Pro und Contra: Kunststoffpalette versus Holzpalette

19.05.2008

Kunststoff oder doch lieber Holz? Welche Palette ist die bessere? Darüber diskutieren Frank Bücker mit Siegfried von Lauvenberg exklusiv in Materialfluss.

PRO KUNSTSTOFFPALETTE

Frank Bücker, Leiter Vertrieb Kunststoff Projektmanagement Craemer: „Qualitativ hochwertige Kunststoffpaletten sind heutzutage fast überall von Vorteil gegenüber der Holzpalette, wenn es um den modernen und automatisierten Materialfluss geht. Hier bestehen hohe Anforderungen seitens hochtechnisierter Fördertechniken oder Hochregallager an die Ladungsträger.

Zudem sind Sauberkeit bzw. Hygiene keine Anforderungen mehr ausschließlich im Nahrungsmittelsektor. In vielen Industriezweigen wie der Elektroindustrie oder der Automobilzuliefererindustrie gibt es die Anforderung Staubfreiheit, Leitfähigkeit, um nur einige zu nennen. Diese Anforderungen verlangen nicht nur bestimmte Eigenschaften des Ladungsträgers, sondern auch einen garantierten, gleich bleibenden Qualitätsstandard. Und dieser kann nicht in dem Maße von Holzpaletten erfüllt werden, wie das Kunststoffpaletten können.”

Mehr Sicherheit
Hochwertige Kunststoffpaletten bieten dem Anwender ein deutliches Mehr an Sicherheit, Verlässlichkeit für den logistischen Ablauf, also mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Denn sie sind extrem langlebig, äußerst belastbar und formbeständig. Dieser Nutzenvorteil liegt an verschiedenen Kriterien, wie etwa der Formbeständigkeit. Die Tragfähigkeit einer neuwertigen Holzpalette ist mit der Tragfähigkeit einer guten Kunststoffpalette durchaus vergleichbar.

Problematisch mit der Belastbarkeit wird es bei Holzpaletten, die schon länger im Umlauf sind bzw. beschädigt sind. Und das kann schnell der Fall sein: Absplitterungen, Feuchtigkeit sind einige Mängel, die die Holzpalette schnell zu einem nicht mehr zuverlässigen und sicheren Ladungsträger macht.

Die Konstruktion ist entscheidend für die Haltbarkeit einer Kunststoffpalette. Wandstärke, Anordnung der Versteifungsrippen und die Auswahl der Radien sind einige Merkmale. Gleichermaßen wichtig sind Fertigungsverfahren und die sortenreine und hochwertige Werkstoffauswahl. In internen oder geschlossenen Kreisläufen oder im Palettenpool kommen die Vorteile der hochwertigen Kunststoffpalette hinsichtlich der Langlebigkeit voll zum Tragen.

Zum Beispeil ist die Euro H1 mit dem bekannten roten EHI Zeichen auch nach mehr als 10-jährigem harten Praxiseinsatz in der Fleischindustrie immer noch voll einsatzfähig. Eine hochwertige Kunststoffpalette ist wartungs- und reparaturfrei. Zudem hat die Kunststoffpalette den großen Vorteil eines immer konstanten Gewichtes. Die Holzpalette hingegen nimmt Nässe bzw. Feuchtigkeit auf, fault möglicherweise und verliert insgesamt an Qualität. Das lässt sich kaum vermeiden, da Paletten auch witterungsbedingt mit Feuchtigkeit in Berührung kommen.

Waschbar
Die Kunststoffpalette wird in modernen Palettenwaschanlagen gereinigt. Sensible Ladungsgüter müssen beim logistischen Ablauf besonders geschützt werden. So setzen z.B. Gummirohmaterialhersteller, Folienhersteller genau aus diesem Grund oft und häufig auf den Kunststoffladungsträger. Holz verträgt sich nicht mit sensiblen Produkten. Kunststoffpaletten bieten spezifische und effiziente Lösungen für den jeweiligen Anwendungsbereich. Hochwertige Kunststoffpaletten lassen sich spezifisch verändern: Unterschiedliche Kanten und Arretierungen sowie Verbreiterungen von Standardmaßen – fast alles ist möglich. Grundsätzlich gilt: Wir müssen differenzieren! Kunststoffpalette ist nicht gleich Kunststoffpalette. Hier gibt es sehr große Qualitätsunterschiede hinsichtlich Verarbeitung, Konstruktion, Material. Es gibt sehr preisgünstige Regenerat-Paletten, die mit ihrem Preis schon in Richtung einer guten Holzpalette gehen.

