Reaktive Robotik stößt an ihre Grenzen
Kleine Fehlentscheidungen, teure Stillstände
Reaktive Robotik stößt in komplexen Industrieprozessen an wirtschaftliche Grenzen. Das Stuttgarter KI-Unternehmen Sereact stellt mit Cortex 2.0 eine neue Generation von Physical AI vor, die Entscheidungen im Voraus bewertet und so teure Fehler vermeiden soll.
Reaktive Robotik hat der Industrie hohe Effizienzgewinne gebracht. Doch mit wachsender Prozesskomplexität steigen auch Risiken und Kosten. Systeme, die nur auf den aktuellen Zustand reagieren, erhöhen vor allem das Tempo – nicht jedoch die Stabilität. Kleine Fehlentscheidungen können verzögert zu Staus, Stillständen oder beschädigter Ware führen.
Handlungsbewertung im Voraus
Mit Cortex 2.0 verfolgt Sereact einen Ansatz, der Physical AI nicht über schnellere Ausführung, sondern über bessere Entscheidungen weiterentwickelt. Statt Roboter ausschließlich auf den aktuellen Zustand reagieren zu lassen, ergänzt Cortex 2.0 die Steuerung um eine vorausschauende Bewertung möglicher Handlungsoptionen. Das System schätzt ab, welche Entscheidungen später zu Problemen führen können, und lernt, diese zu vermeiden.
Lernen aus realen Prozessen
Ein zentraler Unterschied zu vielen anderen KI-Ansätzen liegt in der Datenbasis. Cortex 2.0 lernt aus realen Produktionsumgebungen statt primär aus Simulationen. Mehrere hundert Roboter sind bereits in Europa und den USA im Einsatz und liefern kontinuierlich Daten aus echten Prozessen. „In der Industrie lassen sich komplexe Abläufe nicht realistisch simulieren“, sagt CEO und Mitgründer Ralf Gulde. „Vorausschauendes Handeln entsteht nur dort, wo Systeme reale Konsequenzen erleben. Genau aus diesen Erfahrungen lernt Cortex.“
Ökonomisch gewinnt Stabilität damit an Bedeutung. Ungeplante Stillstände zählen zu den größten Kostentreibern automatisierter Prozesse. Je höher der Automatisierungsgrad, desto gravierender wirken sich Fehlentscheidungen aus. Reaktive Systeme werden zwar schneller, aber nicht robuster.
Cortex 2.0 trennt deshalb Ausführung und Bewertung. Während Roboter weiterhin schnell und latenzfrei arbeiten, analysiert das System parallel mögliche Folgen und speist die Erkenntnisse in künftige Entscheidungen ein. Für kollaborative Roboter, mehrstufige Prozesse und perspektivisch auch humanoide Anwendungen könnte diese Fähigkeit entscheidend sein.










