Energiezuführung/Motoren/Antriebe
Stilvoll zur Energie
Alle zwei Meter Rinnensegmente statt durchgehender Stahlrinne – so sieht die neue Energiekette der Regalbediengeräte „viapal“ aus. Der Vorteile: Mehr Betriebssicherheit, weniger Geräusche und schnellerer Service.

Bei vertikalen Energieketten-Anwendungen werden die Masten immer höher, die Verfahrwege immer länger, und das alles bei hohen Geschwindigkeiten und rasanten Beschleunigungen. Schnell kann es passieren, dass – vor allem bei heftigen Querbeschleunigungen – die Energiekette seitlich ausschwingt, zum Beispiel in Richtung Regalkonstruktion. Schlägt sie dann auch noch an Metallträger oder Paletten, ist bei so viel Dynamik ein Kettenbruch vorprogrammiert. Um dies zu verhindern, hat Energieführungsexperte igus GmbH, Köln, das System „Guidelok Slimline (SL)“ entwickelt. In Mast- und Turmhöhen von 40 Metern und mehr bleibt die Kette immer sicher in der Spur.
Im Frühsommer letzten Jahres ist bei einem Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, das im medizinischen Sektor tätig ist, ein dreigassiges automatisches Palettenlager (APL) in Betrieb genommen worden. „Hier werden diverse Grundstoffe eingelagert“, berichtet Sven Wehrle, Leiter Fertigung und Montage von viastore systems GmbH, Stuttgart. Das dreigassige automatische Palettenlager (APL) von viastore bietet rund 4.000 Stellplätze. Das Unternehmen liefert dabei die Systemlösung, die unter anderem aus drei Standard-Regalbediengeräten (RBG) mit Namen „viapal“ besteht.
Die Investition in ein APL bringt dem Kunden viele Vorteile, so viastore. Es werden nicht nur die eigenen Produktionsprozesse effizienter und sicherer. Vor allem steigen auch Durchsatz, Transparenz und damit die Wirtschaftlichkeit. Eine hohe Transparenz führt dazu, dass Lagerbestände flexibel an die tatsächlichen Bedürfnisse eines Unternehmens angepasst werden. Herzstück jedes APL sind die RBGs, die für eine schnelle und flexible Lagerlogistik sorgen. „Diese müssen zu jedem Zeitpunkt absolut zuverlässig funktionieren, eine hohe Verfügbarkeit garantieren und überdies einfach zu bedienen sein“, sagt Sven Wehrle.
Zur Energie- und Datenführung kommen in allen RBGs von viastore seit vielen Jahren robuste Energiekettensysteme von igus zum Einsatz. „Seit mehr als 15 Jahren arbeiten wir bereits partnerschaftlich zusammen“, berichtet Wehrle. So setzt viastore zum Beispiel schon seit mehreren Jahren komplett vorkonfektionierte Energiezuführungssysteme ein, die termingerecht von igus direkt an die Maschine geliefert werden. Dort werden sie dann nur noch montiert.
In den RBGs des Lagerspezialisten, mehrere unterschiedliche Gerätetypen gibt es, beweisen zurzeit Energiezuführungen der Serie „E2/000“ ihre Funktionssicherheit. Sie sind im Innenradius aufklappbar. „Das hat vor allem im Servicefall Vorteile“, erklärt Wehrle. „Der Austausch einer defekten Leitung geht dann äußerst schnell vonstatten.“ Eine variable Innenaufteilung, eine lange Lebensdauer durch eine hohe mechanische Stabilität, ein ruhiger Lauf, vielfältige Befestigungsmöglichkeiten sowie eine leichte und vielseitige Montage seien weitere Vorteile.
Sven Wehrle: „Die Energiezuführungen müssen je nach Einsatzort einem breiten Temperaturbereich, Schwingungen und hohen Beschleunigungen unserer Geräte standhalten“. Das RBG „viapal“ zum Beispiel, das zu 90 Prozent Paletten aller Art einlagert, kommt auf eine Gerätehöhe bis 43 m, Beschleunigungen bis 0,5 m/s2 und Fahrgeschwindigkeiten bis 4 m/s. Die Hubbeschleunigung beträgt bis 1,5 m/s2 und die Hubgeschwindigkeit bis 1,33 m/s. Diese Werte können noch gesteigert werden. Beim hochdynamischen Kleinteilegerät „viaspeed“ liegt die Beschleunigung bei mehr als 3,0 m/s2 und die Fahrgeschwindigkeiten bei über 6 m/s. Die Hubbeschleunigung beträgt 3,0 m/s2 bei einer Hubgeschwindigkeit von bis 3 m/s.
