Kostenbetrachung bei Logistik-Dienstleistern: Welche Lösungsansätze gibt es?
07.08.2008
Die gestiegenen Spritpreise treiben auch die Logistikkosten in die Höhe. Aber es gibt Möglichkeiten, diesem Trend entgegenzusteuern. Bahn statt Lkw, bessere Ladungsträger oder effizientere Motoren sind zumindest Lösungsansätze.
Die Kosten für Benzin und Diesel unterliegen erheblichen Schwankungen und sind zu einem unkalkulierbaren Kostenfaktor geworden. Das hat unvermeidliche Auswirkungen auf das Transportgewerbe. Zwar können Logistikdienstleiter die Energiepreisentwicklung nicht beeinflussen, sie können jedoch Maßnahmen ergreifen, um zumindest den Kraftstoffverbrauch zu verringern. Materialfluss fragte nach, ob Logistikdienstleister die Kosten einfach an ihre Kunden weitergeben und welche Maßnahmen zur Kompensation noch möglich sind.
Bei der Schenker Deutschland AG beispielsweise schlägt der Treibstoff bei den Stückgut- und Netzwerkverkehren immerhin mit etwa 12 Prozent an den Gesamtkosten für die speditionelle Leistungserbringung zu Buche. Im Bereich der Teil- und Komplettladungsverkehre liegt der Anteil deutlich höher. Im Januar 2007 hat das Unternehmen deshalb erstmals eine variable Methodik zur Berechnung eines separaten Treibstoffzuschlags eingeführt – das Floating- Modell. Zur Berechnung des Dieselzuschlages orientiert sich DB Schenker am „Index des Statistischen Bundesamtes für Dieselpreise bei Abgabe an Großverbraucher“. Nach dem so genannten Floating-Modell wird der Dieselzuschlag um 0,5 Prozentpunkte erhöht oder gesenkt, wenn sich der Index um vier Prozent nach oben oder nach unten bewegt. Beim Absinken des Preisniveaus profitieren also die Kunden automatisch. Im Gegenzug erhöht sich der Dieselzuschlag, wenn die Energiekosten signifikant steigen. Der Dieselzuschlag wird quartalsweise an die reale Preissituation angepasst. Durch die Anwendung des „Floating-Modells“ wird der administrative Aufwand auf ein Minimum gesenkt.
Auch Hellmann Worldwide Logistics kann die erheblichen Kostensteigerungen für Kraftstoffe und Maut nicht weiter kompensieren und gibt sie an seine Kunden weiter. Dazu hat das Unternehmen mit seinen Kunden ergänzende Tarifvereinbarungen getroffen, welche die Entwicklungen am Ölmarkt und des Dieselpreises berücksichtigen. Die Umsetzungen geschehen häufig mit einer zeitlichen Verzögerung. Bei vertraglich gebundenen Kunden verlaufen die Anpassungen sehr langsam, da häufig Änderungsfristen zu beachten sind. Zwar seinen solche Preisanpassungen nicht besonders attraktiv, die Kunden zeigten jedoch Verständnis.
Ebenso wie Hellmann gibt Dachser die höheren Kostenanteile für Kraftstoff und Lkw-Maut an seine Kunden weiter. Denn die Optimierungspotenziale zur Kostensenkung sind weitgehend ausgeschöpft. Um Fahrzeuge im Nutzlastverkehr möglichst voll auszulasten und damit zugleich höchste Produktivität zu erreichen, werden sowohl bei Dachser als auch bei anderen großen Logistikdienstleitern schon seit Jahrzehnten die Abläufe optimiert, zum Beispiel durch Doppelstockverladungen, Bündelungssysteme, Einrichtung von Hubs, Tourenoptimierung, Cross Docking und Multi-User-Warehouses. “Weitere Optimierungen sind nur noch sehr begrenzt möglich, da die Verbesserungspotenziale weitestgehend ausgeschöpft sind“, unterstreicht Dr. Andreas Froschmayer, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung bei Dachser.
Effizienzsteigerungen bewirken viel – sie reichen aber nicht aus
Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrzeugauslastung werden bei allen großen Logistikdienstleistern schon seit Jahren in einem kontinuierlichen Prozess umgesetzt. Dazu zählt der Einsatz von Telematiksystemen, um den Verbrauch zu reduzieren und Irrfahrten zu vermeiden, ebenso wie Fahrerschulungen und Routen- oder Transportoptimierungen. Eventuell noch vorhandene Einsparpotentiale seien jedoch eher gering und große Effekte kaum zu erwarten, so Hellmann. Bei einigen langen Strecken setzt das Unternehmen verstärkt auch auf die Schiene. So werden seit einigen Jahren Ganzzüge an den großen Standorten in Hamburg, Bremen, Osnabrück und Lehrte abgefertigt. Eine weitere Verlagerung auf die Schiene sei aktuell jedoch nicht möglich, da die Bahn keine weiteren Kapazitäten zur Verfügung stellen könne. Im Transport auf der Schiene sieht auch Dachser derzeit nur in sehr begrenztem Maße eine Alternative zum Lkw-Verkehr, da Pünktlichkeit und höchste Qualität in der Leistungserbringung im Vordergrund stehen.
