Hellmann Innovation Day

Martin Schrüfer,

Auf Kurs in Richtung Zukunft

Am 28. März fand in Osnabrück der erste Hellmann Innovation Day statt. Im Rahmen einer Ausstellung wurden neue Technologien von verschiedenen Herstellern und Kooperationspartnern vorgestellt. Dazu gab es eine Reihe von Gastvorträgen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

© Hellmann


Der Vorstandsvorsitzende, Reiner Heiken, stellte in seiner Begrüßung den rund 150 Gästen Hellmann als Unternehmen vor. Im Rahmen des Innovation Day präsentierte Hellmann neue Technologien, die schon heute Anwendung finden oder noch in der Probephase sind: Smart Visibility, Logistic Lights, Smart Glasses sowie vielversprechende E-Mobility-Konzepte wie das Lastenrad der Firma Rytle oder der E-Lkw von BPW sind nur einige in der Ausstellung präsentierten Beispiele, die bei Hellmann bereits zum Einsatz kommen. „Nur wer Trends setzt, erkennt und mitgeht, kann sich langfristig am Markt behaupten. Das gilt heute mehr denn je“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende. „Unsere Aufgabe ist es, Zukunftsthemen wie die Digitalisierung, Big Data und KI in unserer Unternehmensstrategie zu verankern“, so Reiner Heiken weiter. Als gelernter Nautiker sei er bestens damit vertraut, den Kurs zu bestimmen. Für Hellmann lote er derzeit aus: „Wo stehen wir heute?“ Noch wichtiger zur Navigation aber sei die Frage: „Wo wollen wir hin?“

Wissenschaft bietet Kompass
Einen Kompass für den Kurs in Richtung „Digitalisierung der Logistik“ stellte Prof. Dr. Stölzle von der Universität St. Gallen vor. Die gleichnamige Kooperationsstudie untersuchte den ­Reifegrad und die Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien und ordnete diese in einen „Hype Cycle“ ein. Festzustellen sei, dass es viele Innovationen gebe, deren Potenzial noch nicht ­völlig ausgeschöpft werde. Gleichzeitig würden viele Themen „heißer gekocht als gegessen“, so der Schweizer Professor.
Welchen Nutzen die Trends der Logistik tatsächlich bringen, erläuterte Prof. Dr. Schüller von der Hochschule Osnabrück. Er kartierte die Begriffe „Blockchain“, „Robotics“ „Künstliche ­Intelligenz“ und “Big Data“ in einem Koordinatensystem, um ihren Grad an Nachhaltigkeit, Vernetzung, Individualität, Automatisierung und Transparenz zu messen. Besonders in puncto Transparenz könne man einen echten Mehrwert schaffen.
Um Kurs zu halten, braucht es sichere Fahrrinnen, die von der Politik abgesteckt werden müssen. Vor diesem Hintergrund waren Dr. Herbert Zeisel vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie Stefan Muhle, Staatssekretär im Niedersächsischen Minis-terium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung als Gastredner zugegen. Dr. Zeisel betonte die Bedeutung einer fundierten Ausbildung von Fachkräften, um menschliche Fähigkeiten und Künstliche Intelligenz bestmöglich zu verzahnen. Stefan Muhle komplettierte die politische Perspektive mit seinem Appell an den deutschen Mittelstand, die Dinge mutig voranzutreiben. Hellmann sei mit seinem Engagement ein gutes Beispiel für zukunftsorientiertes, unternehmerisches Handeln.

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Beispiele aus der Praxis
Wie weit Hellmann in der Praxis gekommen ist, wurde anhand von Fallbeispielen skizziert, beispielweise im Rahmen der ­Präsentation erster Erkenntnisse aus dem Feldversuch rund um den mit einer E-Achse nachgerüsteten MB Vario. Hellmann ist das erste Unternehmen, das diesen Prototypen des E-Lkw ­derzeit an unterschiedlichen Standorten mit den jeweils vari­ierenden Anforderungen testet. Weitere neue Technologien, die dem interessierten Fachpublikum vorgestellt wurden, waren die „Logistic Lights“ sowie das Projekt „Glasshouse“.

