zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Logistikprozesse optimieren

mm,

KI-basiertes Scansystem sorgt für Tempo im Netto-Lager

Das Start-up Invisium hat eine Lösung für die vollautomatische Erfassung wiederverwendbarer Ladungsträger entwickelt, mit dem kostspielige und zeitintensive Inventuren überflüssig werden sollen. Mit dem Einsatz bei dem Lebensmittelhändler Netto Marken-Discount realisiert es sein erstes Projekt auf dem deutschen Markt.

Der Visionport ist ein multifunktionales Scansystem, mit dem wiederverwendbare Ladungsträger bei Durchfahrt in nur Bruchteilen einer Sekunde erfasst und verfolgt werden können. © Invisium

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen auch aus der Logistik kaum noch wegzudenken. Das gilt insbesondere für Einsätze und Aufgaben im Lager. Egal, ob es dabei um die Optimierung von Prozessen, die Steigerung ihrer Effizienz, die Entlastung von Mitarbeitenden oder die Einsparung von Kosten geht. Im Fokus steht beinah immer und ausschließlich die Frage, durch welche Leistungen der KI, die insbesondere hinsichtlich ihrer Rechenleistung weit über die menschlichen Kapazitäten hinausgehen, Prozesse und Aufgaben optimiert werden konnten.

Lösungsansätze für Aufgaben, die bisher nicht zu lösen waren

„Ein bislang wenig bis gar nicht diskutiertes Potenzial von KI liegt allerdings gerade in der Zusammenarbeit von künstlicher Intelligenz mit klassischer Bildverarbeitung. Dabei entstehen aus der Verbindung aus dem Besten beider Welten Lösungsansätze für Aufgaben in der Logistik, die bisher zu lösen nicht möglich waren“, sagt Stefan Zweigler, Gründer und Geschäftsführer von Invisium.

Durch den vollautomatischen Betrieb können sich Mitarbeitende im Lager voll auf ihre eigentlichen Tätigkeiten konzentrieren und werden in ihren Arbeitsschritten nicht beeinträchtigt. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass weder eine manuelle Interaktion noch Wartungsarbeiten mit dem Einsatz der Lösung verbunden sind, sodass sämtliche manuelle Prozessunterbrechungen durch ein genau definiertes Anhalten oder Umlagerungsprozesse schlicht wegfallen. Auch die Installation aufwändiger Fördertechnik ist dadurch obsolet, die bei herkömmlichen Systemen bislang oft notwendig war.

Anzeige

Ein weiterer Vorteil: Mithilfe der Lösung werden bei der Durchfahrt und in Echtzeit erstmalig Daten generiert für Aufgaben und Prozesse, bei denen sich Unternehmen bisher fast blind verlassen mussten, dass alles seine Richtigkeit hat – dass Transportpapiere stimmen und alle Ladungsträger, die das Lager verlassen, auch irgendwann wieder zurückkommen. Durch den Scan schafft der VisionPort eine Basis für die Digitalisierung dieser Aufgaben und Prozesse und ermöglicht Unternehmen hierdurch mehr Transparenz und Kontrolle.

Präzision und Flexibilität

Dazu wird das mannshohe System in Form eines Türrahmens direkt hinter einem Hallentor implementiert, durch das Fahrer oder Lagermitarbeiter Ladungsträger auf einem Flurförderzeug befördern. Und genau an dieser Stelle setzt die Kombination von Künstlicher Intelligenz und klassischer Bildverarbeitung an. Denn eine entscheidende Herausforderung für jedes System für die Erfassung von wiederverwendbaren Ladungsträgern ist die Frage, ob es die etablierten Logistikprozesse an beispielsweise am Warenein- und Ausgang unberührt lässt.

„Die Prozesse im Lager sind von einer hohen Dynamik gekennzeichnet, es geht um eine schnelle Abwicklung der Aufgaben, um Zeit und Ressourcen zu schonen und Kosten zu sparen. Ein System, das Mitarbeitende dazu auffordert, längere Zeit zu pausieren, um Ladungsträger zu erfassen oder das System lediglich in einem bestimmten Winkel anzufahren, ist nicht attraktiv und wirtschaftlich sinnvoll. Gleichzeitig darf der Faktor Zeit nicht auf Kosten der Genauigkeit des Scans gehen. Ansonsten drohen ungenaue Zahlen über die Bestände und Mitarbeitende müssen im schlimmsten Fall doch händisch nachzählen“, erklärt Stefan Zweigler.

Der Visionport kombiniert klünstliche Intelligenz und klassischer Bildverarbeitung. © Invisium

Der Visionport löst diese Schwierigkeit durch eine Bandbreite von technischen Lösungen. Mithilfe von KI verfügt das System einerseits über Flexibilität bei der Objekterkennung unter unterschiedlichen Scanbedingungen (wie beispielsweise der Anfahrtswinkel durch den Visionport), zum anderen sorgt es durch den Einsatz der klassischen Bildverarbeitung für ein hohes Maß an Präzision.

Konkret bedeutet das, dass die KI in einem ersten Schritt erfasst, welche Art von Objekt sich dem Visionport nähert, um die Aufnahmen nur dann auszulösen, wenn Ladungsträger wie Paletten oder Gitterboxen das System passieren. Personen oder Flurförderzeuge werden nicht aufgenommen. Mehrere leistungsfähige Kameras sind seitlich und oben am VisionPort installiert, die in nur wenigen Millisekunden mehrere dutzend Aufnahmen machen und an einen Rechner übertragen. Am Ende des Scanprozesses gleicht eine selbst entwickelte Software die Ergebnisse von KI und klassischer Bildverarbeitung ab. Damit erreicht der Visionport eine Zuverlässigkeit der Aufnahmen von über 99,8 Prozent, während alternative Systeme (zum Beispiel in Form eines Handscanners oder Tablets) bei rund 85 Prozent liegen. Mit diesem Maß an Genauigkeit ist er in der Lage, alle standardmäßig im Einsatz befindlichen Ladungsträger zu erkennen, womit die Lösung unternehmensübergreifend einsetzbar ist. 

Vollautomatische Ladungsträgerkontrolle bei Netto Marken-Discount

Auch der Lebensmitteldiscounter Netto Marken-Discount ist von dem 2024 als eine von zehn Invision Top Innovationen ausgezeichneten Scansystem überzeugt und setzt seit Frühjahr 2025 nach einer erfolgreichen mehrmonatigen Testphase auf Invisium als Partner für eine vollautomatische Ladungsträger-Kontrolle. Dazu stattet das Start-up zunächst zwei Zentrallager von Netto Marken-Discount mit insgesamt drei Visionports aus, die dort die Zählung der Ladungsträger über mehrere Stationen übernehmen. Es ist für invisium das erste Projekt auf dem deutschen Markt.

In weiteren, bereits geplanten Projektphasen soll die Lösung zusätzliche Use-Cases mit komplexeren Anwendungsprofilen umsetzen, für die invisium bereits entsprechende Testläufe in einem Netto-Zentrallager durchführt. 

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren