Schnell und zielsicher
23.03.2010
In automatisierten Lagern sind Regalbediengeräte heute nicht mehr wegzudenken. Aber wie werden sie sich weiterentwickeln? Materialfluss fasst die Meinung führender Hersteller exklusiv zusammen.
TGW: Fokus auf den „Klassikern“
Regalbediengeräte, die speziell für Kleinteilelager konzipiert sind, gibt es seit mittlerweile 30 Jahre, und TGW hat laut Director Product Development Christoph Wolkerstorfer in diesem Bereich eine führende Rolle: „In den letzten Jahren haben sich für Höchstleistungsanwendungen außerdem Speziallösungen, wie z.B. der Commissioner von TGW, etabliert. Dennoch werden auch in Zukunft beim weitaus größeren Teil der automatischen Kleinteilelager klassische Regalbediengeräte zum Einsatz kommen. Der Trend geht heute aufgrund der Verfügbarkeit leistungsfähigerer Geräte zu höheren Anwendungen mit mehr Stellplätzen. Bei der Weiterentwicklung von Kleinteilelager- RBG geht die Reise in zwei Richtungen; Einerseits arbeiten wir bei TGW an weiteren Leistungssteigerungen. Bei den kinematischen Daten sind zwar keine großen Sprünge mehr zu erwarten, weil wir die physikalischen Möglichkeiten schon ziemlich ausreizt haben, in der perfekten Abstimmung zwischen Steuerung und Mechanik liegt aber noch Potenzial. Auch durch den Einsatz mehrerer Lastaufnahmemittel pro RBG sind noch Leistungsoptimierungen zu erzielen.“
Der zweite Entwicklungsschwerpunkt liege laut Wolkerstorfer auf der Reduktion der Gesamtkosten eines Lagers über die gesamte Lebensdauer: „Wir setzen dazu sowohl in der Konstruktion an, z.B. durch Leichtbau, wartungsfreie Komponenten und Gleichteilekonzept, als auch auf Seiten der Steuerung. Gerade bei der Steuerung von Lagersystemen können durch intelligente Lösungen zur Schwingungsdämpfung oder in Bezug auf das Energiemanagement noch wesentliche Potenziale genutzt werden.“
LTW: Über 1 400 Regalbediengeräte installiert
Als Komplettanbieter und Generalunternehmer entwickelt, fertigt und errichtet LTW laut Leiter Vertrieb Matthias Heddinga seit 1981 schlüsselfertige Intralogistik-Systeme – in mehr als 650 Projekten wurden weltweit bereits über 1400 Regalbediengeräte installiert: „In früheren Jahren lag der Fokus auf der Schaffung von Lagerkapazität, heute steht der schnelle Warenumschlag im Vordergrund. Dabei wird künftig dem energieeffizienten Betrieb eines Systems eine immer größere Bedeutung zukommen.“
„Aufgrund neuer Technologien und alternativer Materialien können wir bei gleicher Steifigkeit unserer Regalbediengeräte eine gewichtsoptimierte Ausführung realisieren. Jede hier eingesparte Tonne Stahl wirkt sich positiv bei den Betriebskosten aus. Im Softwarebereich wird durch eine bedarfsorientierte Steuerung der Komponenten nochmals zusätzliches Einsparpotential genutzt. Die Software unterscheidet quasi Volllast- bzw. Teillastbetrieb des Gesamtsystems und passt die kinematischen Werte für die Komponenten exakt den realen Anforderungen an. Im Dialog mit unseren Kunden entstehen so immer wieder neue individuelle Konzepte. Nur so lassen sich innovative Technologien erproben und neue Anwendungsfelder erschließen, was langfristig betrachtet eine Erhöhung des Kundennutzen und eine Verbesserung des ROI zur Folge hat“, so Heddinga weiter.
