Aus materialfluss 1-2/2020

Industriegebäude ganzheitlich vor Feuer schützen

Ein wirkungsvoller Brandschutz in Betriebs- und Lagerhallen ist enorm wichtig. Dabei gibt es ­ jedoch einiges zu beachten. Bei frühzeitiger Einbindung erarbeitet SSI Schäfer in Kooperation mit Brandschutzexperten individuelle Lösungen. Die wichtigsten Brandschutzelemente im Überblick.

Brandschutz im Lager gewinnt an Bedeutung. © SSI Schäfer

Beim Brandschutz von Betriebs- und Lagerhallen ­spielen viele Faktoren eine Rolle – von der Bau­substanz über die Nutzung bis zu den gelagerten ­Gütern. Informationen dazu, welche Brandschutz­auflagen für bestehende Betriebsgebäude gelten, ­liegen dem Eigentümer vor oder können in Archiven der Baubehörden eingesehen werden. Ebenfalls können Vorgaben der Sachversicherer oder Kundenvorgaben relevant sein. Bei Neubauten oder Nutzungsänderungen muss ein Brandschutzsachverständiger - in einigen Fällen auch ein Prüf­­sach­verständiger - der Baurechtsbehörde individuell feststellen, wie Menschen und Werte im Brandfall optimal geschützt werden können. Gesetzliche Vorgaben finden sich beispielsweise in den Landesbauordnungen und Industriebaurichtlinien der ­je­­­wei­ligen Bundesländer. Hier sind vor allem drei wichtige Elemente ­definiert, die für einen wirkungsvollen Brandschutz nahtlos ­ineinandergreifen müssen:

-Baulicher Brandschutz

-Technischer Brandschutz

-Organisatorischer Brandschutz

Die Grundlage für den Schutz eines Gebäudes vor Feuer ist der bauliche Brandschutz. Darunter fällt etwa die Auswahl der verwendeten Baumaterialien und die Art der Konstruktion. Zudem gibt es Vorgaben, Gebäudeteile in Brandabschnitte zu unter­teilen. Für diese sind Maximalgrößen in den Industriebauricht­linien bezogen auf die Grundfläche festgelegt. Die Risiko­betrachtung des Schadensereignisses verändert sich mit der Brandabschnittsfläche und hat direkten Einfluss auf das Brandschutzkonzept. Zur Abgrenzung der Brandabschnitte sind Brandwände erforderlich. Sie sollen verhindern, dass sich das Feuer auf andere Gebäudeteile ausbreitet – je nach Anforderung müssen Brandwände im Brandfall über einen Zeitraum von 90 Minuten oder sogar 180 Minuten bei Komplextrenn­wänden statisch dem Feuer widerstehen und dabei auch noch einer mechanischen Belastung standhalten.

Anzeige

Brandlast ermitteln
In der Industriebaurichtlinie gibt es drei Verfahren, um den Brandschutz zu bewerten. Zum einen gibt es ein flexibles Verfahren mittels einer Tabelle, in der anhand der Grundflächen Brandabschnittsflächen definiert werden und die dem Betreiber eine flexible Nutzung des Gebäudes ermöglichen. Eine zweite Betrachtungsmöglichkeit ist die Berechnung der Brandlast. Die Brandlast wird unter anderem benötigt, um zu bewerten, wie lange die Baukonstruktion einem Brand standhält. Bei einer Begutachtung vor Ort nehmen Brandschutzexperten alle potenziellen Brandlasten auf und ermitteln nach klar definierten ­Rechenmethoden die möglichen Größen der Brandabschnittsflächen. Als drittes Verfahren zur Ermittlung der Brand­abschnittsgröße und der Bauwerksanforderungen gelten die anerkannten Ingenieur­methoden, die es ermöglichen, flexible Konzepte zu gestalten.

Der technische Brandschutz ergänzt den baulichen Brandschutz. Die Installation automatischer Feuerlöschanlagen und Brandmeldeanlagen ermöglicht es, Brandabschnittsflächen entsprechend zu vergrößern – beispielsweise, wenn eine Abtrennung mit Brandwänden nicht möglich ist. Automatische Brandmeldeanlagen melden einen Brand und alarmieren gesichert die Feuerwehr. Automatische Feuerlöschanlagen sind selbst aktiv bei der Brandbekämpfung beteiligt. Im Brandfall entladen sie Löschmittel wie Wasser, Schaum, Netzmittel und Pulver direkt auf den Brandbereich und versuchen, das Feuer einzudämmen und das Schadensereignis zu reduzieren.

