Kontraktlogistik

Innovationsmanagement: Smart Glasses 100 Tage getestet

Rückspiegel, Türgriffe, Lenkräder – solche und andere Autoteile verpackt BLG Logistics in einem seiner Bremer Logistikzentren. 100 Tage lang begleitete nun eine Datenbrille die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit, der erste Einsatz solcher „Smart Glasses“ im Unternehmen. Ideen wie diese testet BLG Logistics seit 20 Monaten in seinen 100-Tage-Projekten.

Fotos: BLG Logistics

300.000 Quadratmeter Hallenfläche allein für die Autoteilelogistik bewirtschaftet BLG Logistics in Bremen. Pro Jahr werden über 40.000 Container mit Fahrzeugteilen bestückt und just-in-time den Werken in Asien, Amerika und Afrika zugeführt. „Puzzling“ – lautet der Name für die Entwicklung von Verpackungslösungen in diesem operativen Geschäft. So gibt es verschiedene Packmodi, außerdem spielt der Inhalt der Packstücke eine Rolle: „Neben kostenoptimierter Verpackung und dem optimalen Handling ist die Sicherstellung der Teilequalität bei dieser Arbeit das oberste Gebot“, erklärt Jakub Piotrowski, Leiter des Innovationsmanagements bei BLG. Detaillierte Anleitungen zeigen, wie die verschiedenen Teile verpackt werden sollen, wie viele ,wie angeordnet in ein Packstück gehören – bisher als seitenlange Erklärung auf Papier. Wenn sich die Mitarbeiter in den vergangenen Monaten auf ihre Schicht vorbereitet haben, gehörte eine Datenbrille zur Arbeitsausstattung. Auf ihr zu sehen: eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum richtigen Verpacken. „In der ersten Projektphase lässt sich zwischen den einzelnen Steps durch Tippen an der Brille vorwärts und rückwärts durch die Arbeitsanweisung navigieren“, führt Piotrowski aus. „So haben die Mitarbeiter einerseits ihre Hände zum Verpacken frei, andererseits reduziert der Einsatz von Datenbrillen auch die Einarbeitungszeit für neue Mitarbeiter. Denn sie werden Schritt für Schritt in ihrer Arbeit begleitet.“

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100 Tage von der Idee bis zum Einsatz

Ideen wie diese testet BLG Logistics in seinen 100-Tage-Projekten – von der Idee bis zum konkreten Einsatz bleiben nur 100 Tage. Doch wie entstehen Ideen und vor allem, was passiert mit ihnen im Unternehmen? „Entscheidend ist nicht so sehr der Auslöser, sondern vielmehr, was später mit dieser Idee geschieht“, betont Jakub Piotrowski. „Denn nur, wenn Ideen kanalisiert, bewertet und umsetzbar gemacht werden, kann ein Unternehmen davon profitieren – und aus einer Idee kann eine Innovation werden.“

Auch bei BLG Logistics entstehen unternehmensweit Ideen, aber ein Dreh- und Angelpunkt ist das fünfköpfige BLG-Innovationsteam. „Innovation fand bisher weitgehend dezentral statt“, so Piotrowski. „In einem so großen Unternehmen mit so vielen Geschäftsfeldern und Standorten wie der BLG sollten gute Ideen allen zugutekommen.“ Daher trifft sich das Innovationsteam jede Woche. Vorher hat die Innovations-Community, aus Vertretern der BLG-Geschäfts- und Fachbereiche, schon einen Blick auf die Ideen geworfen. Das Innovationsteam prüft die Vorschläge dann genau. Vielversprechende Technologien sollen so schnell als Versuchsmodell getestet werden. „Wir sind da sehr strikt, 100 Tage und keinen Tag mehr“, versichert Piotrowski. Der Grund: „Bei digitalen Themen spielt die Geschwindigkeit der Umsetzung eine wichtige Rolle – was nützt die beste Idee, wenn sie veraltet ist.“

„Bei digitalen Themen spielt die Geschwindigkeit der Umsetzung eine wichtige Rolle – was nützt die beste Idee, wenn sie veraltet ist.“

Jakub Piotrowski Leiter Innovationsmanagement BLG Logistics

Zusammenarbeit mit Start-ups

Wie bei BLG aus einer Idee eine Innovation wurde, zeigt auch der Einsatz von Drohnen zur operativen Unterstützung. Seit 2016 unterstützen Drohnen die unterjährige Inventur und wöchentliche Regalkontrollen im Logistikcenter von BLG Emmerich. Früher musste im Blocklagerbereich, in dem ständig Bewegung ist, ein Stapler die Kisten auseinanderfahren und die Paletten abstellen. Danach fuhr ein Mitarbeiter mit dem Hubwagen nach oben, um einen Karton zu kontrollieren – Aufwand, der durch den Einsatz einer Drohne reduziert wurde. Vier Mitarbeiter wurden zu Drohnenpiloten ausgebildet. Dieses Projekt war auch das erste, in dem BLG eng mit einem Start-up zusammengearbeitet hat, dem Flugroboter-Start-up „Sitebots“. „Diese Kooperation ist für uns ganz wichtig“, so Piotrowski. „Damit wir kreativ werden können, braucht es gewisse Voraussetzungen wie Offenheit, Neugierde oder Unkonventionalität. Dafür sind junge Unternehmen natürlich prädestiniert.“

Papierlose Transporte

Neben den 100-Tage-Projekten beschäftigt sich BLG Logistics auch anderweitig mit Logistiklösungen durch digitale Technologien Wirkt eine Idee vielversprechend, setzt das BLG-Team ein Forschungsprojekt auf, so auch bei „

– Papierlose Transporte“. Piotrowski: „Ein Lkw-Transport kann ganz schön lange dauern. Dabei ist die Entfernung gar nicht das wesentliche Problem. Was vor allem Zeit und Nerven kostet, sind die aufwendigen Formalitäten, die alle Beteiligten bewältigen müssen.“ Gemeinsam mit Daimler Trucks hat BLG Logistics eine cloudbasierte Plattform entwickelt, die in Echtzeit sämtliche Auftragsdaten abbildet. Per App haben so alle Beteiligten stets Zugang zum Stand der Dinge.

100-Tage-Projekte

Mithilfe eines 3D-Druckers in der Bremer Ausbildungswerkstatt können die Lehrlinge Zeichnungen und Modelle zum Leben erwecken. Das Drucken von Ersatzteilen ist eine weitere mögliche Anwendung. Zudem entwickelt die BLG, gemeinsam mit dem Deutschen Institut für KI und der Youse GmbH, ein sogenanntes Exoskelett. Neben dem Forschungsprojekt gibt es dazu auch ein 100-Tage-Projekt.

Weitere Forschungprojekte

Im Projekt „Isabella“ werden IT-Werkzeuge für die Planung und Steuerung des BLG AutoTerminals Bremerhaven entwickelt. Mit „IRiS“ entsteht ein Prototyp zur automatischen Entladung von Kartonagen aus Containern und Wechselbrücken. Das Team von „Kali“ arbeitet daran, durch den Einsatz von Exoskeletten Mitarbeiter zu entlasten. „Isabella“, „IRiS“ und „Kali“ werden vom deutschen Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) gefördert.

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