Wenn andere es packen
16.08.2010
Wer professionell und kostengünstig verpackte Produkte benötigt, muss diese Arbeit nicht unbedingt selbst erledigen. Hier sind Lohnverpacker oft eine ökonomische Alternative.
Die Lohnverpackung ist ein ständig an Bedeutung gewinnender Bereich des Outsourcings von Logistikleistungen. Sie bietet besonders für Unternehmen, in denen der Aufbau eigener Verpackungslinien betriebswirtschaftlich wenig sinnvoll ist oder Produktionsspitzen mit eigenen Mitteln nicht verpackt werden können, eine probate Alternative. Darüber hinaus bietet die Lohnverpackung weit mehr als die reine Verpackung von Produkten.
Lohnverpacker übernehmen im Kundenauftrag heute vielfach gleichzeitig auch die erforderlichen Lagerund Speditionsdienstleistungen. Besonders sinnvoll wird das Outsourcing dieser Dienstleistung dann, wenn neben dem positiven betriebswirtschaftlichen Ergebnis noch ein sozialer Effekt ermöglicht wird. Diese Chance bieten heute spezialisierte Werkstätten für behinderte Menschen, wie etwa die Lebensbrücke.
Eine der Dienstleistungen der Glauchauer Werkstatt ist die Lohnverpackung. Jährlich werden dort gegenwärtig bis zu 1,5 Mio. Verpackungen realisiert – Tendenz steigend. Der Transport der Produkte wie auch der verpackten Artikel wird ebenfalls von der Werkstatt übernommen. Größter Auftraggeber ist ein weltweit agierender Hersteller von Sanitärtechnik. Bis vor zwei Jahren wurden in Glauchau die Produkte per Hand in Beutel verpackt. Mit steter Zunahme der Aufträge stellte sich jedoch die Forderung nach Einsatz moderner Verpackungsmaschinen.
„Wir hatten uns schon längere Zeit mit dem Problem der Anschaffung von Verpackungsmaschinen beschäftigt“ so Bernd Köhler, Produktionsleiter der Werkstatt, „Zur Messe intec schließlich sahen wir die Verpackungstechnik der Firma Automated Packaging Systems. Sie schien für unsere Zwecke sehr gut geeignet, deshalb baten wir um Vorführung und Test der Technik in unserer Werkstatt. Der Test überzeugte uns dann vollends und wir kauften die erste Maschine mit Zuführgerät. Im vergangenen Jahr bestellten wir dann für unsere Werkstatt eine weitere Maschine, ebenfalls mit Zuführeinrichtung.“
Bis zu 80 Beutel pro Minute
Die von den Glauchauern georderte Verpackungsmaschine Autobag AB 180 ist eine wahlweise halbautomatisch oder automatisch arbeitende Beutelverpackungsmaschine die bis zu 80 Beutel pro Minute verpackt. Sie verarbeitet Autobag-„ Beutel-von-der Rolle“ in Formaten von 50 bis 275 mm Breite und 63 bis 550 mm Länge. Die Maschine ist für die Bedienung mit einem Touchscreen ausgestattet und zeichnet sich aus durch eine einfache, sichere und schnelle Arbeitsweise.
Bernd Köhler erläutert „ Wir tragen eine besondere Verantwortung, wenn unsere behinderten Mitarbeiter mit Maschinen arbeiten. Deshalb war bei unserer Entscheidung eine sichere Handhabbarkeit und eine einfache Bedienung der Maschine genauso wichtig wie ihre hohe Leistungsfähigkeit. Wir hatten bisher keinerlei Probleme bei der täglichen Nutzung dieser Maschine durch unsere Mitarbeiter.“
In Glauchau werden entsprechend der zu verpackenden Produktanzahl und –volumen vier verschiedene PEBeutelformate genutzt. Ein Wechsel des Beutelformats ist bei den eingesetzten Autobag-„Beuteln-vonder- Rolle“ mit wenigen Handgriffen unkompliziert möglich. Die AB180 besitzt Jobspeicher und eine integrierte Hilfe- und Diagnosefunktion. Diese Software hilft dem Bediener Fehler und Betriebszustände wie Druck, Fehlbeutel oder das Erreichen der Mengenvorgabe zu erkennen, aufzuzeichnen, evtl. zu korrigieren und darüber hinaus ausgefallene Komponenten zu identifizieren.