Das dritte Element ist der organisatorische Brandschutz wie zum Beispiel Schulungen und Ausbildung der Mitarbeiter zum Brandschutz- und Evakuierungshelfer. Die Ausbildung und Erfordernis ist in verschiedenen Vorschriften gesetzlich geregelt und vorgegeben. Zum organisatorischen Brandschutz gehört auch die zielgerichtete Ausstattung des Unternehmens mit Flucht- und Rettungsplänen, Handfeuerlöschern und die Vorhaltung eines Brandschutzbeauftragten, der die Umsetzung der verschiedenen Vorgaben überwacht und diese auch über den Lebenszyklus des Gebäudes sicherstellt.

Stahlblechbehälter mit Wasserablauflöchern – im Bild eine Demon­­stration auf dem SSI Schäfer Messestand auf der FachPack 2019. © SSI Schäfer

Stahlbehälter: Hoher Feuerwiderstand
Stahlbehälter von SSI Schäfer erfüllen bei Transport und Lagerung von Waren hohe Ansprüche – sie sind robust und langlebig. Zudem bieten die Metallbehälter wichtige Vorteile beim Brandschutz. Sie schützen Waren, helfen bei der Brandbekämpfung und bieten im Gesamtkontext betrachtet häufig Kostenvorteile. Aufgrund ihres höheren Feuerwiderstands bieten Stahlblechbehälter den in ihnen gelagerten Waren wesentlich besseren Schutz vor Flammen als Behälter aus Kunststoff und tragen als weitere Brandlast nicht noch zusätzlich zum Brand bei. Selbst bei Temperaturen bis 1.500 Grad Celsius behalten Behälter aus Stahl dauerhaft ihre Nutzungseigenschaften. Kunststoffbehälter halten hingegen nur maximalen Temperaturen zwischen 200 und 300 Grad Celsius stand.

Wasserablauf gewährleisten
Gestapelte Blechbehälter oder Regaleinlagen aus Blech bieten aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit eine wirksame Feuer-Barriere, die sich gezielt sowohl horizontal als auch vertikal beim Schutz vor übergreifenden Flammen einsetzen lässt. Gelochte Stahlblechbehälter sind zudem durchlässig für Löschwasser, weshalb sie sich nicht mit Wasser füllen können. Füllen sich ­ungelochte Behälter mit Löschwasser, kann es durch das zusätzliche Gewicht zu einer Überlastung der Regalanlage kommen.

Geringere Versicherungssumme
Stahlblechbehälter sind in der Anschaffung teurer als Kunststoff, bieten jedoch aufgrund ihrer Stabilität eine wesentlich längere Nutzungsdauer. Auch beim Brandschutz bringen Be­hälter aus Stahl finanzielle Vorteile, denn aufgrund ihrer ho­hen Brandschutzklasse können sie die Versicherungssumme erheblich verringern. Darüber hinaus hat Stahl einen beständigen Materialwert – selbst nach einem Brand lassen sich die Behälter zu 99,9 Prozent recyceln.

Rechtzeitig Spezialisten hinzuziehen
Daniel Morent, Head of Sales Product & Equipment HUB DE bei SSI Schäfer, sieht seitens der Unternehmen einen großen Informationsbedarf: „Das Thema Brandschutz ist sehr umfangreich und gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Idealerweise sollten sich Unternehmen bei geplanten Veränderungen im ­Lager frühzeitig beraten lassen, denn häufig sind große Kostenunterschiede möglich, wenn rechtzeitig eine ganzheitliche ­Betrachtung vorgenommen wird. Wichtig ist, immer einen ­Spezialisten hinzuzuziehen. Daher arbeiten wir bei SSI Schäfer in enger Kooperation mit etablierten Partnern beim Thema Brandschutz zusammen.“

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Brandschutz

Sauerstoff reduzieren, Brände verhindern

Wer am Komsa-Stammsitz im sächsischen Hartmannsdorf vorbeifährt, ahnt nicht, dass inmitten der ländlichen Idylle moderne Lagertechnik Einzug gehalten hat: Seit mehr als einem Jahr wird hier ein AutoStore-Kleinteilelager betrieben. Die kompakte...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem materialfluss NEWSLETTER

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite