Behälter/Boxen/Paletten

Wer die Wahl hat...

Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff, denn die Produzenten bieten mittlerweile Behälter aus den unterschiedlichsten Materialien an. Und das hat deutliche Auswirkungen auf die Gebrauchseigenschaften.

10-Granulat

Schon aus Gründen der Nachhaltigkeit werden Mehrwegbehälter aus Kunststoff immer häufiger den Einwegverpackungen vorgezogen. Aber allein mit der Entscheidung für einen Ladungsträger aus Kunststoff ist noch nicht garantiert, dass der Behälter auch optimal für seinen Einsatzzweck passt. Eine clevere Auswahl des zur Herstellung verwendeten Kunststoffmaterials ist von besonderer Bedeutung, wie der Schüttorfer Behälterproduzent Utz aus langjähriger Erfahrung unterstreicht.

Polypropylen (PP) ist das wohl am häufigsten eingesetzte Material für Kunststoffbehälter, insbesondere wegen der hervorragenden Laufeigenschaften auf automatischen Förderanlagen. Nicht zuletzt sind Kunststoffbehälter erheblich leiser als gleichartige Behälter aus Metall, die beispielsweise auf Rollenbahnen schlichtweg einen Höllenlärm verursachen. Zudem ist das Material sehr schlagzäh, weswegen Ladungsträger aus PP besonders robust sind und schon mal einen Fall aus dem Regal oder einen Stoß vom Gabelstapler unbeschadet überstehen.

Vermischt man PP mit Kohlenstaub (Ruß), erhält man schwarze, aber elektrisch leitfähige, ESD-taugliche Behälter. Auf der anderen Seite gibt es das Material auch in einer transluzenten, also durchscheinenden Variante. Das sieht nicht nur gut aus, sondern erlaubt auch einen „verschleierten“ Blick auf den Inhalt des einzelnen Behälters im Stapel. Insgesamt - aber das ist ein Vorteil für den Produzenten - lässt sich PP sehr gut verarbeiten.

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Temperaturbeständig und formstabil

Werden Behälter auch bei Temperaturen im Minusbereich, etwa im Kühlhaus, eingesetzt, raten die Experten von Utz zur Verwendung von Polyethylen (HD-PE). Dieses Material ist nicht nur temperaturbeständig und formstabil, sondern auch bei Temperaturen unter 0 °C noch schlagzäh und bleibt auch bei robustem Handling schadensfrei.

Behälter aus Polycarbonat (PC) können sehr hohen Temperaturen von mehr als 100 °C ausgesetzt werden. Auch dieses Material ist temperaturbeständig und sehr schlagzäh, dafür aber auch teuer, ebenso wie die dafür notwendigen Spritzgießwerkzeuge.

Gerade bei speziellen Vorgaben ist die Materialauswahl von Bedeutung: So muss beispielsweise die Verriegelung von Faltboxen flexibel nachgeben und federn. Deshalb werden derartigen Verriegelungen zumeist aus Polyoxymethylen, abgekürzt POM, hergestellt.

Besonders beim automatischen Handling sind oftmals sehr geringe Toleranzen für die Ladungsträger vorgesehen. In einem solchen Fall empfehlen Kunststoffexperten den Einsatz von Acrylnitril-Butadien-Styrol, besser bekannt als ABS. Dieser Kunststoff ist sehr gut zu verarbeiten und zudem sehr schlagzäh. Die daraus produzierten Behälter sind durch eine besondere Steifigkeit gekennzeichnet. Nicht ganz so temperaturbeständig und etwas weniger schlagzäh, ansonsten aber vergleichbar den Eigenschaften von ABS ist das Polystyrol (PS).

Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff

Eines dürfte deutlich geworden sein: Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff, und die Auswahl des zu verarbeitenden Rohmaterials steht in direktem Zusammenhang mit Anforderungen wie Temperaturbeständigkeit, Schlagzähigkeit, Verarbeitungsgenauigkeit, Verhalten der zu produzierenden Behälter auf automatischen Förderanlagen, bis hin zu Materialdichte oder elektrischer Leitfähigkeit. Die hier vorgestellten Thermoplaste sind als Granulat Ausgangsmaterialien für das Spritzgießen, teilweise werden sie auch als Plattenmaterial für das Thermoformen eingesetzt. Die genannten Eigenschaften beziehen sich in ihrer vollen Ausprägung auf das Neumaterial.

Was aber passiert mit Behältern, die aus der logistischen Kette ausgemustert wurden? Aufgrund der Rücknahmeverordnung sind die Produzenten verpflichtet, diese Behälter zurück zu nehmen. Bei Utz in Schüttorf werden „alte“ Behälter im firmeneigenen Recycling Center zu Mahlgut verarbeitet. Dieses Rezyklat kann generell wieder vollständig in der Produktion übernommen und zu neuen Produkten verarbeitet werden. Manchmal wird das recycelte Material auch dem Neumaterial beigemischt. Das Mischungsverhältnis wird häufig in Absprache mit dem Kunden festgelegt. Manchmal ist der Einsatz von Rezyklaten ausgeschlossen, wie etwa bei der Produktion von Behältern, die direkt mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Ansonsten ist die Verwendung oder Beimischung von Recycling-Material schon unter dem Nachhaltigkeitsaspekt eine sinnvolle Vorgehensweise. Auch Preisgründe sprechen dafür. Angesichts der drastisch gestiegenen Preise für das Kunststoff-Rohmaterial ist die Wiederverwertung ausgemusterter Behälter eine interessante Alternative.

Produzenten können helfen

Alles in allem: Bei der Herstellung von Behältern oder Paletten, aber auch Werkstückträgern aus Kunststoff ist die Auswahl des geeigneten Materials eine wichtige Entscheidung, die wohl durchdacht werden sollte, um möglicherweise später auftretende Probleme schon am Anfang zu vermeiden. Der Rat von Experten der Kunststoffverarbeitung sollte hier frühzeitig eingeholt werden.

Stichwort WPC

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Darüber hinaus experimentiert Utz als Kunststoff-Verarbeiter erfolgreich mit neuen Materialien wie etwa naturfaserverstärkten Polymeren. Dahinter verbirgt sich beispielsweise der als „WPC“ (wood plastic compound) bezeichnete Kunststoff, dem Holz beigemischt wurde. Diese ungewöhnliche Mischung aus nachwachsendem Holz und Kunststoff ist unter Beachtung einfacher Regeln ähnlich leicht zu verarbeiten wie herkömmliche Kunststoffe.

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