Lager- & Kommissioniertechnik
Für Qualität laufenden Band
Moderne Intralogistik macht heute auch vor der Landwirtschaft nicht mehr halt. Das zeigt das Beispiel der Obstgenossenschaft Mivor, die bei der Obstverarbeitung auf Hochregallager und Regalbediengeräte setzt.
Ein kurzer Blick auf die Erntemengen der Obstgenossenschaft Mivor genügt, um die Dynamik des Projektes aufzuzeigen, das hier vorgestellt werden soll:
- 2006: 60.000 Tonnen Äpfel.
- 2 011: 80.000 Tonnen Äpfel.
Stark verbesserte Anbaumethoden und Erträge einerseits, der verschärfte internationale Wettbewerb andererseits bewegten die sieben lokalen Genossenschaften der Südtiroler Obstanbauregion Vinschgau Anfang 2007 dazu, die Vermarktung ihres Obstes im Dachverband VI.P zu zentralisieren.

Die Verantwortung für eine möglichst effiziente Produktion blieb hingegen bei den einzelnen Genossenschaften. Zwei davon, nämlich die früheren Rivalen Mivo und Ortler, fusionierten noch im selben Jahr zu Europas größtem Obstverarbeitungsbetrieb Mivor und schafften so „die kritische Masse für einen logistischen Quantensprung“, wie es Geschäftsführer Dr. Martin Pinzger formuliert.
Kurz nach der Fusion nahm der Mivor-Planungsstab die Arbeit auf, unterstützt vom Hamburger Logistikberatungshaus KDL. Teil eins des Projekts war eine innovative Sortieranlage, die Mivor gemeinsam mit dem niederländischen Spezialisten Greefa entwickelte. Wichtige Erkenntnisse aus diesem Prozess flossen in Teil zwei des Projekts ein: ein automatisches Hochregallager, das mitten im dicht bebauten Areal hochgezogen wurde. Nur wenige Anbieter trauten sich diese technische Herausforderung überhaupt zu. Anfang 2010 stand das LTW-Konzept als Sieger in einem peniblen und aufwändigen Punkteverfahren fest.
Bevor LTW loslegen könnte, musste noch die Vollversammlung der Genossenschaft den ambitionierten Plänen zustimmen. Aufgrund früherer Erfahrungen, die in Südtirol mit zwei Hochregallagern in der Obstbranche gemacht worden sind, wurden auch Bedenken laut die der Vorstand aber ausräumen konnte, nicht zuletzt dank einer überzeugenden Visualisierung aller Materialflüsse durch LTW.
Im April 2011 rückte LTW auf der Baustelle ein, um die gesamte Anlage Ende September schlüsselfertig zu übergeben - zwei Wochen früher als geplant.
Die Obstverarbeitung in Latsch folgt einem saisonalen Takt. Während der Apfelernte im September werden innerhalb kürzester Zeit über 300.000 Großkisten mit Äpfeln auf 2°C heruntergekühlt. Die sauerstoffreduzierten CA-Zellen (Controlled Atmosphere) erlauben eine Langzeitlagerung nahezu ohne Frischeverlust. Übers Jahr wird nach und nach die gesamte Ernte abgearbeitet, d.h. nach Größe, Farbe, Qualität sortiert und verpackt.
Als Puffer zwischen Sortieranlage und Verpackungshalle, in der über hundert Mitarbeiter sehr kurze Lieferzeiten bewerkstelligen, kommt das Hochregallager ins Spiel. Im Gegensatz zum Stapelcharakter der herkömmlichen Umschlagzellen verwirklichen hier sechs automatische LTW-Regalbediengeräte das FIFO-Prinzip, das einen Frischegewinn von bis zu einer Woche bringt.
Anhaltender Aha-Effekt
Martin Pinzger spricht nach der ersten Erntesaison von einem anhaltenden Aha-Effekt, alles laufe noch besser und schneller als geplant. Ferner habe man volle Prozess- und Produktsicherheit und die Rückverfolgbarkeit jedes Apfels bis zur Obstwiese erreicht. Zudem seien die Kundenreklamationen und Stehzeiten auf historischem Tiefstand und ein Drittel Energieeinsparung bei der Zwischenlagerung erreicht. Martin Pinzger hat mittlerweile fast täglich Gelegenheit, Branchenkollegen aus ganz Europa auf der Besuchertribüne des Hochregallagers die Stärken des Konzepts aufzuzählen, während LTW bereits zwei Folgeprojekte zu verbuchen hat.
Über Mivor
Im März 1954 gründeten zwölf Bauern aus Latsch die „Mittelvinschgauer Obsterzeugergenossenschaft“, kurz Mivo. Der rasche Erfolg rief 1960 eine Gegenveranstaltung hervor: die Gründung der zweiten Latscher Genossenschaft Ortler, benannt nach dem höchsten Berg Südtirols. Der jahrzehntelange, durchaus fruchtbare Wettbewerb weicht einer allmählichen Annäherung, zunächst 1979 in Form neuer, benachbarter Standorte. 2007 folgt schließlich der Zusammenschluss zur Mivor. Heute produzieren die 400 Mivor-Mitglieder auf 1.100 Hektar Anbaufläche pro Jahr rund 500 Mio. Äpfel. Davon wird knapp die Hälfte exportiert – in insgesamt 49 Länder Europas, Nordafrikas und Asiens.
Technik im Detail (Auswahl)
Hochregallager für Obstkisten
- L x B x H: 80 x 25 x 27 m
- 6 Regalgassen, Einfachtiefe Lagerung
- Ca. 18.600 Obstkisten
- Nutzlast: 1.200 kg, Klimatisierung: + 2 °C
Regalbediengeräte im Obstkistenlager
- 6 ganggebundene, einmastige RBG
- Fahrgeschwindigkeit: 180 m/min
- Fahrbeschleunigung: 0,5 m/s 2
- Hubgeschwindigkeit: 40 m/min
- Hubbeschleunigung: 0,5 m/s 2
- Teleskopgabel einfachtief
Fördertechnik
- über 2 Ebenen mit Ein- und Auslagerstellen im Erdgeschoss inklusive
- 1 Verschiebewagen im Erdgeschoss 1 Verschiebewagen im Obergeschoss
- 2 Vertikalförderern
Hochregallager für Leerkisten
- Verzinktes Stahlregal,
- L x B x H: 80 x 5 x 16 m
- 1 Regalgasse
- Einfachtiefe Lagerung für ca. 1.650 Kisten
- Nutzlast: 320 kg
Regalbediengerät im Leerkistenlager
- 1 ganggebundenes, zweimastiges RBG
- Fahrgeschwindigkeit: 200 m/min
- Fahrbeschleunigung: 0,7 m/s 2
- Hubgeschwindigkeit: 60 m/min
- Hubbeschleunigung: 0,7 m/s 2
- Lastaufnahmemittel: 2 Teleskopgabeln einfachtief










