Just-in-Sequence bei hochwertiger Elektronik, Logistik-Dienstleistung für Radio System
18.08.2008
Just-in-Sequence-Abläufe sind nicht immer gleich: Vor allem wenn es um hochwertige Elektronik geht, muss beim Dienstleiter neben dem logistischen Know-how auch jede Menge Fachwissen vorhanden sein, wie das Beispiel der SRI Radio Systems zeigt.
Man sieht sie auf Hausdächern, Wassertürmen oder Industrieschornsteinen. Sie sind in Glockentürmen von Kirchen versteckt oder gar am Waldrand mit Bäumen zu verwechseln. Im Müritz-Nationalpark und auf dem Gräbersberg im Westerwald sind sie Teil einer öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform. Die Rede ist von Basisstationen, dem Kern- und Angelpunkt mobiler Kommunikation. Schaltet man ein Handy ein, prüft es alle erreichbaren Stationen und meldet sich bei der besten Verbindung an. Von dort wird das Gespräch zu einer Vermittlungsstelle sowie zum Hauptverbindungscomputer des Netzbetreibers weitergeleitet und schließlich zum Empfänger durchgestellt.
Ein Netz mit vielen Zellen
Was einfach klingt, basiert auf einer komplexen Struktur. Denn das Mobilfunksystem ähnelt einem Netz mit vielen Zellen: Je höher das Gesprächsaufkommen ist, desto kleiner müssen sie sein. Damit die Kommunikation nicht abreißt, steht in jeder Zelle eine Basisstation, von der das Gespräch zur nächsten weitergegeben wird. Abhängig von ihrer Leistungsfähigkeit und den örtlichen Gegebenheiten kann sie in dicht besiedelten Städten einen Radius von weniger als 100 m haben und auf dem Land mehrere Kilometer betragen.
Alle Module für diese Anlagen werden von SRI Radio Systems produziert, getestet und kundenspezifisch – zum Beispiel für E-Plus, T-Mobile oder Netzbetreiber im Ausland – zu kompletten Basisstationen integriert. Jeden Monat verlassen etwa 3.000 GSM- und 500 UMTS-Stationen auf den Lkws des CargoLine- Partners Lebert & Co. das Werk im Allgäu. Ihre ersten Ziele sind Amsterdam, Antwerpen, Augsburg, Bremen, Frankfurt, Hamburg, München und Triest. Dort umgeladen nehmen sie ihren weiteren Weg per Flugzeug, Schiff oder Lkw in die ganze Welt.
Extrem sensibel und hochwertig
„Was wir produzieren und montieren, ist extrem sensibel und hochwertig. Dementsprechend vorsichtig müssen die Produkte befördert werden“, umschreibt Stephan Rottach, zuständig für den Bereich Integration, Deliver and Repair sowie Outbound Logistik von SRI, die Anforderungen an den Transport. Denn: „Wenn eine defekte Basisstation in Kenia oder Kasachstan ankommt, müssen wir sie zurückholen oder jemanden zur Überprüfung und Reparatur dorthin schicken.“
Um einen solchen Aufwand zu vermeiden, sind alle Packstücke mit zwei Alarmsystemen versehen, einem Schock- und einem Tilt-Indikator. Werden sie mehr als 30° gekippt oder stark erschüttert, beispielsweise wenn ein Gabelstapler heftig aufsetzt, verfärben sich die beiden weißen Pfeile der Indikatoren rot. Zwar muss dies nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Basisstation defekt ist, der Fahrer muss den Vorfall jedoch melden. Entweder wird die Anlage zurück ins Werk nach Durach gefahren oder ein Havariekommissar überprüft den Grund für die Warnmeldung vor Ort. Stellt er keinen Schaden fest, kann der Transport seinen Weg fortsetzen.