Beim Unternehmen aus der Medizinbranche, ein Kunde von viastore, beträgt die Gerätehöhe rund 15 m. Gearbeitet wird dort im Einschichtbetrieb. Das RBG „viapal“ stapelt doppelt tief ins Regal zwecks effizientem Handling von zwei Euro-Paletten, deren Gewicht jeweils bei bis zu 1.000 kg liegt. Alle Energiezuführungen sind hier von igus mit „Chainflex“-Steuerungs-, Bus- und Geberleitungen befüllt. Hinzu kommen eine Spannungsversorgung für die Teleskopgabel sowie Stecker für die Anschlüsse. „Früher haben wir das alles selber konfektioniert“, berichtet Sven Wehrle. „Heute nutzen wir das vorkonfektionierte „ReadyChain“-System von igus. Wir hatten die Lösung vor Jahren mit unseren Ansprechpartnern gemeinsam erarbeitet. Von Anfang an hat sich das im Betriebsalltag bewährt.“
Die Produktentwicklung freilich geht immer weiter. „Der uns zur Verfügung stehende Platz reduziert sich immer mehr“, sagt Wehrle, „die Gassen werden immer schmaler. Wenn der Kunde beispielsweise ein Kleinteilelager mit „viaspeed“ betreiben will, dann kommen kleinere Ketten mit engeren Biegeradien zum Einsatz. Igus bietet da eine sehr große Auswahl an entsprechenden Ketten und Leitungen an.“ Die „Chainflex“-Leitungen der Kölner zeichnen sich durch hohe Langlebigkeit aus bei gleichzeitig engen Biegeradien. Das RBG-Gesamtgewicht sinkt, die Leistungsdaten bleiben gleich.
Durchgehende Rinne einsparen
Im vergangenen Jahr ist der Lagerspezialist auf eine Neuentwicklung mit Namen „Guidelok Slimline (SL)“ von igus aufmerksam worden. Fertigungs- und Montageleiter Wehrle: „Früher hatten wir die Energiekette wegen der Schwingungen in einem gekapselten Rinnensystem geführt, das bei der Montage vor Ort aufwändig installiert wurde.“ Auf diese Einhausung verzichtet viastore heute. Jetzt ist dort keine durchgehende metallische Rinne mehr erforderlich, wodurch sich auch die Rinnenkosten deutlich reduzieren. Möglich ist das aufgrund einer konstruktiven Neuerung, bei der sich mittels Kunststoff-Wippen die Energiekette im Energiezuführungssystem selbst verriegelt.
Wippen fixieren Energiekette
Beim neuen „SL“-System von igus verfährt die Kette frei zwischen kleinen, rostfreien Stahlrinnensegmenten. Diese einfach zu montierenden und nach Herstellerangaben kostengünstigen Führungseinheiten müssen nur im Abstand von 2 m angebracht werden. Zwei durch den Radius automatisch betätigte Wippen in den Rinnensegmenten fixieren die Energiekette. Die Kunststoff-Wippen – Herzstück des Systems – bilden einen Verriegelungsmechanismus, der wie folgt funktioniert: Fährt die Kette durch das Rinnensegment, wird die Wippe nach außen gedrückt. Danach fährt die Wippe wieder zurück und arretiert die Kette. Mal befinden sich die neuartigen Wippen also in Ruhestellung, mal werden sie aktiv. Das sorgt nicht nur für Betriebssicherheit, sondern wirkt sich durch den ruhigen Kettenlauf auch stark Geräusch reduzierend aus.

Überdies ist die Energiekette im Servicefall deutlich einfacher zugänglich, da sie nicht mehr in einer durchgehenden Rinne liegen muss. Sven Wehrle: „Wir sind von dem neuen System überzeugt. Es kommt heute bei allen unserer RBGs zum Einsatz. Wir haben berechnet, dass wir dadurch rund 50 Prozent Montagezeit bei der Energiezuführung einsparen.“
viastore systems GmbH, E-Mail: [email protected], www.viastore.de
igus GmbH, E-Mail: [email protected], www.igus.de