Stöcklin: Immer das Gewicht im Blick
„Das Thema Nachhaltigkeit ist aktueller denn je und wird uns auch in den nächsten Jahren weiterhin beschäftigen“, ist sich von Urs Grütter, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats der Stöcklin Logistik AG sicher: „Deshalb sind Innovationen rund um die Energieeffizienz nicht wegzudenken. Regalbediengeräte in extrem leichter Bauweise und trotzdem höchster Leistungen sind bei uns heute schon im Programm. Damit verbrauchen unsere Maschinen schon alleine aufgrund der Konstruktion weniger Energie und reduzieren die Unterhaltskosten. Zusätzlich kann nochmals rund 20% Strom eingespart werden, wenn man die Geräte mit intelligenten Speicherfunktionen ausrüsten lässt. Der je nach Lösung bescheidene Mehrpreis rechnet sich sehr schnell.“
Auch wird der Leistungsanspruch an die Maschinen steigen und dadurch die Energieoptimierung unter Druck geraten. Grütter weiter: „Diesem Spagat zwischen zwei so konträren Themen begegnen wir hier bei Stöcklin mit intelligenten Steuerungsabläufen, d.h. lastabhängigen Fahrkurven. Wir haben schon früh diesen Trend erkannt und auf die Eigenentwicklung von entsprechender Lagerverwaltungs- und Materialflusssoftware gesetzt. Regalbediengeräte, aber auch alle anderen in einer Anlage vorkommenden Systemteile müssen situativ soviel Energie verbrauchen wie zur Erbringung der In- und Outputleistungen wirklich nötig ist, also dem Optimum entsprechen. Dies bedeutet, dass intelligente Prozessabläufe gepaart mit gewichtsoptimierten Konstruktionen letztlich den höchsten Kundennutzen ergeben.“
Westfalia: Wertvolle Bodenfläche nutzen
Mehr als 38 Jahre Erfahrung bei der Planung und Umsetzung innovativer Logistiksysteme haben bei Westfalia Logistics Solutions Europe laut Christian Schlief, Manager Sales Engineering, zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Regalbediengeräte geführt: „Ein Schwerpunkt gilt der Überwindung von Restriktionen durch die flurgebundenen Regalbediengeräte. Westfalia hat hierfür die Aviator-Technik entwickelt. Mit dem Aviator kann wertvolle Bodenfläche weiter genutzt werden bzw. befahrbar sein. Insbesondere bei der Gestaltung von Kommissionierlösungen werden mit dem Aviator die Kommissionierwege verkürzt und die Fluchtwegsproblematik einfacher und somit wirtschaftlicher gelöst.“
„Auch wünschen sich unsere Kunden flexible Lösungen für das Handling von Sonderladungsträgern, wie z.B. großformatige Waren oder auch von einzelnen Lagen ohne Ladungsträger. Die Westfalia-Regalbediengeräte erfüllen mit den unterschiedlichsten Lastaufnahmemittel diese speziellen Anforderungen. Energiesparende Regalbediengeräte sind für unsere Kunden sehr wichtig. Mit den gewichtsoptimierten Westfalia-Regalbediengeräten in Verbindung mit der intelligenten Steuerung und der Energierückeinspeisung erfüllt Westfalia seit vielen Jahren diese Aufgabe und wird diesen Weg konsequent in der Produktentwicklung weiterverfolgen“, so Schlief weiter.
psb: Wettbewerb im eigenen Haus
Auch bei psb haben die bereits seit vielen Jahrzehnten gefertigten Regalbediengeräte laut dem Leiter Vertrieb Deutschland und Prokuristen Volker Welsch Wettbewerb im eigenen Hause bekommen: „Unser Shuttlesystem, psb vario.sprinter genannt, kratzt deutlich am Marktanteil unserer RBGs. Dennoch werden sich die klassischen RBGs ihren Verbleib in der psb-Systemfamilie sichern können.“
psb setze bereits seit knapp 20 Jahren auf leichte Werkstoffe. „So bedienen sich z.B. unsere sprinter RBG einer gewichtsarmen Aluminium-Mastkonstruktion. Dadurch haben wir die beschleunigende Masse schon immer gering gehalten, was sich im Energieverbrauch positiv bemerkbar macht. Sämtliche psb-RBG-Baureihen zeichnen sich durch eine gewichtsarme Konstruktion und somit extrem hohe Leistungsfähigkeit aus. Zielgerichtet war dann unser aktueller Entwicklungsschritt auf die Energierückspeisung beim Verzögern der RBG ausgerichtet. Mit Stolz können wir hier auf die mehrfache von unabhängigen Jurys Auszeichnungen verweisen, auch auf internationaler Ebene“, so Welsch weiter: „Zukünftige Entwicklungen werden sich weiter mit neuen Werkstoffen (z.B. im Bereich des Mastes, aber auch im Bereich Lastaufnahmemittel) beschäftigen. Im Steuerungsbereich deutet die Entwicklung auf einfachere und schlankere Systeme hin. Und beim Thema Energieversorgung steht die bereits in weiteren psb-Systemen eingesetzte berührungslose Energieübertragung auch beim RBG vor der Tür. Im Bereich der Lastaufnahmemittel forschen unsere
Ingenieure aktiv an noch flexibleren Systemen, die die unterschiedlichsten Kunden- THMs flexibel und doch mit hoher Leistung ein- und auslagern können.“
LTW Intralogistics GmbH, E-Mail: office@ltw.at, www.ltw.at
Stöcklin Logistik AG, E-Mail: unit-d@sld.ch, www.stoecklin.com
psb GmbH, E-Mail: info@psb-gmbh.de, www.psb-gmbh.de
TGW Mechanics GmbH, E-Mail: tgw@tgw-group.com, www.tgw-group.com
Westfalia Holding GmbH & Co. KG, www.westfalia-net.com
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