Lagerverwaltung
Beschleunigte Logistikprozesse bei Pharmazulieferer
Um den internen Materialfluss zu optimieren, hat der bayrische Pharmazulieferer Nipro PharmaPackaging Germany seine Supply Chain digitalisiert. Als besondere Neuerung nutzen die Lagerarbeiter zukünftig eine innovative Lösung für mobile Endgeräte.
Nipro PharmaPackaging Germany mit Sitz im unterfränkischen Münnerstadt ist Teil der Nipro Corporation Japan, einem weltweit führenden Unternehmen im Gesundheitswesen. In Münnerstadt arbeiten in zwei Werken etwa 500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Jährlich produziert Nipro hier jeweils über 200 Millionen Glasspritzen und Glasflaschen für die pharmazeutische Industrie. Die ehrgeizigen Wachstumspläne sehen vor, diese Produktionsmengen bis 2030 zu verdoppeln. "Bei unseren begrenzten Lagerkapazitäten und den gleichzeitig komplexer werdenden Produktionsprozessen war uns klar, dass wir unsere Lagerprozesse optimieren müssen, um dieses geplante Unternehmenswachstum sicherstellen zu können", erläutert Jens Niebling, Supply Chain Specialist bei Nipro.
Ein Hindernis für das angestrebte Wachstum war, dass die Warenbestände bisher nicht mithilfe eines Lagerhaltungssystems verwaltet wurden. Sie wurden nicht auf Lagerplätzen mit definierten Lagerplatznummern oder Koordinaten gelagert. Den eingelernten Lagermitarbeitern war lediglich bekannt, in welcher Halle die Ware liegt, und dann ging das zeitraubende Suchen los. Problematisch war zudem, dass es keine Informationen darüber gab, wo ältere Bestände nahe dem Verfallsdatum gelagert sind, um diese zuerst zu entnehmen. Das Ziel der Re-Organisation bei Nipro war es daher, den Materialfluss und somit die innerbetriebliche Supply Chain digital zu unterstützen und optimieren.
Nipro entschied sich aufgrund der bisherigen guten Erfahrung mit der SAP-Warenwirtschaft ebenfalls für die Lagerverwaltungs-Software von SAP (SAP WM bzw. SAP Warehouse Management), und holte sich dafür den langjährigen SAP-Partner FIS Informationssysteme und Consulting zur Seite. Als gemeinsames Projekt wird seit 2020 die Lagerwirtschaft digitalisiert und der Materialfluss effizienter gestaltet.
"Da wir das neue System bei laufender Produktion implementieren mussten, wollten wir uns nicht zu viel vornehmen und haben das Projekt in zwei Teilprojekte aufgeteilt", erläutert Martin Ochs, Senior Solution Architect bei FIS. Im ersten Schritt wurde das Lager auf koordinierte Lagerplätze umgestellt und mit SAP WM eine organisierte und softwaregestützte Lagerverwaltung eingeführt. Das vorherige papierbasierte Arbeiten wurde auf Handscanner und Datenfunk umgestellt. Nachdem im ersten Teilprojekt die digitalisierte Lagerhaltung für Fertigprodukte umgesetzt wurde, ist nun der zweite Schritt in der Vorbereitung: die automatisierte Produktionsversorgung. So sollen intelligente Nachschub-Transaktionen für die Produktion ermöglicht werden sowie neue smarte Entnahme-Strategien zur optimalen Platznutzung.
Automatischer Materialfluss ohne händische Buchungen
Die Supply Chain verläuft nach der Einführung der Logistik-Software erheblich effizienter. "Wenn heute ein Fertigungsauftrag freigegeben wird, ermittelt SAP WM automatisch, wo sich die Ware oder das Material im Lager befindet, was zuerst verbraucht werden sollte und kommuniziert diese Informationen über einen Transport-Auftrag an die mobilen Endgeräte der Staplerfahrer", erklärt Ochs die einzelnen Schritte der neuen Software-Lösung. Eine manuelle Buchung durch die Mitarbeiter wird somit überflüssig. Durch das Scannen der Barcodes an jedem Lagerplatz werden Entnahme- und Abgabemengen der Waren verifiziert und im ERP-System verbucht. Die Lagermitarbeiter kommissionieren anschließend die Ware und bringen sie an den dafür vorgesehenen Platz. Auch hier ermittelt SAP WM automatisch den geeigneten Abstellplatz und zeigt diesen auf den Endgeräten der Mitarbeiter an.
Ähnlich verläuft der Einlagerungsprozess. Die Mitarbeiter scannen die eingetroffenen Waren, die direkt im ERP-System verbucht werden. Anschließend ermittelt SAP WM den idealen Lagerplatz für die Ware und zeigt diesen auf den Geräten der Lagermitarbeiter an. Hierbei greift eine weitere Entwicklung von FIS, die verhindert, dass im Blocklager neue Materialien direkt vor ältere gestellt werden können. Die Einlagerung der neuen Produkte findet somit in einem anderen Regalplatz statt. So ist sichergestellt, dass bei der nächsten Warenentnahme zuerst die älteren Materialien und Waren kommissioniert werden können. "Wir haben so einen automatisierten Materialfluss geschaffen, ohne händische Buchungen und mit einer lückenlosen Echtzeit-Kommunikation zwischen allen Mitarbeitern und Systemen", resümiert Ochs.
Nutzerfreundliches Arbeiten mit mobilen Endgeräten
Besonderes Highlight in dem gemeinsamen Supply-Chain- Projekt war der von FIS neu entwickelte UI5-Creator für mobile Endgeräte. Das innovative FIS-Produkt erleichtert den Arbeitsablauf der Lagermitarbeiter enorm. Dafür konvertiert der Creator die ITSmobile-Anwendung von HTML in ein nutzerfreundliches HTML5 (SAPUI5). "Unsere Mitarbeiter profi- tieren mit dem UI5-Creator von einer flexiblen und responsiven Darstellung der Dialoge auf den Geräten. Sie können die Darstellung auf den Handscanner ergonomisch anpassen, deutlich einfacher zoomen oder unterschiedliche Farb-Einstellungen je nach Lichtverhältnis im Lager auswählen. Das erleichtert die tägliche Arbeit im Lager ungemein", erläutert Niebling.
Ein weiterer Vorteil der FIS-Lösung ist, dass das Handheld-Gerät bei Abbruch der WLAN-Verbindung keine Fehlerseite anzeigt, beispielsweise wenn der Mitarbeiter in einem abgelegenen Lagerabschnitt ohne ausreichende WLAN-Abdeckung arbeitet. Stattdessen verbindet sich das Gerät automatisch per Reconnect wieder mit dem Internet und der Mitarbeiter kann unterbrechungsfrei weiterarbeiten.
Die Digitalisierung der Lagerhaltung wurde von den Mitarbeitern sehr gut angenommen, insbesondere da diese frühzeitig in das Projekt eingebunden wurden. Nipro ist mit der neu gewonnenen Effizienz durchweg zufrieden. "Durch die ganzheitliche Logistikberatung von FIS sind wir jetzt bestens aufgestellt für das angestrebte Wachstum", resümiert Niebling.
aus materiafluss 6/2023










