Green Logistics
Im Felsen gebaut, für die Zukunft gedacht
Die Stöcklin Group hat im Schweizer Felslabor St. Ursanne ein innovatives Hochregallager realisiert – mit Holz, Stahl und präzisem Engineering.
Im unterirdischen Forschungslabor Mont Terri bei St. Ursanne werden in geologischen Untersuchungen tausende Bohrkerne entnommen. Für ihre sichere und langfristige Aufbewahrung beauftragte das Bundesamt für Landestopografie (swisstopo) die Stöcklin Group mit der Entwicklung einer automatisierten, energieeffizienten Hochregallösung – unter herausfordernden Bedingungen: begrenzter Raum, natürliche Felswand und hohe Anforderungen an Stabilität und Umweltverträglichkeit.
Als Generalunternehmer übernahm Stöcklin die Gesamtverantwortung für Planung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme – inklusive Regalbau, Fördertechnik, Steuerung, Softwareintegration und Sicherheitstechnik. Ziel war es, eine technisch ausgereifte, langlebige und zugleich ressourcenschonende Lösung zu schaffen, die exakt auf die besonderen Bedingungen des Felslabors abgestimmt ist.
Präzise Ingenieursarbeit im Fels
Das neue Lager wurde in einer bestehenden Halle errichtet, die teilweise an eine freiliegende Felswand angrenzt. Der verfügbare Raum war stark begrenzt, insbesondere aufgrund der organischen Beschaffenheit der Felswand, die einen Großteil des Raums einnimmt. Eine Standardlösung war damit ausgeschlossen.
Dank einer präzisen 3D-Vermessung vor Ort konnten die Regale millimetergenau angepasst werden, sodass jeder verfügbare Zentimeter genutzt werden konnte. Stöcklin entwickelte automatisierte Lagerkanäle mit einer Tiefe von 2 bis 12 Metern, die sich an die natürlichen Formen des Felsens anpassen. Dadurch wurde das Lagervolumen auf minimaler Grundfläche maximiert. Auch die Einbringung der Komponenten stellte eine Herausforderung dar: Aufgrund der beengten Platzverhältnisse war eine Montage von oben durch das Dach nicht möglich. Stattdessen wurde das komplette Regalsystem über die Rückseite des Gebäudes eingebracht, dies erforderte eine präzise Planung und Koordination aller Gewerke.
Alle Systeme wurden intern am Stöcklin-Hauptsitz in Laufen (Schweiz) entwickelt, gefertigt und vormontiert. Dadurch konnten alle Schnittstellen optimal aufeinander abgestimmt und Qualitäts- sowie Funktionsprüfungen bereits vor der Auslieferung durchgeführt werden. Diese integrale Vorgehensweise reduzierte Montagezeiten vor Ort und minimierte Fehlerquellen – ein entscheidender Vorteil unter den komplexen Einbaubedingungen des Felslabors.
Hybridkonstruktion aus Holz und Stahl
Ein Besonderheit des Projekts ist die hybride Hochregalkonstruktion, bei der vertikale Stützen aus Holz und horizontale Träger aus Stahl bestehen. So werden die ökologischen und technischen Stärken beider Materialien gezielt kombiniert. Das Holz stammt aus zertifizierter, nachhaltiger Forstwirtschaft in Deutschland. Es bindet Kohlenstoffdioxid, reguliert Feuchtigkeit und trägt zu einem stabilen Lagerklima bei. Stahl sorgt für Präzision, Formstabilität und hohe Tragkraft in den belasteten Querriegeln. „Mit dieser Materialkombination konnten wir Ressourcenschonung und technische Leistungsfähigkeit ideal verbinden“, erklärt Daniel Bühler, Sales Manager Regalsysteme bei Stöcklin. „Die Hybridkonstruktion nutzt die jeweiligen Materialvorteile dort, wo sie am meisten bewirken.“
Die Kohlenstoffdioxid-Bilanz des Hybridregals
Für die Regalstruktur wurden rund 44 m³ Holz anstelle von Stahl eingesetzt. Bei der Herstellung einer Tonne Stahl entstehen durchschnittlich 1,9 Tonnen CO2, während Holz während seines Lebens etwa 1,5 Tonnen CO2 pro Kubikmeter bindet. Bei einer Regalkonstruktion komplett aus Stahl wären 165 Tonnen Stahl mit einer Belastung von 313,5 Tonnen CO2 verbaut worden. Für die hybride Holz-Stahl-Konstruktion wurden nur 102 Tonnen Stahl (193,8 Tonnen CO2) und 44 m³ Holz (–66 Tonnen CO2) verwendet. So konnte der CO2-Verbrauch gegenüber einer klassischen Stahlkonstruktion um 185,7 Tonnen CO2 reduziert werden (193,8 t CO2 – 66 t CO2 = 127,8 t CO2).
