Outsourcing

Als verlängerte Werkbank etabliert

Waren Logistiker vor einigen Jahren wirklich nur für die Logistik zuständig, erweitert sich deren Kompetenz nun mehr und mehr. Auch die Übernahme von Kernkompetenzen der Kunden ist nicht mehr ausgeschlossen, wie das folgende Beispiel zeigt.

Erfolgreiche Industrieunternehmen wissen seit langem um die enge Verbindung zwischen der Qualität der Logistik und der Höhe der Produktivität. Als Antwort auf die fortschreitende Globalisierung der Märkte und den wachsenden internationalen Wettbewerb haben viele von ihnen in den vergangenen Jahren nicht nur ihre Fertigungsanlagen, sondern auch ihre Lieferketten umfassend modernisiert.

Oft wurde dabei das Aufgabenfeld der für die Logistik zuständigen Dienstleistungspartner Schritt für Schritt ausgedehnt, um vorhandene Synergien optimal zu nutzen und so weitere Effizienzsteigerungen zu erzielen. Das Ergebnis: Kontraktlogistiker mit entsprechender Expertise sind immer häufiger nicht nur für die Warenbewirtschaftung ihrer Kunden zuständig, sondern übernehmen als „verlängerte Werkbank“ auch Aufgaben im Bereich der Produktion.

Ein Beispiel für diese Entwicklung bietet ein in Mannheim angesiedeltes „Automotive Competence Center“, das auf einer Fläche von 7 500 m² spezielle Mehrwertdienstleistungen für die Busproduktion erbringt. Was vor über zehn Jahren mit der Bereitstellung von Lagerflächen für einen weltweit führenden Hersteller von Stadt- und Reisebussen begann, hat sich für den Logistiker zu einem überaus vielfältigen und anspruchsvollen Aufgabenfeld entwickelt. So dient das Mannheimer Logistikzentrum dem Fahrzeughersteller heute als wichtige Schaltstelle für seinen gesamten Materialflussprozess.

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Entscheidend ist hierbei die Fähigkeit des Logistikers, seine Dienstleistungen den hohen Anforderungen eines Produktionsverbunds anzupassen, der sich über verschiedene Standorte in mehreren europäischen Ländern erstreckt und dem eine Vielzahl unterschiedlicher Zulieferer angeschlossen ist. Zu den wichtigsten Aufgaben des „Automotive Competence Center“ gehört die Versorgung von Fertigungsstraßen für den Bau von Buskarosserien mit unterschiedlichen Stahlprofilen, wie z.B. Dachrand- und Dacheckprofilen, Stuhlschienen sowie Saumteilen für die Fahrzeugverkleidung.

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Der Logistiker kümmert sich um deren Bestellung, Vortransport ans eigene Lager, Lagerung, Kommissionierung und Transport zum Einbauort. Darüber hinaus übernimmt er für den Kunden zusätzlich zahlreiche Bearbeitungsaufgaben an den Profilen, darunter Säge-, Bohrund Schweißarbeiten. Hierzu bestellt er auf der Basis des vom Kunden übermittelten Produktionsprogramms Stahlprofile bei verschiedenen europäischen Herstellern – wobei er wie ein Zulieferer auf eigenes Risiko arbeitet.

Die Lieferzeit von ca. drei Monaten wird mit vorhandenen Vorräten überbrückt, die in temperierten Lagerhallen untergebracht sind. Der Umgang mit den bis zu 12 m langen und 100 kg schweren aus Spezialstahl gefertigten Teilen erfordert besondere Flurförderfahrzeuge, die in der Lage sein müssen, die überlangen Profile ohne Verbiegungen oder sonstige Beschädigungen an mehreren Stellen simultan anzuheben.

Die gesamte logistische Infrastruktur ist so leistungsfähig, dass sie auch den gesteigerten Anforderungen der Zukunft, zu denen aufgrund des Trends zu noch größeren Buskonstruktionen Stahlprofile von bis zu 15 Metern Länge gehören werden, in vollem Umfang gerecht wird. Vor dem Weiterversand zum Fahrzeughersteller werden die Profilteile in mehreren Schritten bearbeitet. Hierfür nutzt der Logistiker ein über Jahre gewachsenes qualifiziertes Team von Schweißern und Metallfacharbeitern, das durch die Übernahme eines auf die Verarbeitung von Stahl- und Aluminiumteilen spezialisierten Metallzulieferers in den vergangenen Monaten nochmals verstärkt worden ist.

Unter seiner Mitwirkung werden die angelieferten Teile mit Hilfe von Schleif- und Strahlarbeiten gesäubert und anschließend exakt auf die benötigte Länge zugeschnitten. Zudem werden Löcher und Schnitte angebracht, die für die spätere Endmontage und Tauchlackierung erforderlich sind. Auch werden an verschiedenen Stellen Anbauteile eingeschweißt. So werden aus den ursprünglichen Rohprofilen einbaufertige Fahrzeugkomponenten.

Eine weitere Arbeit, die der Logistiker als Outsourcing-Dienstleistung übernommen hat, ist die Reifenmontage. Hierzu werden an seinem Mannheimer Standort Reifen und Felgen separat angeliefert, einer Kontrolle unterzogen und anschließend mit Hilfe von modernen Montage- und Buchtmaschinen zu fertigen Busrädern zusammengefügt, die dann beim Hersteller direkt in die fertigen Fahrzeuge eingebaut werden.

Jenseits von solchen produktionsvorbereitenden Aufgaben dient das „Automotive Competence Center“ dem Bushersteller auch als werkseigenes Materiallager: So werden dort insgesamt ca. 3 000 Tonnen Rohmaterial bestehend aus mehreren hundert unterschiedlichen Teilen bevorratet – von schmalen Messingrohren, die beim Bau von Heizungen und Klimaanlagen zum Einsatz kommen, bis hin zu mächtigen Stahlcoils von bis zu 3 t Gewicht.

Entsprechend seiner ursprünglichen Kernkompetenz im Transportwesen übernimmt der Logistiker die gesamte Kommissionierung und Auslieferung. Bis zu 150 t unterschiedlichster Materialien für die Rohkarossenproduktion werden täglich im Rahmen von bis zu zehn Lkw-Lieferfahrten zum Fahrzeughersteller gebracht. Hierbei erfolgt der Transport „bis ans Band“: Die Fahrer entladen mit unternehmenseigenen Staplern und bringen das Material in den verschiedenen Fertigungshallen direkt an den jeweiligen Einbauort.

Enge Kommunikation Da die Lieferung Just-in-Time erfolgen muss, ist eine enge Kommunikation mit dem Kunden wichtig. Unterstützung leistet hierbei ein SAP-R3-System. Angesichts der Vielzahl von Artikeln und unterschiedlichen Lagerplätzen ist eine regelmäßige Pflege dieses Systems entscheidend für seine Zuverlässigkeit.

Ein Informationsaustausch mit dem Kunden „per Datenleitung“ reicht jedoch keineswegs aus. Vielmehr führt angesichts der knappen Taktung an einer kontinuierlichen Projektabstimmung „auf Zuruf“ kein Weg vorbei. Denn nur sie ermöglichst es, auf außerplanmäßige Ereignisse, wie z.B. kurzfristige Produktionsunterbrechungen, zu reagieren.

Statement Nicht zuletzt die hohe Flexibilität und rasche Prozessgeschwindigkeit von Logistikern macht deren Einbindung in den Fertigungsprozess für Kunden hochattraktiv. Dementsprechend sind laut Uwe Nitzinger, Geschäftsführer pfenning logistics, logistische Mehrwertdienstleistungen in produktionsnahen Bereichen ein beträchtlicher Wachstumsmarkt:

„Denn durch die Auslagerung von produktionsvorbereitenden Arbeiten können Industrieunternehmen ihre Fertigungstiefe verringern und ihre Prozesse erheblich verschlanken, was bei gleichbleibender Qualität deutliche Kostenvorteile beschert. Entscheidend für den Erfolg eines solchen Modells ist jedoch die Qualität des Partners:

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In Frage kommt nur ein Logistikdienstleister, der über eine entsprechende Erfahrung und Fachkompetenz verfügt, eine geeignete Infrastruktur besitzt und zudem die für solche Aufgaben nötige Flexibilität auch tagtäglich bieten kann. Nur ein solcher Partner kann maßgeschneiderte neue Lösungswege aufzeigen, die sowohl kunden- als auch umsetzungsorientiert sind. Und nur er bietet die Zuverlässigkeit, die der Kunde zur Fortsetzung seines Markterfolgs benötigt.“

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