Skalierbare Robotiklösung
Robotergestützte Ware-zur-Person-Systeme
Die Anforderungen an Lager verändern sich, die an Gebäude meist nicht. Während Sortimente wachsen, bleiben Flächen, Regale und Prozesse häufig unverändert. Viele Logistikverantwortliche stehen daher vor der gleichen Frage: Wie lässt sich die Leistungsfähigkeit im Lager erhöhen, ohne sich durch starre Automatisierungslösungen langfristig festzulegen? Robotergestützte Ware-zur-Person- Systeme setzen genau an diesem Punkt an. Sie kommen ohne feste Fördertechnik aus und nutzen AMR, die Regal- und Arbeitsbereiche bedarfsgerecht bedienen.
Vorteilhaft dabei ist ihre Skalierbarkeit: Systeme können klein starten und bei steigendem Bedarf durch zusätzliche Roboter, Regalzeilen oder Arbeitsplätze erweitert werden. Das minimiert Investitionen und erleichtert die Anpassung an wechselnde Anforderungen. Eine weitere Besonderheit ist das sogenannte Free-Roaming. Die Roboter sind nicht an einzelne Gassen oder Lagerzonen gebunden, sondern können sich frei im gesamten Lager bewegen. Jeder Roboter hat Zugriff auf jeden Ladungsträger im System. Sollte ein Roboter temporär ausfallen, so übernehmen andere dessen Aufgaben. Leistung und Verfügbarkeit hängen damit nicht an einzelnen Komponenten, sondern werden durch das Gesamtsystem sichergestellt. Gleichzeitig vereinfacht dieser Ansatz die Lagerstrategie und reduziert den Aufwand für das vorgelagerte Materialfluss- oder Warehouse-Control-System. Die Roboter bewegen sich zu den Lagerplätzen, an denen sie gerade gebraucht werden. Die RackBot Systeme von SSI Schäfer kombinieren autonome mobile Roboter, Regalanlagen, Arbeitsplätze und Software zu modularen Ware-zu-Person-Systemen, welche für niedrige bis hohe Durchsätze geeignet sind und innerhalb eines Gebäudes den Raum bis zu einer Höhe von 13 Metern effektiv nutzen.
Einsatz in der Fashionlogistik: Zentralisierung bei Desigual
Wie sich ein solcher Ansatz im Alltag bewährt, zeigt das Beispiel des spanischen Modeunternehmens Desigual. In der Fashion- logistik treffen kurze Produktlebenszyklen, saisonale Peaks und hohe Retourenquoten aufeinander. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Flexibilität.
Bereits für Planung und Aufbau des ersten automatischen Lagers in Gava – eine halbe Autostunde vom Hauptstandort in Barcelona entfernt – war SSI Schäfer in den Jahren 2007/2008 verantwortlich. Im Zuge fortschreitender Expansion entschied sich Desigual dann 2014 für den Bau eines deutlich größeren Zentrallagers im wenige Kilometer von Gava entfernten Viladecans. Im Frühjahr 2023 sollten dann im nächsten Schritt die noch genutzten Lagersysteme des Gava-Lagers vollständig in das neue Zentrallager in Viladecans integriert werden. Ziel war es, ohne Erweiterung der bestehenden Lagerfläche eine Kapazitäts- und Umschlagsleistung zu erzielen, die der Performance beider Lager entsprach. Für Jorge Soriano, Logistics & Distribution Manager bei Desigual, bedeutet das: "Zu unserem bestehenden Zentrallager kam die Integration von Lagerkapazitäten von annähernd 8.000 Verpackungseinheiten für neu designte Modeartikel mit einem Umschlag von bis zu 650 Kartons pro Stunde hinzu. Mit dieser Lösung können wir 150.000 Einheiten pro Woche in zwei Schichten bewältigen."