Intelligente Steuerung für effizienten Betrieb
Die Automatisierung erfolgt über ein Regalbediengerät der Stöcklin-MASTer-Serie in Kombination mit einem Powershuttle-System, das bis zu 3.000 Europaletten oder Spezialpaletten mit den Massen 120 x 120 cm aufnehmen kann. Das System nutzt einen einzigen, zentralen Gang für die Lagerung, wodurch der verfügbare Raum maximal ausgenutzt wird. Gesteuert wird die Anlage durch die Stöcklin logOS-Software in einer Stand-alone-Version, die unabhängig von einem ERP arbeitet. Ein integrierter Sleep-Modus reduziert den Energieverbrauch, indem alle Antriebe und Steuerungen automatisch in den Ruhezustand wechseln, wenn keine Bewegung erforderlich ist. So bleibt das System jederzeit einsatzbereit – mit minimalem Energiebedarf im Stand-by.
Effizienz durch Bestandserhalt
Anstatt einen Neubau zu errichten, nutzte Stöcklin die bestehende Halle weiter. Das sparte nicht nur Bauzeit, sondern auch erhebliche Mengen an Beton, Stahl und Energie. Der direkte Standortanschluss an das Felslabor verkürzt zusätzlich die Transportwege – ein Pluspunkt für Betriebseffizienz und Klimabilanz. Denn somit entfallen Logistiktransporte zwischen verschiedenen externen Standorten. „Umweltbewusstes Bauen beginnt für uns nicht erst im Betrieb, sondern schon in der Planung und Materialwahl“, so Bühler. „Das Projekt in St. Ursanne zeigt, dass verantwortungsvolles Engineering und moderne Logistiklösungen Hand in Hand gehen.“ Die gesamte Anlage wurde so konzipiert, dass sie wartungsarm, langlebig und flexibel erweiterbar ist. Komponenten wie Energieeffizienzmodule, Sensorik und Systemdiagnose sind vorbereitet, um zukünftige Optimierungen einfach und kosteneffizient umzusetzen.
Holz im Lagerbautechnische Vorteile auf einen Blick
Holz überzeugt in dieser Anwendung nicht nur durch seine positive Klimabilanz, sondern auch durch seine physikalischen und brandschutztechnischen Eigenschaften. Das Material kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, wodurch es Schwankungen der Luftfeuchtigkeit natürlich ausgleicht – ein entscheidender Faktor für die stabile Lagerung der Gesteinsproben. Zugleich verfügt Holz über eine natürliche Elastizität, die Schwingungen dämpft, und neigt kaum zu elektrostatischer Aufladung – was die Sicherheit und Funktionsstabilität der technischen Umgebung unterstützt.
Auch beim Brandschutz zeigt sich Holz von einer oft unterschätzten Seite: Im Brandfall verkohlt die äußere Schicht gleichmäßig und bildet eine isolierende Kohleschicht, die das Innere des Bauteils schützt. Dadurch bleibt die Tragfähigkeit länger erhalten als bei metallischen Konstruktionen, die bei hohen Temperaturen rasch an Stabilität verlieren. Darüber hinaus ist Holz deutlich leichter als Stahl, lässt sich präzise verarbeiten und reduziert so Montageaufwand und Transportgewicht. Das verwendete Konstruktionsholz aus nachhaltig bewirtschafteten deutschen Wäldern verbindet ökologische Verantwortung mit technischer Leistungsfähigkeit.
Zukunftsorientierte Logistik präzise umgesetzt
Mit dem automatisierten Hochregallager im Felslabor St. Ursanne beweist Stöcklin, dass Umweltverantwortung und Hochtechnologie keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig verstärken können. Das Projekt zeigt, wie präzises Engineering, energieeffiziente Automatisierung und der bewusste Einsatz natürlicher Materialien zu einer zukunftsfähigen Intralogistik führen.