Das Diagnose-System vermindert Stillstandszeiten und ermöglicht auch unerfahrenem Bedienpersonal, Systemprobleme schnell zu diagnostizieren. Eine Hilfefunktion lässt Probleme erkennen und schlägt auch Lösungen zu deren Beseitigung vor. Servicetechnikern bieten Schnittstellen die Möglichkeit, unkompliziert Firmware-Updates vorzunehmen. Informationen und Einstellungen lassen sich auf einen PC kopieren oder auf eine andere Maschine übertragen, ideal für einen Nutzung mehrerer Maschinen.
In Glauchau sind die Verpackungsmaschinen AB 180 mit jeweils einem Zuführsystem „Maximizer“ kombiniert. Das kontinuierlich laufende Transportband befördert und zählt von Hand platzierte Gegenstände mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 Chargen pro Minute. Die Produktivität gegenüber reiner Handbeladung wird verdoppelt. In Kombination mit dem Verpackungssystem Autobag AB180 werden die Artikel durch den Bediener auf der Produktladefläche platziert.
Anschließend werden die für den einzelnen Packvorgang benötigten Produkte in ein Fach auf dem Transportband des Maximizer gelegt. Das Transportband befördert das Pro dukt zum Beladebereich mit Felderkennungs sensor. Dort lädt das Trans port band die Artikel ab und leitet diese in einen Sammel trichter. Die gesammelte Produktcharge wird danach durch einen Trichter in einen bereits mittels Luftstrom geöffneten Beutel geleitet. Der Beutel wird anschließend versiegelt und abtransportiert, während eine neue Charge und ein neuer Beutel zur Befüllung bereitgestellt wird.
In Glauchau sorgt eine in den Verpackungsablauf integrierte Waage via Kontrolle des Gewichtes für die ständige Sicherung der ordnungsgemäßen Befüllung der Beutel mit mehreren gleichen Produkten oder Produktsets. Die in der Glauchauer Werkstatt eingesetzten Verpackungssysteme trugen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und gleichzeitig zur angemessenen Steigerung der Anforderungen an die dort tätigen behinderten Menschen bei. Sie brachten aber auch handfeste wirtschaftliche Effekte: „Die Zunahme der an uns vergebenen Aufträge belegt, dass wir den richtigen Weg gehen“, erklärt Bernd Köhler. „Durch den Einsatz der Verpackungstechnik konnten wir die Verpackungsleistung unserer Werkstatt auf das Fünffache steigern“.
Über die Lebensbrücke
Im sächsischen Glauchau arbeitet die Werkstatt Lebensbrücke als Bestandteil der Diakonie Westsachsen an dieser Aufgabe. Sie gehört zur Landesarbeitsgemeinschaft
der Werkstätten für behinderte Menschen in Sachsen. Allein in Westsachsen bieten rund 15 000 behinderte Menschen ein breites Spektrum von Dienstleistungen und Produkten.
Die Diakonie- Werkstatt Lebensbrücke ist ein interessantes Beispiel dafür, dass Arbeit von behinderten Menschen längst keine Selbstbeschäftigung, sondern sinnvolles Mittun darstellt. Ihre Werkstätten entwickeln sich gleichermaßen immer mehr zu Arbeitgebern und zuverlässigen Partnern der Wirtschaft in der Region und oftmals schon darüber hinaus.
Werkstatt für behinderte Menschen Lebensbrücke Glauchau, lebensbruecke.glauchau@diakonie-westsachsen. de, www.diakonie-westsachsen.de
Automated Packaging Systems, E-Mail: kontakt@autobag.de, www.autobag.de
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