Lager- und Regalsysteme
Moderne im Museum
Das Sammlungslager des Museums für Naturkunde in Berlin hat eine neue Logistiklösung erhalten. Die in Konzeption und Materialauswahl außergewöhnliche Regalanlage erfüllt gleichermaßen hohe ästhetische, konservatorische und brandschutztechnische Anforderungen.
Sie sind das Rückgrat wissenschaftlicher Naturforschung: die Präparatesammlungen der Naturkundemuseen. Auf Basis dieser teilweise mehr als 200 Jahre alten Belegstücke der Evolution kann die Welt des Lebens verstanden und weiter erforscht werden. Einer breiten Öffentlichkeit bleiben diese Objekte in der Regel allerdings verborgen. Denn bereits bei geringen Veränderungen der klimatischen Bedingungen oder ungünstigen Lichtverhältnissen können die präparierten und konservierten Sammlungsstücke oft irreparable Schäden nehmen.
„Daher sind die kostbaren Sammlungen meist unter optimierten Bedingungen in geschlossenen Archiven gelagert“, erklärt Dr. Peter Bartsch, verantwortlicher Abteilungsleiter und Kurator für die Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin.
„Für die Lagerung und Präsentation benötigten wir eine innovative Lösung, die einerseits hohe funktionale und ästhetische Anforderungen erfüllen konnte, die andererseits aber auch Flexibilität bei der individuellen Gestaltung sowie Sicherheitsvorgaben etwa hinsichtlich Brandschutz und Belüftung gewährleistete“, erklärt Dr. Bartsch. „Normalkonzepte und Standardkomponenten konnten das nicht erfüllen. Wir suchten also einen kompetenten Regalbauer mit ausgewiesenen Referenzen für Sonderlösungen.“
Den Zuschlag für Konstruktion und Einrichtung einer entsprechenden Regalanlage erhielten die Intralogistikspezialisten von SSI Schäfer. „SSI Schäfer präsentiert uns eine schlüssige Gesamtlösung, die auch mit einem akzeptablen Preis/Leistungsverhältnis überzeugte.“ Gleichwohl stellte das anspruchsvolle Projekt auch die Experten des Regalbauers vor einige Herausforderungen. „Neben der Konzeption der Lösung standen dabei vor allem Materialauswahl und -kombination im Vordergrund“, sagt Projektleiter Klaus Muhl aus dem Vertrieb von SSI Schäfer.

„Auf Basis unserer flexiblen Regalanlage R 3000 konnten wir gemeinsam mit der Museumsverwaltung und dem Architekten zwar die optimal zugeschnittene Lösung einer Bühnenanlage konzipieren, deren Regalprofile, Rahmen, Pfosten und Bühnenkomponenten weitestgehend aus Standardelementen bestehen. Alles andere ist jedoch, von der Vitrinengestaltung bis zu den Einlegeböden, nahezu komplett Ergebnis langer Testreihen und Neuentwicklungen, die in vielen verschiedenen Sondermaßen produziert wurden.“ Das Ergebnis „war der Mühe wert“, urteilt Dr. Bartsch. „Das neue Sammlungslager stellt einen Meilenstein für die Bewahrung unserer Sammlungen dar. Es schafft optimale Voraussetzungen für die Bedienung der Sammlung und letztlich die Erforschung von Biodiversität und Evolution.“
Dazu wurden die teilweise gut 6 m hohen Räumlichkeiten des Gebäudes in drei Ebenen, das Erdgeschoss sowie das erste und zweite Obergeschoss, unterteilt. Insgesamt umfasst die Grundfläche der drei Geschosse rund 1 150 m². Auf jeder Ebene ist eine speziell an die Räumlichkeiten und den Verwendungszweck angepasste 2-geschossige Regalanlage von SSI Schäfer installiert. „Diese Konzeption mit Gitterböden als Laufwege für die Wissenschaftler und das Sammlungspflegepersonal ist ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor“, so Bartsch. „Durch das Lichtkonzept wirkt das Sammlungslager zudem großzügig und luftig - und entspricht nun nicht mehr dem üblichen Klischee eines dunklen, staubigen Museumsarchivs.“
Rund eine Mio. Objekte In dem neuen Sammlungslager sind insgesamt rund eine Mio. Objekte der zoologischen Sammlung untergebracht - die so genannte Nasssammlung des Museums. Allein sie umfasst rund 260 000 Glasbehälter mit ungewöhnlichen Fischen, Spinnen, Krebsen, Amphibien und Säugetieren - konserviert in 81 000 Litern Alkohol. Eine besondere Herausforderung für die Regalbauer. Denn wegen der leicht entflammbaren Flüssigkeit mussten beispielsweise die Regalböden auf erhöhte Brandschutzklassen ausgerichtet werden.