Für die Geldbörse und die Umwelt gut
Den umweltfreundlichen Schienengüterverkehr nutzt DB Schenker und spart damit gegenüber Lkw-Fahrten im Jahr mehr als vier Millionen Tonnen CO2 ein. Wie wichtig der Transport auf der Schiene ist zeigt, dass der spezifische Energieverbrauch der Güterbahn durch modernere Anlagen, schadstoffarme Lokomotivmotoren und bessere Auslastung der Züge seit 1990 um mehr als ein Drittel reduziert werden konnte. Zusätzlich entlastet DB Schenker die Umwelt durch den „Modal Split“, also die Kombination der Verkehrsträger Lkw, Schiff, Flugzeug und Schiene. Doch damit nicht genug: DB Schenker verringert dank der „Flüsterbremse“ den Güterverkehrslärm um bis zu zehn Dezibel. Das entspricht in etwa einer Halbierung der wahrgenommenen Geräusche. Seit 2001 investiert die Deutsche Bahn ausschließlich in Güterwagen mit „Flüsterbremsen“. Damit fokussiert sich ein großer Teil des Lösungspotenzials zur Kostensenkung auf die Straßentransportfahrzeuge.
Dachser nutzt zum überwiegenden Teil Lkw der Klasse Euro V, die derzeit zur sparsamsten und umweltschonendsten Kategorie zählen, verfolgt aber auch die Entwicklung alternativer, ökonomisch, technisch und ökologisch sinnvoller Antriebe. Hellmann setzt seit Jahren verstärkt alternative Kraftstoffe ein wie Bio-Diesel, BTL oder Autogas. Leider scheitert dies jedoch noch häufig an der Verfügbarkeit, besonders bei den aus ökonomischen und ökologischen Gründen attraktiven „Biomass-to- Liquid“-Kraftstoffen schreite die Entwicklung in Deutschland viel zu langsam voran.
So werde es noch einige Jahre dauern bis in den Hellmann-Fuhrparks leistungsfähige Lkw mit Hybridantrieben flächendeckend eingesetzt werden können. Unter Umweltschutzgesichtspunkten werden solche Fahrzeuge mit LPG, Gas oder Stromantrieb in den Innenstädten eine zunehmend größere Rolle spielen, wenn die Technologie ausgereift ist. Zur Senkung der Emissionen ist auch ein großer Teil der DB Schenker-Flotte mit der besten Motorentechnik ausgestattet. Das Unternehmen orientiere sich frühzeitig an neuen Normen und warte nicht, bis der Gesetzgeber ihre Einhaltung vorschreibt. Dabei können auch Einzelmaßnahmen verschiedener Geschäftsstellen zu einer Reduzierung der Energiekosten beitragen. So hat beispielsweise die Geschäftsstelle Anterist + Schneider in Saarbrücken jüngst 23 Lkw angeschafft, die mit der innovativen Blue-Tec5-Dieseltechnologie ausgestattet sind und so auf 150.000 km etwa 1.500 bis 2.000 l Kraftstoff einsparen können.
Darüber hinaus setzt DB Schenker für die optimale Fahrzeugauslastung im Fernverkehr Jumbo-Cargo-Boxen ein, die 30 cm höher sind als herkömmliche Brücken. Diese Doppelstock-Wechselbrücken ermöglichen ein erheblich kompakteres Beladen der Fahrzeuge und eine um bis zu 50 % höhere Auslastung. Oftmals schafft jetzt ein einzelner Lkw das, wozu früher ein zweiter nötig gewesen ist. Bei der Anlieferung von Luftfrachtpaletten im Flughafen-Zubringerdienst erhöht der Einsatz des modernen Mega Trailers die Umschlaggeschwindigkeit und verdoppelt die Transportkapazität. Im Nahverkehrsbereich führe die Aufstockung der Fahrzeugnutzlast von 2,4 Tonnen auf bis zu 5 Tonnen ebenfalls zu einer Verringerung der Flotte. Das mehrstufige Hubsystem des Unternehmens verbessere zudem die Auslastung, indem es die Sendungen relationsbezogen an den Logistikdrehscheiben bündelt und auf die geeigneten Lkw verteilt.
Dadurch werden Leerfahrten vermieden und die Straßen entlastet. Diese und viele weitere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung reduzieren zwar den Energieverbrauch, eine Kompensation der gestiegenen Kraftstoffpreise wird dadurch jedoch mittel- und langfristig wohl nicht möglich sein. So bleibt allen an der gesamten Logistikkette beteiligten wohl keine andere Wahl, als sich auf weiter steigende Transportkosten einzustellen.
Weniger Spritverbrauch
FedEx Express setzt Hybrid-Technologie auch in Europa ein. Im Rahmen eines Testprojekts sind derzeit zehn Hybrid-Transporter des Nutzfahrzeugherstellers Iveco auf den Straßen von Mailand und Turin unterwegs. Die Hybrid-Transporter verbrauchen durchschnittlich bis zu 30 % weniger Kraftstoff als Transporter mit herkömmlichen Antrieb. Mit den in Europa eingeführten Transportern wächst die Hybrid-Flotte des Unternehmens weltweit auf mehr als 170 Fahrzeuge. Bislang setzt das Transportunternehmen Hybrid-Fahrzeuge in den USA, Kanada und Japan ein.
Dachser GmbH & Co. KG, E-Mail: info@dachser.com, www.dachser.com
Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG, E-Mail: info@de.hellmann.net, www.hellmann.net
Schenker Deutschland AG, E-Mail: info@schenker.com, www.schenker.de
Federal Express Corporation, E-Mail: demaster@fedex.com, www.fedex.com
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