Kommissioniertechnik

Nur eines zählt

1 000 bis 5 000 Auftragspositionen pro Stunde – das schafft ein neues Hochleistungskommissionierungssystem, dass wichtige Prozesse auf eine kompakte Einheit reduziert. CPU ist ein Konzept für die Hochleistungskommissionierung, das Savoye 2009 entwickelt hat.

Grundgedanke dabei ist, die wichtigsten Prozesse der Kommissionierung auf eine kompakte Einheit zu reduzieren. In Analogie zum Hauptprozessor eines Computers entstand dann auch der Name für diesen Ansatz: Compact Picking Unit. Das Ergebnis ist eine kompakte, automatisierte Kommissionieranlage mit einer Kapazität von 1 000 bis 5 000 Auftragspositionen pro Stunde. Zu Beginn der Untersuchung wurden zwei Konzepte auf den Prüfstand gestellt: Zonen- und Wagenkommissionierung mit Pick-by-Voice-Unterstützung.

Während bei der Zonenkommissionierung die Investition in die Fördertechnik den größten Anteil hat, steht die Wagenkommissionierung mit relativen geringen Investitionen dagegen. Daher stellt sich die Frage, warum dennoch in eine Automatisierung investiert werden sollte. Außer der Produktivität kommen Faktoren wie Pickingeffizienz, Größe des Lagers sowie Kosten und Lagermanagement in Betracht. Darüber hinaus sind Flexibilität und Nachhaltigkeit interessant.

Attal, Jean-David

Das Ware-zu-Mann-System zeichnet sich gegenüber den vorgenannten Ansätzen durch höchste Effizienz, Genauigkeit und beste Ergonomie der Arbeitsstation aus. Artikel und Kartons werden in der exakten Reihenfolge zur Arbeitsstation gebracht. Die Mitarbeiter müssen somit nicht zwischen mehreren Artikeln oder Kartons auswählen – also eine „One-toone“- Kommissionierung: Ein Artikel (in der benötigten Stückzahl), ein Karton.

Anzeige

Dadurch werden Pickfehler quasi ausgeschlossen. Pro Kommissionierer wird eine Produktivität von bis zu 500 Positionen pro Stunde erreicht. Doch nicht nur der Kommissioniervorgang ist vereinfacht: Da aufwändiges Slotting entfällt, sind Wareneingang und Nachschub wesentlich verkürzt – alle Artikel werden direkt in die CPU verbracht. In solch einem Lager vereint die CPU sowohl Kommissionierprozesse als auch Lagerung und bildet damit das Herzstück einer produktiven Anlage.

In einer Simulation wurde in einem Kommissionierlager mit einer Gesamtfläche von 35 000 m², davon 13 500 m² Kommissionierbereich, die Umstellung auf eine CPU getestet. Dabei wurde die Lagergesamtfläche um rund 30% verkleinert und der Kommissionierbereich um 70% auf eine Fläche von 4 000 m² reduziert. Auch der Personalbedarf konnte um insgesamt 60 Mitarbeiter gesenkt werden (30 Mitarbeiter im Kommissioniererbereich, 10 im Verpackungsbereich, 20 im Lagerbereich, 5 im Management).

Die durchschnittliche Auftragsbearbeitungszeit wurde von zwei bis drei Stunden auf unter 30 Minuten gesenkt, und im Vergleich zum manuellen Lager wurde die Produktivität um 30 bis 40% erhöht. Laut Jean- David Attal, Entwicklungsdirektor Savoye, kann die Fläche des Kommissionierbereiches mit CPU um den Faktor zwei bis vier verkleinert werden. Dadurch können bereits in der Bauphase Kosten für Stahl, Beton, usw. gesenkt werden. Auf der Kostenseite schlägt auch der geringere Flächenbedarf zu Buche:

„Langfristig sind beim Betrieb der Anlage weniger Energiekosten für z.B. Beleuchtung und Klimatisierung verbunden. Nicht zuletzt profitiert auch die Umwelt von geringerem Flächen- und Energieverbrauch – Stichwort CO2-Fußabdruck. Eine hohe Produktivität ist auch ein Vorteil mit 2 bis 10 Kommissionierplätzen à 400/500 Picks pro Stunde und der kompletten Automatisierung der Verpackung. Und im Endeffekt, da die Kartons direkt vom Wareneingang in das automatisierte Lager gefördert werden, ist die Anzahl Wareneingangs- und Nachschubbewegungen erheblich reduziert. Diese Verringerung der Lagerfläche und Vereinfachung der Warenflüsse erlauben im Endeffekt eine Reduzierung um 30 bis 50% des Lagerpersonals. Also als Zusammenfassung: CPU erlaubt ein kleines, schnelles und grünes Lager zu konzipieren bzw. einen höheren Durchsatz im vorhandenem Lager zu bewältigen.“

„Die Vorteile von CPU sind insbesondere im Vergleich zu manuellen Wagenund Zonenkommissioniersystemen bemerkenswert. Die größten Effekte werden natürlich erzielt, wenn CPU bereits in der Planung einer neuen Anlage berücksichtigt wird. Bei einem Return on Investment von weniger als drei Jahren ist das Konzept CPU gerade für solche Anlagen bedenkenswert, für die eine Automatisierung mit den bisherigen Überlegungen hinsichtlich Produktivität nicht in Frage kam, so Attal weiter. Prinzipiell sei CPU für alle jene eine Alternative, die einen sehr dynamischen Kommissionierbedarf haben.

Vergleich der Kommissionier-Konzepte

Wagenkommissoinier-Konzept

Kommissionierfläche: 14 000m² Investition: 1 Mio. Euro Anzahl Mitarbeiter: 150 Stärken: Investition nahezu 0, leicht umzusetzen Schwächen: beschränkte Reaktionsfähigkeit, viele Lagerbewegungen, komplexe Optimierung (Slotting)

Zonenkommissionier-Konzept Kommissionierfläche: 10 000m² Investition: 4 Mio. Euro Anzahl Mitarbeiter: 125 Stärken: bewährte Lösung, gute Reaktionsfähigkeit, hoher Durchlauf Schwächen: vergleichsweise hoher Flächenbedarf, komplexe Optimierung (Slotting)

Ware-zu-Mann Kommissionierfläche: 4 000m² Investition: 8 Mio. Euro Anzahl Mitarbeiter: 100 Stärken: kompakte Bauweise, nahezu kein Slotting notwendig Schwächen: höhere Gesamtinvestition (+20%)

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Stapler & Komponenten

Service macht den Unterschied

Eine außerordentliche Serviceleistung ist für die Hamburger Still GmbH viel mehr als ein unternehmerisches Markenzeichen. Sie ist ein wichtiger Differenzierungsfaktor, mit dem sich Still als einer der führenden Anbieter maßgefertigter...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren