiell fehleranfälliges Vorgehen – insbesondere, wenn sich die Rahmenbedingungen der Produktion durch neue Produkte und Varianten häufiger ändern.
Digitale Zwillinge für den Überblick
Abhilfe schaffen hier intelligente Planungstools. Ausgangspunkt dieser Systeme ist üblicherweise ein digitaler Zwilling: Dieser bildet die reale Umgebung der Intralogistik digital und mathematisch ab und erfasst dabei alle bestehenden Abläufe samt zugehöriger Kosten. Dazu übernimmt er Daten aus verschiedenen Quellen – etwa vom unternehmenseigenen SAP – sowie dem Product-Lifecycle-Management-System. Aufbauend auf diesen Daten analysieren die mit dem digitalen Zwilling verbundenen Algorithmen den Ist-Zustand. Das System kann dadurch für jeden Prozessschritt und für jede Einzelkomponente, die zu oder auf einer Montagelinie bewegt wird, automatisch die zugehörigen Kosten ermitteln. Vor allem bei Unternehmen, die tausende Einzelkomponenten in der Materialflussplanung berücksichtigen, ist diese automatisierte Zuordnung ein wichtiger Wettbewerbsfaktor – denn nur ausreichend Transparenz ermöglicht gezielte Verbesserungen.
Ein Co-Pilot für die Planung
Nun sind digitale Zwillinge prinzipiell nichts Neues. Der stationäre Handel nutzt diese zum Beispiel schon länger, um Verkaufsflächen zu optimieren und innerbetriebliche Transportwege zu verkürzen. Gerade für die fertigungsbezogene Intralogistik gab es bisher jedoch kaum Lösungen am Markt. Die erstmalig auf der LogiMAT vorgestellte SaaS-Lösung Supply_it von MHP in Zusammenarbeit mit Porsche Consulting soll diese Lücke schließen: Es unterstützt Planerinnen und Planer gezielt mit dem im System hinterlegten Co-Piloten. Dieser visualisiert leicht nachvollziehbar die bestehende Kostenstruktur der Intralogistik und unterbreitet proaktiv Vorschläge, wie und wo Unternehmen über ihre Materialflussplanung die größten Einsparungen und Zeitgewinne realisieren können. Die hinterlegte Logik sucht dafür unter anderem automatisch nach dem kostengünstigsten Prozess unter Berücksichtigung der Transportwege. Zusätzlich benennt sie unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten, in der die Produktion Einzelkomponenten möglichst effizient verbauen kann. Dabei berücksichtigt die Logik auch bestehende Restriktionen, zum Beispiel Kapazitätsgrenzen der verwendeten Transportsysteme oder Lagerflächen.
Ergänzend bietet die Cloud-Lösung hilfreiche Simulationstools: Möchte ein Unternehmen seine Prozesse anpassen, berechnet die Supply_it-Logik die damit einhergehenden Auswirkungen – auch für verschiedene Szenarien. Dadurch reduzieren Unternehmen das Risiko, ineffiziente Abläufe einzuführen, und die Gefahr von Fehlplanungen. Ganz konkret belegen unsere praktischen Erfahrungen, das den Anwenderunternehmen mit Supply_it eine kostenoptimale Zuordnung der Bauteile in kurzer Zeit gelingt – oft in weniger als zehn Minuten.
OEM spart rund 10 Prozent der Intralogistikkosten
Schon heute setzt ein Automobilhersteller Supply_it erfolgreich in der Materialflussplanung ein und steuert damit mehr als 3.000 Einzelkomponenten. Durch die Einführung konnte der OEM dabei bis zum heutigen Zeitpunkt rund 10 Prozent seiner Intralogistikkosten einsparen. Ein Grund dafür ist die effizientere Auslastung der in der Fertigung genutzten fahrerlosen Transportfahrzeuge.
Weitere Optimierungen gelangen dem Unternehmen direkt am Montageband: Beispielsweise konnte es seine Handlingkosten beim Einbau der Sicherheitsgurte durch eine Reorganisation der einschlägigen Prozesse um 1,50 Euro pro Stück senken. Bei rund 60.000 verbauten Gurten pro Jahr verringert somit ein einzelner kostenoptimierter Schritt die jährlichen Gesamtkosten um rund 90.000 Euro. Dies zeigt eindrücklich: Intelligente Lösungen sparen erhebliche Kosten ein – Unternehmen aus dem Maschinenbau oder aus der Automobilbranche, die eine große Anzahl an Einzelkomponenten bewerten müssen und über eine Vielzahl an Restriktionen haben wie Kommissionierung und Sequenzierung, benötigen lediglich die Bereitschaft, sich von herkömmlichen Tools wie Excel zu trennen und sich gegenüber neuen Tools zu öffnen.











