Kontraktlogistik

Digitales Öl schmiert das operative Getriebe

Die Kontrakt- und auch Beschaffungslogistk ist ein besonders personalintensiver Bereich im Porfolio der großen Logistik-Dienstleister. Das gilt auch für die Schenker Deutschland AG. Umso wichtiger ist es, die personellen und infrastrukturellen Ressourcen besonders effizient und strategisch sinnvoll einzusetzen.

Foto: Schenker Deutschland
Foto: Schenker Deutschland

Mit dem Ziel die Effizienz der Prozessleistung des Kontraktlogistikbereichs zu steigern, wird bei Schenker Deutschland seit 2016 ein Decision Support Tool eingesetzt. Dieses bringt die Logik und die Optimierungsmöglichkeiten der Simulation in das Tagesgeschäft von Transport und Lager.

Effizienz durch datenbasierte Entscheidungen

Decision Support Systeme, zu deutsch Entscheidungsunterstützungssysteme sind Softwaresysteme, die innerhalb einer operativen oder strategischen Aufgabenstellung relevanten Informationen ermitteln, aufbereiten, übersichtlich zusammenstellen und bei der Auswertung helfen. Ziel ist es, dem Verantwortlichen eine objektivere Basis für seine Entscheidungen zur Verfügug zu stellen. Zu Decision Support Systemen gehören unter anderem Funktionen zur Sortierung und Filterung von Daten, ihre übersichtliche Darstellung sowie mathematische Auswertungsmöglichkeiten. Weitergehende Funktionen erlauben die Ausführung von Modellrechnungen (Szenarien, Prognosen) und je nach Einsatzgebiet auch die Anwendung von Optimierungsalgorithmen.

Decision Support im Warehouse

Zum Einsatz von Decision Support Tools in der Kontraktlogistik sprach Materialfluss mit Thomas Reppahn, er ist bei der Schenker Deutschland AG als Leiter Zentrale Logistics Product and Process Management tätig. In dieser Funktion begleitet und berät er und sein Team Pilotprojekte innerhalb des Unternehmens. Zugleich ist er als Praxispartner für die Zusammenarbeit mit dem Fraunhoferinstitut IML in Dortmund verantwortlich und als Referent bei wissenschaftlichen Veranstaltungen zu diesem Thema unterwegs. So zuletzt Anfang März 2017 beim 5. Kongress „Ressourceneffiziente Produktion – Mehrwert Digitale Fabrik“, den der Fraunhofer-Verbund Produktion in Leipzig veranstaltet hat.

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Materialfluss: Ein Decision Support Tool muss gefüttert werden. Welche Daten sind beim Einsatz in der Kontraktlogistik gefragt? Thomas Reppahn: Es geht um zahlreiche Inputfaktoren rund um die Tagesplanung, die durch die Betriebsleitung einer Geschäftsstelle oder eines Logistikzentrum in das „Decision Support Tool“ übertragen werden. Das sind unter anderem die Schichtplanung, die Mitarbeiterqualifikationen, Informationen zur Tourenplanung, die Rampenbelegung und vieles mehr.

MFL: Wie erfolgt die Dateneingabe? Manuell? Über Schnittstellen zu vorhandenen Systemen? Reppahn: Am Pilotstandort werden einige Informationen bereits elektronisch aus den Vorsystemen abgezogen – zum Beispiel Tourenplanung – andere wie die Schichtplanung können über Excel-Uploads eingefügt werden.

Thomas Reppahn
„Das Tool bietet Fakten, wo vorher eher das „Bauchgefühl“ die entscheidende Rolle gespielt hat.“

Thomas Reppahn Leiter Zentrale Logistics Product and Process Management Schenker Deutschland AG

MFL: Und dann spuckt das System die fertige Planung für den Tag aus?

Reppahn:

Nein, das Tool nimmt den Kollegen ja die Entscheidung nicht ab, sondern bereitet eine Entscheidung durch den Verantwortlichen vor. Das tut es aber sehr übersichtlich und unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Parametern und Variablen. Das Decision Support System lässt in einem ersten Schritt den folgenden Planungsabschnitt – in der Regel eine Schicht oder einen Tag – durch Simulationsroutinen abspielen und gibt Feedback über erfolgskritische Faktoren.

MFL: Das Tool sieht also voraus, wo es im Laufe des Tages zu echten Engpässen und gegebenfalls in der Folge zu Verzögerungen kommen kann. Reppahn: Ja, aber das ist nur der erste Schritt. Durch erneute Eingabe von nun verbesserten Planungsparametern kann das Endergbnis optimiert werden. Durch diesen iterativen Prozess nähert sich der Verantwortliche dem Optimum. Die letztendliche Entscheidung für oder gegen den Einsatz entsprechender Ressourcen trifft der operative Leiter selber. Wie gesagt das System soll bei den Entscheidungen unterstützen, nicht die Entscheidung abnehmen.“

„Enorme Potenziale in Bezug auf optimierten Ressourceneinsatz und Qualitätssteigerung“

MFL: Aber überschaut es denn wirklich mehr als ein erfahrener Disponent oder Betriebsleiter?

Reppahn:

Das Tool bietet eine faktenorientierte Entscheidungsgrundlage, wo vorher eher das „Bauchgefühl“ die entscheidende Rolle gespielt hat. Erfahrung ist in unserem Geschäft, eine wertvolle Voraussetzung für richtige Entscheidung. Es gibt aber immer wieder neue Anforderungen oder sich ändernde Rahmenbedingungen bei denen bewährte Entscheidungs- und Aktionsmuster nicht mehr ausreichen. In der Praxis zeigt sich, dass ein solches Tool für erfahrene Anwender in etablierten Umgebungen „Neuland“ darstellt, das mit einem Mischgefühl aus Skepsis, aber auch Neugier begegnet wird. Wenn anfängliche Berührungsängste überwunden sind, zeigen sich enorme Potenziale in Bezug auf optimierten Ressourceneinsatz, Qualitätssteigerung und Risikovermeidung.

MFL: Greifen Sie bei diesem Tool auf eine Standard-Software zurück? Reppahn: Das Tool, das wir derzeit als Pilot im Einsatz testen, wurde von uns zusammen mit den Spezialisten des Fraunhoferinstituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund entwickelt und umgesetzt. Speziell das supplementäre Lagerassistenzsystem, das die Eingaben in die Simulation steuert, ergänzt sich bestens mit dem von uns aufgesetzten Simulationssystem. Das System wurde 2016 als Prototyp an einem Standort der Konsumgüterindustrie eingeführt, der uns mit seinen 200 Mitarbeitern umfangreiche Praxismöglichkeiten bot. Derzeit führen wir den Transfer an einen Standort in Sachsen ein, der uns ermöglicht, auch Schenker-Leistungen aus der Sparte Landverkehr einfließen zu lassen.

MFL: Wurden auf Basis der Praxiserfahrungen schon Änderungen am Tool vorgenommen? Reppahn: Ja, in verschiedenen Vorort- Terminen wurden Anforderungen aufgenommen und entweder in das Simulations- oder der Assistenzsystem eingebaut. Hier lieferte der Pilotstandort wertvollen Input. Das gilt auch seitens unserer Partner des Fraunhofer IML, die sehr praxisorientiert arbeiten und neugierig auf Feedback aus der realen Anwendung sind.

MFL: Vielen Dank für das Gespräch.

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