Zu Beginn der Kooperation von SRI und Lebert lösten die Indikatoren beim Überfahren von Bodenwellen am Flughafen Frankfurt regelmäßig Alarm aus, selbst bei extrem langsamen und vorsichtigen Fahrten. Nachdem man jedoch gemeinsam analysiert hatte, dass die Basisstationen in Ordnung waren, die Indikatoren jedoch zu sensibel reagierten, wurden diese angepasst. Zusätzlich ließ Lebert 15 Lkw für die Transportanforderungen von SRI umrüsten. Sie sind luftgefedert, verfügen unter anderem über spezielle Befestigungsmöglichkeiten und besondere Rutschmatten.
Die Kosten dafür trugen der CargoLine-Partner und SRI gemeinsam. Außerdem wurden alle Fahrer von Lebert im Werk von SRI auf die speziellen Transportanforderungen vorbereitet und entsprechend geschult. Im Vertrag ist ebenfalls geregelt, welche Konsequenzen ein Schadensfall hat: Löst einer der beiden Indikatoren während des Transports oder der Verladung durch Lebert & Co. Alarm aus, ist die Fahrt für SRI kostenlos. Verfärben sich beide rot, bekommt SRI die Transportkosten noch einmal zusätzlich vergütet.
„Bei rund 3.000 Lieferungen bisher gab es mit etwa 30 ein Problem, wovon letztendlich gerade mal zwei tatsächlich auf unseren Transport zurückzuführen waren“, bilanziert Lebert-Geschäftsführer André Biwer die bisherige Zusammenarbeit. „Das ist sehr wenig“, ergänzt Rottach und verweist auf seine Erfahrungen in anderen Ländern: „In Russland oder Mali werden unsere Anlagen in der Regel nicht mit speziell ausgerüsteten Fahrzeugen und geschulten Fahrern transportiert. Hier haben wir deutlich mehr Probleme.“
Logistik als Teil der Produktion
SRI hat kaum Lagerkapazitäten und Lebert deswegen unmittelbar in den Produktionsablauf eingebunden. Stephan Rottach: „Wir produzieren und montieren Just-in-Sequence nur das, was bestellt und benötigt wird. Unsere Produktion haben wir exakt getaktet und Lebert dabei vollständig integriert. So wie unsere Anlagen gefertigt werden, müssen sie das Werk verlassen.“
Für die Materialbewegung innerhalb der Fertigung, das Verpacken, das Anbringen der Indikatoren und die Verladung ist der Inhouse-Logistiker der SRI, die Firma BLG, verantwortlich. Lebert holt die Stationen im Werk innerhalb kürzester Zeit ab und liefert sie stun- dengenau bei einer der Hauptdestinationen an.
„Weil die Beladung der Schiffe oder Flugzeuge exakt geplant ist und diese nicht warten, muss die Lieferung zu einer festgelegten Uhrzeit ankommen“, beschreibt Biwer die Aufgabe. Bei der Ausschreibung des Auftrages waren auch Konzerne im Spiel. „Lebert traute sich jedoch als einziges Unternehmen die nahtlose Integration in unseren Produktionsablauf zu“, erinnert sich Rottach. Neben dem fairen Preis war das für die Auftragsvergabe entscheidend. „Was wir gemeinsam entwickelt haben, ist nicht nur gut, sondern macht auch noch Spaß.“
Zur guten Arbeitsatmosphäre trägt zudem der monatliche Jour fixe bei. Lebert, SRI sowie BLG besprechen dabei nicht nur aktuelle Fragen, sondern ebenso zukünftige und strategische Aufgaben. So wollen SRI und der CargoLine- Partner die Zusammenarbeit weiter festigen und ausweiten, denn „Lebert arbeitet hoch professionell und ist sehr flexibel“, erklärt Rottach. Für ihn ist ganz klar, dass die Entscheidung für die Spedition Lebert und für Cargo- Line beziehungsweise gegen die Großen der Branche vor einem Jahr die richtige war.
SRI Radio Systems GmbH, www.sri.de
Franz Lebert & Co. Internationale Spedition GmbH + Co KG, E-Mail: info@lebert.com, www.lebert.com
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