Projekt Glasshouse
Seit 2015 testet Hellmann die Verwendung von Datenbrillen. Im Rahmen des Innovation Days konnten die Besucher die Datenbrille selbst ausprobieren. Durch die Datenbrille erhält der Nutzer Infos direkt aufs Auge. Die Brille lässt sich per Hand, Gesten- oder Sprachsteuerung bedienen. Die Arbeitsanweisungen kommen in Echtzeit aus der Cloud. Außerdem ermöglicht sie auch das Scannen von Barcodes oder Video-Anrufe. Der absolute Mehrwert besteht im „Hands-free-Aspekt“, wodurch der Nutzer wertvolle Zeit einsparen kann.

Logistic Lights mit Symbic
Die „Logistic Lights“ sind handelsübliche Spotlights. An­geschlossen an das Lagerführungssystem wird daraus ein effektives Werkzeug zum Erkennen von Stellplätzen. Per Scan eines Artikels mit dem MDE oder Fingerscanner weiß der Spot, ­welcher der Kartonstellplätze angeleuchtet werden muss, sodass die Kommissionierer auf einen Blick sehen, wo sie den Artikel einsortieren müssen. Neben der intuitiven Bedienung zeichnet sich das System durch hohe Flexibilität aus. Das Start-Up ­Symbic hat die „Logistic Lights“ zusammen mit Hellmann für die Kontraktlogistik entwickelt.

Smart Visibility
Bei „Smart Visibility“ handelt es sich um ein Live-Sendungsverfolgungsdienst, der es ermöglicht, den Standort, Zustand und die Sicherheit von Sendungen in Echtzeit überall auf der Welt zu bestimmen. Der Clou ist das innovative ­Retourenmanagement: Das postkartengroße Gerät lässt sich nach Gebrauch in den nächsten Briefkasten werfen und so ohne weiteren Aufwand durch den Nutzer zurückschicken. Mit der neuen Trackingbox können Kunden ­ihre Warenströme inner-halb komplexer Lieferketten lückenlos ver-folgen und auf Basis von Echtzeit-Daten ihr Supply Chain- und Storage-Management optimieren. Die Box liefert Details zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Erschütterung, Lichteinfall, Türöffnungen und Abweichungen vom Zeitplan.

E-Mobility im Nahverkehr
Nach einigen Anpassungen am Fahrzeug ist der Elektro-Lkw der BPW seit März in Lehrte im Einsatz. Hier werden unter anderem Daten zu Ladezeiten, Reichweite, optimalen Tourenstrukturen gesammelt. Zum Innovation Day wurde der MB ­Vario mit der nachgerüsteten eTransport-Achse nach ­Osnabrück transportiert. Der Antrieb des 7,5-Tonners funktioniert voll­elektrisch, gewinnt Bremsenergie zurück und ver-bessert die Manövrierfähigkeit des Transporters, indem er das Lenkverhalten aktiv über die Hinterachse unterstützt (Torque Vectoring). Die Reichweite beziffert BPW auf rund 100 Kilometer bei einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Das Fahrzeug wird nach dem Test in Lehrte noch in Osnabrück und Bielefeld eingesetzt.

City-Logistik mit Rytle
Die City-Logistik erfordert in Zeiten der Feinstaub- und ­Diesel-Diskussion neue Konzepte für die letzte Meile. Ein ­häufig beschworenes Mittel für saubere Transporte sind Lastenräder. Mit Rytle und weiteren Bremer Institutionen arbeitet Hellmann derzeit am Projekt „Urban-BRE“, das vom Bremer Senat gefördert wird. Kernidee des Konzepts ist es, die Bremer Innenstadt durch die Verknüpfung verschiedener „grüner ­Verkehrsträger“ mit Stückgut zu beliefern. An sogenannte ­Micro-HUBs in der City werden die Sendungen final kom­missioniert und schließlich per Lastenrad zugestellt.

Den Abschluss des Innovation Days markierte eine ­Podiumsdiskussion mit Gastgeber Matthias Magnor, COO Road and Rail, Stefan Muhle, und Prof. Dr. Franz Vallée, ­BVL-Sprecher Regionalgruppe Münster/Osnabrück. „Inno­vationen sind ein Bündnis mit der Zukunft“, so Magnor in seinen Schlussworten. Ein treffendes Fazit für diesen Tag voller Blicke in die Zukunft der Logistik.

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