In zahlreichen Testreihen prüfte SSI Schäfer mehr als 50 verschiedene Holzböden und Versiegelungen, um die optimale Materialkombination bereitzustellen. Ähnlich die Materialauswahl für die Vitrinenfronten und insbesondere die gewünschten Glasböden. „Angesichts der Fachbodenmaße von rund 1,20 m x 0,50 m mussten wir hinsichtlich Tragfähigkeit und Sicherheitsaspekten unterschiedlichste Glassorten prüfen, bevor ein regaltaugliches Sicherheitsglas zur Verfügung stand.“
Mit der Anmutung eines Designerentwurfs lässt die Optik des Ausstellungsraumes von der Basis einer Industrieregalanlage nichts mehr erahnen. Auf 50 cm tiefen Glas- und Holzböden werden hinter der Glaswand des Vitrinenregals rund 80 000 Sammlungsstücke präsentiert. 1 600 Holzböden sowie mehr als 650 Glas- und Glas-Eckböden bieten insgesamt rund zwei Kilometer Stellfläche für die Exponate. Die Vitrinenrahmen und -blenden sowie die Sichtkanten der Regalböden korrespondieren mit dem Bodenbelag, sind leitfähig pulverlackiert und in edlem Schwarz gehalten. Die Vitrinen selbst sind mit edlen Holzleisten eingefasst. Selbst die Profilgummis und die Haltekonstruktion für die Glasböden bestehen aus schwarz gefärbtem Material.
„Patentierte Klemmverbindungen sorgen überdies für hohe Flexibilität, falls wir die Regalböden austauschen oder die Regalgestaltung etwas verändern wollen“, so Bartsch. Eine zusätzliche Herausforderung war das Einbringen der Regalkomponenten in das renovierte Bestandsgebäude des Ostflügels. Knapp fünf Monate benötigte die Installation der drei Regalanlagen. „Vor allem die bis zu 5 800 mm hohen Regalstützen ließen sich nicht durch das Gebäude transportieren“, erläutert Muhl.
„Profile, Regaleinrichtungen und Bühnenkomponenten für die Anlagen in den Obergeschossen mussten daher mit einem Teleskopstapler durch die nur wenigen Fenster des Gebäudes gehievt werden.“ Bei der Einpassung nach der Vormontage galt es zudem, die Regalanlage genauestens an den im Gebäude belassenen, historischen Hallensäulen zu positionieren. In das Aufmaß und die Anlagengestaltung waren die Säulen bereits eingeflossen.
„Auch das Vorgehen war im Vorfeld mit CAD-Planung abgesichert“, so Muhl. „Wir hatten jedoch geringste Toleranzen zugrunde gelegt, um eine optimale Integration zu gewährleisten. Die Montage erforderte daher sehr viel Fingerspitzengefühl.“ Zufrieden ist auch Sammlungsleiter Dr. Bartsch. „SSI Schäfer hat viel Entwicklungsarbeit investiert, um uns eine unter ästhetischen, konservatorischen und brandschutztechnischen Aspekten optimale Lösung einzurichten“, fasst der Kurator zusammen.

Das Museum für Naturkunde Mit rund 30 Mio. Objekten besitzt das Museum für Naturkunde in Berlin Mitte eine der bedeutendsten Präparatesammlungen der Welt. Als nach dem Fall der Mauer sukzessive die Neugestaltung der Berliner Museumslandschaft angegangen wurde, begannen die Planungen für eine Renovierung des im ehemaligen Ostteil der Stadt gelegenen Museums für Naturkunde. Nach langjähriger Vorbereitung wurde von November 2006 an auch der seit dem Zweiten Weltkrieg zerstörte Ostflügel des Museumsgebäudes wieder aufgebaut. Dort sollte ein Großteil der konservierten Präparate unter optimalen klimatischen und systematischen Bedingungen gelagert werden. Von Beginn an wurde zudem daran gedacht, ausgewählte Exemplare der wissenschaftlichen Fisch- und Reptiliensammlung den Museumsbesuchern zugänglich zu machen.
Museum für Naturkunde Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, E-Mail: [email protected], www.naturkundemuseum-berlin.de SSI Schäfer, E-Mail: [email protected], www.ssi-schaefer.de









