Verhaltener Optimismus
08.01.2010
Obwohl der Markt für Flurförderzeuge in diesem Jahr dramatisch eingebrochen ist, konnten sich die Hersteller in einigen Segmenten gut behaupten. Eine Trendwende erwarten die von Materialfluss befragten Unternehmen frühestens Mitte nächsten Jahres.
So wie die meisten Flurförderzeughersteller angesichts der aktuellen Entwicklungen ihre Strategien anpassen mussten, hat auch Atlet auf die Wirtschaftskrise reagiert. Entsprechend der Firmenphilosophie „Atlet Total“ hat der schwedische Flurförderzeugehersteller die Kundenberatung noch weiter intensiviert, um aufzuzeigen, wie kostengünstige und effektive logistische Lösungen realisierbar sind. Ergänzt wurde dies durch attraktive Service- und Ersatzteilangebote sowie durch die Vermietung oder den Verkauf von gebrauchten Geräten.
So sei der Umsatz bei den Flurförderzeugen zwar zurückgegangen, aber nicht so dramatisch, wie zunächst befürchtet. Hauptsächlich verkaufte das Unternehmen deichselgeführte Stapler und Geräte für die Be-und Entladung. Nicht unzufrieden war man zudem mit dem Verkauf von Standard- und Vierwegestaplern. Auf positive Resonanz sei auch die Einführung der Frontstaplerserie „Balance“ gestoßen. Für 2010 rechne man zwar mit keinem leichten Start, setze dennoch konsequent auf die Firmenphilosophie „Atlet Total“.
Toyota verzeichnete bei den Gegengewichtsstaplern einen erheblich größeren Einbruch als bei der Lagertechnik. Lagertechnikgeräte wurden vor allem vom Handel geordert. Um Kunden entgegenzukommen, unterstützt Toyota Material Handling seit Anfang des Jahres die Initiative der Bundesregierung, beim Neukauf von Gabelstaplern eine Umweltprämie zu gewähren.
Trotz erster postiver Signale einer wirtschaftlichen Erholung rechnet das Unternehmen erst Mitte des nächsten Jahres mit einer verhaltenen Erholung des Staplermarktes. Interessant sei nicht nur, wann die Krise zu Ende geht, sondern auch, ob dies parallel weltweit geschehen wird oder ob es regionale Verschiebungen gibt. Davon werde die weitere weltweite Entwicklung abhängig sein. Ein ähnliches Niveau wie im Jahr 2008 werde man voraussichtlich erst wieder 2014 erreichen.
Mehr Marktanteile
Auch Jungheinrich konnte sich dem Absatzeinbruch nicht entziehen. Jedoch habe man über den Direktvertrieb Marktanteile hinzu gewonnen. Da Jungheinrich traditionell im Lebensmittelhandel stark ist, und auch dieser nicht in dem Maße von der Krise betroffen ist, wie die Auto- oder Investitionsgüterindustrie, war auch bei Jungheinrich der Einbruch in der Lagertechnik nicht so extrem wie im Bereich der Gegengewichtsstapler. Im Gegensatz zum Neugeschäft fiel die Abnahme bei anderen Geschäftsfeldern, beispielsweise dem Miet- und Gebrauchtgerätegeschäft, geringer aus.
Der weniger konjunkturanfällige Kundendienst profitierte vom stetig steigenden Marktbesatz und ging nur relativ moderat zurück. Die Talfahrt sei gestoppt. „Derzeit stabilisiert sich die Nachfrage nach Flurförderzeugen auf niedrigem Niveau“, sagt Dr. Helmut Limberg, Vorstand Vertrieb Jungheinrich AG. Für das kommende Jahr erwartet das Unternehmen eine Seitwärtsbewegung und hofft für das zweite Halbjahr 2010 auf eine leichte Belebung des Marktes. Ein Marktvolumen wie in den Jahren 2007 und 2008 erwarte man nicht vor dem Jahr 2014.
Der Absatzrückgang bei Linde betrifft alle Produktsegmente. Allerdings waren auch hier die Rückgänge bei den Lagertechnikfahrzeugen weniger stark als bei den Gegengewichtstaplern. „Zu beobachten ist jedoch, dass unabhängig von einzelnen Produktsegmenten die Produktivität der Fahrzeuge bei anstehenden Investitionsentscheidungen an Bedeutung gewinnt“, erklärt Heike Oder, Pressesprecherin Linde MH.
Stärker als bisher, müsse jede Investitionsentscheidung begründet werden. Dabei spiele nicht nur die Kostenseite, d.h. Anschaffungskosten, Energie- und Servicekosten sowie Personalkosten eine Rolle, sondern auch die Frage, welches Arbeitspensum mit den Fahrzeugen zu schaffen ist und welche Kostenersparnisse sich daraus ergeben.
Für Nissan Forklift Deutschland hat sich der deutsche Markt mittlerweile auf relativ niedrigem Niveau stabilisiert. Die Hauptumsatzprodukte sind Geräte der Baureihen DX und TX. Das Kundenverhalten sei unverändert zurückhaltend. Es würden zwar viele Projekte angefragt. Auch die Anzahl der Projekt nehme zu. Jedoch seien die Kunden bei der Umsetzung noch zurückhaltend. Neben den Anschaffungskosten werde weiter verstärkt auf die Kosten für den gesamten Produktlebenszyklus geschaut. Um die Position im Markt zu festigen und auszubauen fokussiere man sich zudem auf die Händlerunterstützung, den Ausbau der Organisation und die Weiterentwicklungen der Produkte, so dass zusammen mit den Vertriebspartnern erfolgreich in die Zukunft geschaut werden könne.
Der deutsche Markt werde voraussichtlich mit kleinen Aufwärts- und Abwärtsbewegungen auf dem aktuellen Niveau für einige Zeit verweilen und sich dann in der zweiten Jahreshälfte 2010 deutlich beleben. Die Zeppelin Baumaschinen GmbH hat alle batteriebetriebenen Stapler, d.h., Warehouse- und E-Frontstapler am besten verkauft. Abnehmer waren hauptsächlich Branchen wie Non-Food, Pharma oder Chemie. Eine ähnlich positive Entwicklung, also vor allem bei Elektrostaplern, erwartet das Handelshaus im kommenden Jahr. Die Elektrostapler seien bei vielen Einsätzen im Vergleich zu verbrennungsmotorischen Staplern, bezogen auf die Total Cost of Ownership, kostengünstiger und ihre Leistungsfähigkeit nehme stetig zu, was zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis führt.
Auf die zunehmende Popularität der Elektrostapler habe der Staplerhersteller Hyster reagiert und Ende letzten Jahres eine neue Serie präsentiert. Merkmale dieser Die 3- und 4-Rad-E-Stapler sind u.a. geringe Betriebskosten, hohe Produktivität, Ergonomie, Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit. Da mehr als 60 Prozent der Kosten eines Staplereinsatzes Personalkosten sind, lag der Fokus bei der Entwicklung der neuen E-Stapler außerdem auf Ergonomie und Anwenderfreundlichkeit.
Als nächste Entwicklungsstufe bei den Elektrostaplern wird zum Jahresende die 80-Volt-Variante der 4-Rad-E-Stapler auf den Markt kommen. Auch hier wurde wieder die Fahrerfreundlichkeit in den Vordergrund gestellt. So sollen sich die neuen Geräte beispielsweise durch die niedrigste Human-Schwingung im Markt auszeichnen.
Mit Simulation zum Erfolg
Zeppelin sieht generell Chancen im Bereich Lagertechnik, da dieses Geschäft sehr beratungsintensiv ist. Kunden wollten bei der Konzeption ihres Lagerhauses unterstützt werden. Hierzu biete Zeppelin den Hyster Warehouse-Simulator, mit dem sich ein Lagerhaus effektiv managen lässt. Er kann überprüfen, welche Veränderungen zu welchen Ergebnissen führen und welche Geräte-Kombination sinnvoll ist.
Meine Meinung
Auch bei der Staplerbranche, die im Bereich der Intralogistik mit am stärksten Federn lassen musste, scheint nun wieder ein (wenn auch leichter) Aufwärtstrend einzusetzen. Bleibt nur zu hoffen, das auch der Bereich der Gegengewichtsstapler im Jahr 2010 wieder an Fahrt aufnimmt. Leo Breu, Chefredakteur Materialfluss
Atlet Flurförderzeuge GmbH, E-Mail: info@atlet.de, www.atlet.de
Jungheinrich AG, E-Mail: info@jungheinrich.de, www.jungheinrich.de
Linde Material Handling GmbH & Co. KG, E-Mail: info@linde-mh.de, www.linde-mh.de
Nissan Forklift, E-Mail: info@nissanforklift.de, www.nissanforklift.de
Toyota Material Handling Deutschland GmbH, E-Mail: info@de.toyota-industries.eu
Zeppelin Baumaschinen GmbH, E-Mail: zeppelin@zeppelin.com, www.zeppelin.de
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