Outsourcing

Sissy auf Eis: Filmarchiv in die Hände von Loxxess gelegt

Der Logistik- und Fulfillmentspezialist Loxxess betreibt in Dieburg bei Frankfurt das größte Filmarchiv Deutschlands. Rund 300.000 Rollen und 200.000 Bänder des Münchner Weltvertriebs- und Filmproduktionsunternehmens Beta Film werden dort so schonend wie möglich gelagert und Kunden aus aller Welt zugänglich gemacht. Besonders wertvolle Film-Negative wie die Sissi-Filme oder „Die Feuerzangenbowle“ werden bei minus vier Grad kühl gehalten.

Foto: Beta Film
Foto: Beta Film

Die Beta Film GmbH, ein internationales Vertriebsunternehmen für Lizenzen im Bereich TV, Neue Medien und Kino, hat das Betreiben ihres umfangreichen Filmarchivs in die Hände eines externen Dienstleister gelegt. Das Münchner Unternehmen, das seit 2003 zur Firmengruppe von Jan Mojto gehört, verfügt über einen einzigartigen Programmkatalog mit über 15.000 Stunden Film oder 4.000 Titeln jedes Formats und Genres.

David Kratz

„Wir nutzen hier die neuesten technischen Möglichkeiten der Materiallagerung. Wir sind wesentlich effizienter geworden und haben gleichzeitig die hohen Lagerhaltungskosten dauerhaft gesenkt.“

David Kratz, Beta-Film-Geschäftsleiter - Foto: Beta Film

Die Gründe für den Entschluss zum Outsourcing waren vielfältig. Die Bänder lagerten an verschiedenen Standorten und unter unterschiedlichen Bedingungen. Der Strom­verbrauch für die temperaturgeführte Lagerung war enorm hoch. Entscheidend für den Entschluss, eine neue Lösung für die Archivierung zu entwickeln, war die Tatsache, dass die wertvollen Originalrollen und Filmbänder besser vor dem drohenden Zerfall geschützt werden sollten. Die Originalbänder sind für die Erstellung einer digitalen Version immer noch entscheidend. Beta Film beauftragte den Logistikdienstleister Loxxess damit, die Filme in einem optimal ausgestatteten zentralen Standort zu lagern und zu verwalten.

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Zwei Millionen Euro in Lagerausstattung investiert

Loxxess entwickelte ein maßgeschneidertes Konzept für die Archivierung und das Handling der Filmrollen und Magnetbänder und investierte rund zwei Millionen Euro in den Umbau des Standorts in Dieburg. Dabei legte der Logistik-Dienstleister großen Wert auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Unter anderem wurden die Außenmauern der Halle mit einer zwölf Zentimeter dicken Dämmschicht versehen, um den Energieverbrauch niedrig zu halten. Anschließend wurde die Luftdichtigkeit mit so genannten ‚Door Blower Tests‘ gemäß DIN EN 13829 überprüft. Dabei wird mithilfe eines Ventilators Luft in das Gebäude hineingedrückt oder he­rausgesogen. So werden Leckagen geortet und die optimale Dämmwirkung für Gebäude erzielt. Entstanden ist ein Lager, das neben der energetischen Optimierung alle Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen nach heutigem Stand der Technik erfüllt.

Original-Filmmaterial vor dem Verfall schützen

Lager von Loxxess
Geringe Luftfeuchte, niedrige Temperatur, CO2 als Löschmittel – mit diesen Maßnahmen sind im Lager von Loxxess Original-Filmbänder bestens geschützt. Foto: Loxxess

Es sind vor allem drei Bedingungen, die dem chemischen Verfall des Originalfilmmaterials Vorschub leisten. Patrick Mense, Mitglied der Geschäftsleitung: „Vor allem die Luftfeuchtigkeit setzt den Filmen zu. Generell gilt: Je geringer die Luftfeuchte, umso besser.“ Außerdem sei eine möglichst niedrige Temperatur förderlich für die Haltbarkeit. Allerdings gelte das nur für Material, das selten ausgeliehen und damit aufgetaut werden müsse. Deshalb lagert in Dieburg das Gros der Filme bei einer Temperatur von rund 13 Grad. Nur besonders wertvolle Filmnegative wie die „Sissi“-Filme mit Romy Schneider oder die „Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann werden bei minus vier Grad gelagert. Die Temperatur- und Luftfeuchte-Werte werden 365 Tage im Jahr im 15-Minuten-Rhythmus aufgezeichnet.

Der dritte Aspekt ist der eines Brandes. Löschwasser ist aus naheliegenden Gründen keine Op­tion. „Wir setzen CO2 als Löschmittel ein und halten in der Anlage rund 30.000 Liter vor“, berichtet Mense.

Doch es gibt weitere Gefahren, gegen die man das Material schützen muss. Standortleiter Thomas Lewis erklärt: „Zusätzlich fahren wir eine Art Frühwarn­system mit regelmäßigen vierstufigen Kontrollen. Damit sind wir in der Lage, chemische Veränderungen wie das so genannte Essigsyndrom frühzeitig zu entdecken. Bevor größerer Schaden entstehen und auf andere Bänder übergreifen kann, sondern wir den betroffenen Film aus.“

Vollständige Transparenz und Zugriff auf Bestände

Neben der physischen Unversehrtheit der Filme ist es für Beta Film wichtig, jederzeit auf die Bänder zugreifen zu können. Für vollständige Transparenz sorgt das Lagerverwaltungssystem, das Loxxess speziell auf die Anforderungen der Filmbranche zugeschnitten hat. „Jede in Dieburg eingelagerte Rolle ist akribisch erfasst und kategorisiert. Beta Film kann auch den Bestand nach bestimmten Schlagworten durchsuchen“, erläutert Lewis. Wareneingänge werden zu 98 Prozent am selben Tag eingelagert. Aufträge, die bis 14 Uhr übermittelt werden, verlassen taggleich das Lager und sind deutschlandweit am nächsten Tag beim Empfänger.

Outsourcing setzt Maßstäbe

Beta-Film-Geschäftsleiter David Kratz resümiert: „Wir nutzen die neuesten technischen Möglichkeiten der Materiallagerung und haben die hohen Lagerhaltungskosten dauerhaft gesenkt.“

Das Lager in Dieburg mit rund 4.000 Quadratmeter Gesamtlagerfläche bietet aktuell noch Platz für rund 200.000 35-Millimeter-Filmrollen. „Das Problem im Filmsektor ist, dass die Uhr für die alten Schätze kontinuierlich tickt. Wir haben hier die erprobte Lösung“, so Mense.

Jens Tosse

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