CONTRA KUNSTSTOFFPALETTE

Siegfried von Lauvenberg, Bundesverband Holzpackmittel Paletten Entsorgung: „2007 sind rund 100 Mio. Holzpaletten neu in den deutschen Markt gekommen. Das bedeutet einen Zuwachs von etwa 12 % im Vergleich zu 2006. Bei den Europaletten lag der Zuwachs sogar bei über 20 %. Bei gleicher Abmessung und Tragfähigkeit ist die Palette aus neuem Kunststoff schwerer als die Holzpalette. Das Rutschverhalten ist bei Kunststoffpaletten wegen der glatten Oberfläche schlechter als bei Holzpaletten. In automatischen Hochregallagern werden Holzpaletten bevorzugt, da hier hohe Beschleunigungen auftreten.

Holzpaletten können in beliebiger Größe und Bauart hergestellt werden, sie können einzeln oder in Großserien, standardisiert gemäß einer Norm oder individuell nach Vorgabe des Kunden gefertigt werden, und sie können als spezielle Konfektionierung für ein bestimmtes Packgut eingesetzt werden. Kunststoffpaletten können nur in Standardmaßen in größerer Stückzahl hergestellt werden, individuelle Maße können ebenfalls wegen der hohen Werkzeugkosten nur in großer Stückzahl abgenommen werden.

Reparatur bei Holz möglich
Holz ist unabhängig von der Temperatur immer gleich stabil. Die Lebensdauer ist bei Holz- und Kunststoffpaletten gleichermaßen von den Transport-, Umschlag- und Lagerbedingungen (TUL) abhängig. Allerdings kann die Lebensdauer der Holzpalette durch werterhaltende Reparaturen verlängert werden, und mit einem geringen Rohstoffeinsatz ist die volle Gebrauchsfähigkeit wieder herstellbar.

Beim nachwachsenden Rohstoff Holz ist die stoffliche (z.B. Späne) der energetischen Verwertung gleichgesetzt, es gibt kein Verwertungsproblem. Paletten aus recyceltem Kunststoff sind aufgrund inhomogener Zusammensetzungen nur bedingt einsetzbar (z.B. Materialmix, Schwermetallgehalt) Die Lastverteilung bei Kunststoffpaletten mit Füßen ist ungünstig, da Punktbelastungen auftreten. Bei Holzpaletten findet eine gleichmäßigere Lastverteilung durch die Kufen oder Rahmen statt.

Eine elektrostatische Aufladung tritt bei Holzpaletten prinzipiell nicht auf. Sie ist aber bei Kunststoffpaletten der Regelfall (Ausnahme Sonderkonstruktionen), so dass elektrostatisch gefährdete Produkte nicht auf Kunststoffpaletten transportiert werden können. Die in Paletten verwendeten Kunststoffe besitzen einen vergleichsweise niedrigen Schmelzpunkt, z.B. HDPE bei 130- 140° C. Holz besitzt eine geringere Brandlast, der Flammpunkt von Holz liegt bei etwa 250° C. Holzpaletten sind flächendeckend über die Hersteller, Händler und Reparateure verfügbar, sogar ein lokaler Bezug von Paletten ist möglich. Hersteller von Kunststoffpaletten sind hingegen nur punktuell vertreten. Der Energieaufwand zur Produktion von Kunststoffpaletten ist viermal so hoch wie bei Europaletten.

Keimabtötend
Kunststoff wird aufgrund der glatten und geschlossenen Oberfläche und der Tatsache, dass er gereinigt werden kann, als hygienisch eingestuft. Holz hingegen werden tendenziell schlechte hygienische Eigenschaften attestiert. Aber das Forschungsprojekt des Julius-Kühn-Instituts (vormals biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft) belegt die keimabtötende Wirkung von Holz. Diese ist bei Kiefernholz besonders ausgeprägt.

Ein Praxistest des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück ergab auf Grundlage von rund 15000 Messungen, dass die Keimbelastung im praktischen Feldversuch auf Holzpaletten um rund 15% geringer war, als auf Kunststoffpaletten. Holz ist nachwachsend und wird nachhaltig bewirtschaftet (Bundeswaldgesetz). Deutschland besitzt die größten Waldvorräte in Europa (ca. 3,4 Mrd. m3): In Deutschland wächst mehr Holz nach, als geerntet wird. Der Holzeinschlag betrug 2006 62 Mio. m3 gegenüber dem Holzzuwachs von 80 Mio. m3. Die Kunststoffpalette ist ein Erdölprodukt. Der Rohstoff ist nicht nachwachsend und kommt aus teilweise unsicheren Regionen. Holz ist CO2“ neutral. Ein Kubikmeter Holz bindet 0,8 Tonnen CO2“. Die rund 450 Mio. p.a. in Europa produzierten Holzpaletten binden über 13 Mio. Tonnen CO2. Kunststoffpaletten leisten keinen Beitrag zur Reduzierung des Treibhauseffektes.


Paul Craemer GmbH,
www.craemer.de
Bundesverband Holzpackmittel Paletten Entsorgung, www.hpe.de

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