Um angesichts der kompakten Raumsituation die notwendige Dynamik entfalten zu können, projektierte das SSI Schäfer Einsatzteam eine RackBot Lösung. 25 dieser vollautomatischen Lagerroboter sichern künftig den anvisierten maximalen Warenumschlag von 30.000 Einheiten pro Tag im Zweischicht- betrieb, sowie eine dauerhaft stabile Transport- beziehungsweise Pick-Leistung. Ein RackBot Port, der ebenfalls acht Kartons gleichzeitig handhaben kann, übernimmt dabei die Übergabe zum Kommissionierbereich. Für die Energieversorgung wurden acht Ladestationen implementiert. Neben der Einrichtung der Regaleinheiten und der insgesamt vier Kommissionierstationen (mit jeweils zwei Put-Walls) war die Planung und Implementierung eines effizienten Fördersystems zentraler Bestandteil der Lieferung.
Der Vorteil einer RackBot Lösung besteht vor allem in der hohen Flexibilität, die sie im Hinblick auf künftige Erweiterungen oder Veränderungen des Geschäftsmodells ermöglicht. Sie bietet Desigual die Option, weitere Regalzeilen einzubauen und so die Kapazitäten zu erweitern. Weiterhin ist das System in der Lage, Kartonagen direkt handzuhaben.
Praxisbeispiel 3PL: Omnichannel-Kommissionierung bei Transmec
Auch im Logistikdienstleistungsumfeld gewinnt Flexibilität zunehmend an Bedeutung. Mit über 800.000 Quadratmeter an Lagerhallen und Lagerplätzen zählt die Transmec Group zu den größten Logistikdienstleistern Europas. Lange Zeit konzentrierte sich der 1850 gegründete 3PL (Third Party Logistics Provider) auf das Lieferkettenmanagement für Geschäftskunden (B2B). Spätestens seit den Pandemiejahren hat auch das Geschäft mit Endverbrauchern (B2C) stark an Bedeutung gewonnen. Mit der Eröffnung des ersten Kommissionierlagers am Unternehmenssitz im italienischen Campogalliano vereint Transmecs Lagerdivision T-Log jetzt beide Distributionswelten unter einem Dach.
Zum Einsatz kommt das RackBot System Compact. Sämtliche Ein- und Auslagerungen übernimmt ein vollintegriert arbeitender Schwarm aus 15 mobilen Robotern, die unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Konkret handelt es sich um zehn RunBots, die alle horizontalen Transporte ausführen, sowie um fünf RackBots, welche die Regale bedienen. Das Roaming-Konzept der Roboterflotte sieht vor, dass jedes Gerät in der gesamten Robotikzone des Lagers arbeiten kann. Und: Ist ein Roboter vorübergehend nicht verfügbar, beispielsweise weil sein Akku geladen wird, können die übrigen seine Aufträge übernehmen.
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Software-Integration. Hier wurde eine Schnittstellenumgebung geschaffen, die es Transmec ermöglicht, die Warehouse Management Systeme (WMS) seiner Kunden flexibel einzubinden. Eingehende Kundenbestellungen werden automatisch als Aufträge im RackBot System Compact eingelastet, wobei alle erforderlichen Arbeitsschritte optimal sequenziert werden. Zudem geht das Risiko von Kommissionierfehlern gegen null und die Liefertreue steigt deutlich.
Eine Lösung für schnell wechselnde Anforderungen
Die beiden Projekte verdeutlichen, dass robotergestützte Ware-zur-Person-Systeme vor allem dort ihre Stärken ausspielen, wo sich Anforderungen schnell ändern und klassische Automatisierung an Grenzen stößt. Dazu zählen E-Commerce- und Omnichannel-Strukturen ebenso wie Branchen mit hoher Artikelvielfalt oder Logistikdienstleister mit wechselnden Kundenprofilen.
Gleichzeitig sind solche Systeme kein Selbstzweck. Ihr wirtschaftlicher Nutzen entsteht nur dann, wenn Robotik, Arbeitsplatzgestaltung, Software und Betriebsstrategie sauber auf- einander abgestimmt sind. In vielen Fällen bewähren sich hybride Konzepte, bei denen automatisierte und manuelle Prozesse gezielt kombiniert werden. Entscheidend ist weniger der Grad der Automatisierung als die Frage, wie gut sich ein System an neue Rahmenbedingungen anpassen lässt.
RackBot System Elevate live auf der Logimat 2026
Auf der Logimat 2026 (24.–26.03.2026, Stuttgart) zeigt SSI Schäfer das neue RackBot System Elevate als Exponat.
Besucher finden SSI Schäfer in Halle 1, Stand D21.











