Interview: Materialfluss im Gespräch mit Geschäftsführer Gerd Jennissen der Swisslog GmbH
20.06.2008
Swisslog zählt seit Jahren zu den führenden Anbietern für integrierte Logistiklösungen für Lager, Verteilzentren und Krankenhäuser. Die Referenzliste der weltweit realisierten Grossprojekte ist lang – jetzt will das Schweizer Unternehmen gezielt Lösungen für den Mittelstand anbieten. Geschäftsführer Gerd Jennissen erläutert die Hintergründe.
Der Name Swisslog steht für komplexe Anwendungen innerbetrieblicher Lager-, Materialfluss- und Kommissionierprozesse. Was sind die Beweggründe, auf den Mittelstand zuzugehen?
Wir haben in der Vergangenheit neben unserem Kerngeschäft durchaus auch schon Projekte mit geringerer Komplexität realisiert, so dass uns diese Zielgruppe nicht fremd ist. Die basisnahen Gesetzmäßigkeiten sind ohnehin gleich, so dass hier grundsätzlich kein neues Terrain beschritten wird. Auch in mittelständischen Unternehmen konzentrieren sich alle Konzepte der innerbetrieblichen Logistik auf die Reduzierung der Durchlauf- und Bearbeitungszeiten, Erhöhung der Umschlagleistung sowie Optimierung der Raumnutzung. Kurzum, alles zielt auf eine Senkung der Logistikkosten ab. Dank unserer langjährigen Erfahrung sehen wir uns hier als idealen Partner auch für Lösungen mit einem niedrigeren Automatisierungsgrad.
Ist der Mittelstand mit seinen nicht selten flacheren Strukturen anders anzugehen?
Sicherlich sind hier die Wege zum Investor beziehungsweise Eigentümer kürzer und direkter. Das Gespür für die individuelle Situation des Kunden ist von größter Wichtigkeit, da Fachabteilungen, die sich bereits mit der innerbetrieblichen Logistik befassen, unter Umständen nicht vorhanden sind. Verständnis ist gefragt und Berührungsängste gilt es abzubauen. Es gibt etliche kleine und mittelständische Unternehmen, die trotz des Bedarfs den Weg in die Automatisierung bislang gescheut haben. Hierfür gibt es die unterschiedlichsten Gründe – angefangen von der Angst, bekannte, eingefahrene, „überschaubare“ Strukturen verlassen zu müssen bis hin zum sorgenvollen Blick der notwendigen Erstinvestition. Basisnahe umfassende Beratungen sind daher einleitend oberstes Gebot.
Sieht sich Swisslog im Mittelstand auch durchwegs als Generalunternehmer?
Das ist nicht zu pauschalisieren – dies muss man von Fall zu Fall betrachten. Möchte der Kunde die funktionale Verantwortung für alle Projektphasen in unsere Hände legen, sind wir dazu natürlich gerne bereit. Derartige schlüsselfertige Komplettlösungen von der Planung über die Realisierung bis hin zum Customer Support nach Projektende sind unser tägliches Geschäft. Es gibt aber auch Konstellationen, bei denen gewisse Teilleistungen unter Kundenregie erbracht werden.
Swisslog hat im letzten Jahr den Fördertechnikanbieter Accalon gekauft – ist das auch ein Signal für die kleineren Kunden?
Zweifellos, mit dem Kauf des schwedischen Traditionsunternehmens im Frühsommer 2007 sind wir jetzt in der Lage, Regalbediengeräte und sämtliche Komponenten der Palettenfördertechnik aus einer Hand anzubieten. Dass dies für jeden Kunden preisgünstiger ist, liegt auf der Hand. Zudem stimmt dank der Erfahrung die Qualität: Accalon baute bereits Ende der 60er Jahre das erste vollautomatische Regalbediengerät – heute gehen pro Jahr bis zu 160 Stück in Bauhöhen zwischen sieben und 40 m neben rund 50 komplexen Palettenfördertechnikanlagen an Kunden in aller Welt. Abgerundet werden die beiden Produktreihen durch unsere BOX-Steuerungen, so dass komplette intralogistische Subsysteme geliefert werden können. Dabei setzen wir auf mehr als hundertfach realisierte Standardschnittstellen weltweit.
Wird Swisslog den Mittelstand gezielt bedienen?
Ja, wir werden zukünftig neben unserem bisher bekannten Leistungsspektrum auch spezielle Lösungen für den Mittelstand anbieten. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Im Bereich Software haben wir kürzlich ein Modul mit dem Namen WarehouseManager Packs entwickelt – eine vereinfachte Version unseres Lagerverwaltungssystems WarehouseManager. Dieses Modul ist auf die wesentlichen Anforderungen für weniger komplexe Lösungen zugeschnitten.
Wie werden die Lösungen letztendlich aussehen?
Grundsätzlich wird Swisslog sicherlich die Modularität ihrer Logistiklösungen weiter vorantreiben. Konzepte von der Stange werden allerdings nicht angestrebt. Im Einzelfall ist es immer noch das umfassende Beratungsgespräch mit dem Kunden, das wir als Basis für die Lösungsfindung verwenden.
Swisslog GmbH, E-Mail: wds@swisslog.com, www.swisslog.com
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