Fördertechnik & Komponenten
Automatisierung bevorzugt
Das neue Logistikzentrum der Müller-Drogeriekette in Ulm hat eine neue interne Logistik auf Basis moderner Dolly-Fördertechnik erhalten.

Um die Lagerkapazitäten an die wachsende Nachfrage im Spiel- und Schreibwarenbereich anzupassen, hat das Drogeriemarktunternehmen Müller ein neues Logistikzentrum in Ulm-Nord gebaut. Der vielgeschossige Neubau unweit des Zentrallagers dient der Kommissionierung großvolumiger Artikel. Auf Paletten eingehende Ware wird über eine automatische Fördertechnik in eine Regalanlage eingelagert, von dort in Rollcontainer kommissioniert und wieder für den Warenausgang zu den Filialen bereitgestellt. Geliefert, montiert und in Betrieb genommen wurde die Dolly-Fördertechnik von der Siemens-Division Industry Solutions. Um die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen, übernimmt Siemens auch die mechanische Wartung der eingesetzten Komponenten, die Rufbereitschaft und den Ersatzteilservice.
Ende der sechziger Jahre begann die Firma Müller mit Selbstbedienungs-Drogeriefachmärkten zu expandieren. Heute gibt es in den Müller-Fachkaufhäusern neben den Bereichen Drogerie und Parfümerie auch Fachabteilungen für Bild-, Ton- und Datenträger, Handarbeitsutensilien, Haushaltswaren, Strümpfe und Textilien sowie Schreib- und Spielwaren. Alle Filialen werden vom Zentrallager Ulm-Jungingen aus beschickt, dem Herzstück der Müller-Logistik. Betreiber ist die Tochtergesellschaft Drogerie-Dienst Ulm GmbH. Als international agierendes Unternehmen verantwortet es von Ulm-Jungingen aus den gesamten europäischen Markt.
Auf Grund der starken Expansion entstanden für das Unternehmen sowohl Kapazitäts-, als auch Kommissionierungsengpässe. Deshalb entschied sich Müller im Januar 2009 für den Neubau eines Logistikzentrums im Industriegebiet Ulm-Nord, unweit des bestehenden Zentrallagers. Es entstand ein Logistikkomplex mit einer nutzbaren Fläche von 30.000 m². Das neue Lager mit Außenmaßen von 259 m Länge und 104 m Breite sowie Betonstützen mit einer maximalen Höhe von 35 m ermöglicht eine besonders kompakte Lagerung und Kommissionierung.
Die Hallen wurden im August 2009 fertig gestellt und werden bereits seit August 2009 mit Staplerbetrieb genutzt. Nachdem sich das Unternehmen im Oktober 2009 dazu entschlossen hatte, das neue Lager zum automatisierten Logistikzentrum auszubauen, begannen im Mai 2010 die Realisierungsarbeiten. Schon im Juli 2010 konnten erste Teilbereiche der Anlage in Betrieb genommen.
Die Siemens-Division Industry Solutions erhielt den Auftrag, die komplette Dolly-Fördertechnik für insgesamt drei Hallenabschnitte als Generalunternehmer zu liefern und zu errichten. Diese Abschnitte reichen von der Leergutversorgung bis hin zum Abtransport der fertig kommissionierten Dollies aus den jeweiligen Kommissionierebenen zum Versand. Zum Lieferumfang gehören 90 Auf- und Abgabestationen, mehrere 100 m Fördertechnik sowie zwölf Heber und Leergutpuffer.
In acht Teilbereichen der Anlage werden Simatic-S7-Steuerungen mit Saftey-Funktionen zur Steuerung der Fördertechnik eingesetzt. Jede der Steuerungen ist direkt mit dem bestehenden Materialflussrechner des Logistikzentrums verbunden und somit völlig eigenständig. Um mit der dezentralen Peripherie zu kommunizieren, kommen moderne Profinetkomponenten zum Einsatz. Für die Ansteuerung der Umrichter werden ASi-Bus-Komponenten verwendet. Um ein hohes Maß an Dynamik und Sicherheit zu erreichen, werden speziell bei den hochdynamischen Hebern Sinamics-Umrichter mit Saftey-Funktion eingesetzt. Automatisierungstechnik, robuste Netzverbindungen durch Profinet und ASi-Bus sowie das weltweit eingesetzte Visualisierungssystem WinCC zur Visualisierung und zur Anlagenbedienung kennzeichnen die wichtigen Systemkomponenten.
Die Fördertechnikelemente wurden aus Aluminium-Profil erstellt. Um ihre reibungslose Funktionalität sicherzustellen, sind alle wichtigen Förderer mit Riemen ausgerüstet. Dazu gehört zum Beispiel der Übergabeförderer zur Elektrohängebahn - die logistische Hauptschlagader zur Verknüpfung der Bereiche Wareneingang, Lager, Kommissionierung und Versand von der Elektrohängebahn sowie von und zu den Hebern und Drehtischen. Dies garantiert eine exakte Übergabeposition, ohne dass ein Dolly verrutscht.
Für eine gute Wartungs- und Bedienungsfreundlichkeit der Komponenten wurden die Spann- und Antriebselemente so verbaut, dass ein schneller Zugriff im Wartungsfall möglich ist. Ein weiteres Highlight ist die Umschaltbarkeit der Fördertechnik auf Notbetrieb: In diesem Fall wird die Technikebene gesperrt und alle vollen Versandbehälter werden auf Ebene 1 gefahren. So können die vollen Dollies trotz des Ausfalls der Technikebene und der Elektrohängebahn ausgeliefert werden. Dies gilt auch für die Versorgung des Leerguts, das im Notbetrieb in der Ebene 1 aufgegeben und durch Zielvorwahl in die entsprechende Kommissionierebene befördert werden kann.
Ende Januar 2011 sind alle installierten Förderanlagen erfolgreich in Betrieb gegangen. Um die Verfügbarkeit der Anlage auch künftig sicherzustellen, übernimmt Siemens die mechanische Wartung, die Rufbereitschaft und den Ersatzteilservice.
Die Details
Kunde
- Müller Drogerie-Dienst Ulm GmbH, D-89081 Ulm - Jungingen
Projekt
- Errichtung der Dolly-Fördertechnik für das Lager Ulm Nord
Realisierungszeitraum
- Februar 2010- Dezember 2010
Liefer- und Leistungsumfang
:
- Pflichtenheft
- Engineering der kompletten Mechanik
- 90 Auf- und Abgabestationen, mehrere 100 m Fördertechnik sowie 12 Heber; Leergutpuffer usw.
- Engineering für Schaltschränke, Automatisierung, Visualisierung und Antriebe
- Insgesamt ca. 1.000 Fördertechnikantriebe
- 8 identische Steuerungen
- Anbindung an den Materialflussrechner des Müller-Logistikzentrums
- Inbetriebnahme und Anlaufbegleitung
- Systemeinweisung, Abnahmeleistungen
- After-Sales-Service für die Betriebsphase
Müller Ltd. & Co. KG, E-Mail: [email protected], http://www.mueller.de
Siemens AG, http://www.siemens.com









